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Stadthagen Stadt Keine Beschäftigungsgarantie
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Keine Beschäftigungsgarantie
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00:25 26.04.2018
Quelle: archiv
STADTHAGEN

Gregor Knauer, Faurecia Autositze GmbH, verwies auf der Betriebsversammlung vor rund 600 Mitarbeitern in diesem Zusammenhang auf die am Freitag veröffentlichte Pressemitteilung, nach der „rund 1000 Mitarbeiter“ im Großraum Hannover arbeiten werden.

Bittner hofft, dass dies nun im Interessenausgleich und im Sozialplan nachgeholt wird. Im ersteren werde die Maßnahme beschrieben und festgehalten, wie viele Mitarbeiter von der Verlagerung betroffenen sind. „Im Sozialplan werden beispielsweise Fragen geklärt, was mit Kollegen passiert, die kurz vor der Rente stehen“, erklärt Bittner. Und ob Mitarbeitern, die den Wechsel nicht mitmachen wollen, eine Abfindung zustehe.

Aus der Belegschaft sei die Frage gekommen, wie sicher die Jobs der 80 in Stadthagen beschäftigten Mitarbeiter in der Produktion seien. Laut Bittner habe Knauer diesen eine Garantie bis 2024 gegeben, „wenn wir zumindest eine Null schreiben“. Faurecia hat bis 2024 einen großen Auftrag von VW.

Für die Fraktionsvorsitzenden war die offizielle Verkündigung am Freitag, den Faurecia-Standort in Stadthagen in Richtung Hannover zu verlagern, keine Überraschung, aber alle zeigten sich durchweg enttäuscht von der Konzernführung. Auch wenn dieser Verlust für die Stadt kaum zu kompensieren sei, sei nun die Wirtschaftsförderung gefragt.

Als „Trauerspiel“ bezeichnet Heiko Tadge die Entwicklung. Nachdem vor zwei Jahren das Unternehmen noch „großspurig“ einen Neubau in der Kreisstadt angekündigt hatte, „haben Stadt, Landkreis und Land alle Voraussetzungen geschaffen, haben Bauland zur Verfügung gestellet und eine Förderung von 3,5 Millionen Euro“, so der CDU-Fraktionsvorsitzende.

Erinnerungen an Otis

Er befürchte auch, dass die Produktionsarbeitskräfte, die Faurecia am Standort halten will, gefährdet sind. „Es sei denn, es tut sich was in den Köpfen der Manager.“ Aber die räumlichen Kapazitäten seien vorhanden, um weitere Produktionsstandorte nach Stadthagen zu verlagern. Die Situation erinnere ihn an den Fall Otis mit amerikanischer Führung. „Für mich zeigt sich dadurch, dass man sich auf solche Großkonzerne nicht verlassen kann.“ Stattdessen müsse sich die Stadt auf inhabergeführte mittelständische Betriebe, die Bezug zur Region haben konzentrieren.

Dass sich die Wirtschaftsförderung nach dieser Entwicklung auf ihr Kerngeschäft fokussieren muss, fordert auch SPD-Fraktionsvorsitzender Jan-Philipp Beck. Dies sei auch bereits in der jüngsten Sitzung des Wirtschaftsausschusses thematisiert worden. „Ein enger Draht zu Unternehmen ist wichtig, genauso wie die Beobachtung der Branche, um zu wissen, was sich tut.“ Für Beck ist jedoch auch klar: „In diesem Umfang ist es schwierig, die negativen Auswirkungen aufzufangen.“ Dass noch 80 Arbeitsplätze vor Ort verbleiben sollen, sei ein nur „schwacher Trost“.

Zumal sie wenig Hoffnung auf einen Verbleib dieser Sparte hat, sagt Maria Börger-Sukstorf, Grünen-Fraktionsvorsitzende. Sie habe in den vergangenen Wochen zwar noch „ein Stückchen Hoffnung“ gehabt, dass die Entscheidung doch auf Stadthagen fällt, aber nun sei es ein „totaler Verlust“.

Als „kaum zu kompensieren“, bezeichnet Wir-Vorsitzender Richard Wilmers die Entwicklung. Für den defizitären Haushalt sei natürlich der Verlust der Gewerbesteuereinnahmen ein ebenso herber Schlag, noch nicht absehbar sei wie sich der Umzug auf die Kaufkraft niederschlagen werde. „Für die Stadtentwicklung ist es ein Dilemma.“ col