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Keine Strom-Tankstelle in Stadthagen

Elektro-Autos Keine Strom-Tankstelle in Stadthagen

Mit gutem Vorbild in Sachen Elektromobilität vorangehen – das ist das Ziel, das die Bundesregierung mit dem Projekt „Schaufenster Elektromobilität“ bezweckt. Stadthagen ist eine von 75 Kommunen, die im Zuge des Modellversuchs der „Metropolregion Hannover Braunschweig Göttingen“ Elektroautos nutzt. Darüber hinaus geht das Engagement der Kreisstadt allerdings nicht.

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Besitzer in E-Autos haben in Stadthagen schlechte Karten: Möglichkeiten zum Auftanken des Gefährts gibt es dort nirgends.dpa

Stadthagen. Während in Rinteln und in Obernkirchen Besitzer eines E-Autos auch entsprechende öffentliche Ladestationen zum Stromtanken finden, ist in Stadthagen nicht eine einzige Steckdose angebracht worden, seit die Stadtverwaltung und die Stadtwerke Schaumburg-Lippe im Februar 2014 anlässlich des Modellversuchs jeweils einen „VW e-up!“ zur Verfügung gestellt bekommen haben.

Zum Aufladen wird das städtische Elektroauto nachts in der Tiefgarage an Strom angeschlossen. Die hohen Anschaffungskosten – eine sogenannte Schnellladestation kostet 25.000 bis 30.000 Euro – sei für Privatbetreiber nicht wirtschaftlich, wie Wirtschaftsförderer Lars Masurek auf SN-Anfrage erklärt. „Eine freiwillige Leistung in dieser Höhe steht für die Stadt derzeit nicht im Verhältnis zu dem davon ausgehenden Nutzen“, heißt es in einer Stellungnahme. Und weiter: „Ein Gespräch mit den Stadtwerken hat vor einiger Zeit ergeben, dass diese kein Interesse daran haben, eine solche Ladestation zu betreiben.“

Eine zweifelhafte Herangehensweise: Denn neben den hohen Anschaffungskosten für ein Elektroauto – ein „VW e-up!“ in der Elektroversion kostet etwa doppelt soviel wie die Kraftstoffvariante – ist die fehlende Lade-Infrastruktur ein Gegenargument zur Anschaffung eines mit Strom betriebenen Autos. So beschreibt die derzeitige Situation Paul Schulze, Inhaber des gleichnamigen Autohauses, das gestern in Stadthagen eröffnet hat. Ähnlich sieht Raimund Nowak, Geschäftsführer der Metropolregion, die Lage. Selbst wenn im Endeffekt nicht sehr viele Ladestationen gebraucht würden: „Die Menschen haben einfach Angst, dass sie liegen bleiben mit ihrem E-Auto.“ Schon aus psychologischen Gründen betont Nowak darum: „Jede Stromtankstelle hilft.“ Zudem haben Nowak zufolge viele Menschen nur die Anschaffungskosten und weniger die Betriebskosten im Blick. Elektroautos sind besonders für Vielfahrer geeignet, wie der Geschäftsführer erklärt. Ab einer Laufleistung von 15.000 bis 20.000 Kilometern im Jahr seien die vollelektrischen Fahrzeuge hinsichtlich der Betriebskosten mit den Kraftstoffautos gleich auf.

In Stadthagen scheint das Elektrozeitalter jedoch noch in weiter Ferne: Zwei Jahre lang werden die von der Metropolregion zur Verfügung gestellten Fahrzeuge mit monatlich 200 Euro gefördert. Dadurch kosten die Autos die Stadtverwaltung nur 350 statt 550 Euro pro Monat. Die Metropolregion ist laut Nowak derzeit mit den Herstellern der E-Autos im Gespräch und geht davon aus, dass die Kommunen die Elektroautos nach der Modellphase günstig übernehmen können.

Auch wenn die Mitarbeiter der Stadtverwaltung und Bürgermeister Oliver Theiß mit der Alltagstauglichkeit, die während der Modellphase getestet werden soll, zufrieden seien, soll es nächstes Jahr wieder Kraftstoffautos geben.

Die Modellphase endet im März nächsten Jahres. „Die Stadt wird den ,e-up!‘ nach Ende des aktuellen Projektes nicht weiter nutzen“, sagt Masurek. Zum einen gebe es derzeit keinen Bedarf für eine reguläre Ersatzbeschaffung im Fuhrpark. Zum anderen müssten die Dienstfahrzeuge aus Gründen der Wirtschaftlichkeit auf allen Streckenlängen einsetzbar sein.

„Auf kürzeren Strecken ist der ,VW e-up!‘ unter normalen Umständen sehr alltagstauglich.“ Ein hoher Energieverbrauch bei längeren Strecken, vor allem, wenn Heizung oder Klimaanlage genutzt würde, könne „zu einer sehr deutlichen Reduzierung der Reichweite führen“. Insofern sei die Anschaffung eines Autos aus Sicht der Stadtverwaltung nur für Kurz- und Mitteldistanzen nicht wirtschaftlich. tbh, sk

Abgehängt

Von Verena Insinger

Es werden Klimamanager beschäftigt, Tausende Euro in die energetische Sanierung von Gebäuden gesteckt, Photovoltaikanlagen auf Dächer gebaut – das Thema Energiesparen treibt nicht nur Privatleute, sondern auch Kommunen um. Nur in der Kreisstadt hat man das Gefühl, dass dieses Ziel nicht mit aller Konsequenz verfolgt wird. Wie kann es sein, dass in der Kreisstadt keine öffentliche Strom-Zapfanlage vorhanden ist? Die Begründung von Lars Masurek, warum die Stadt keine baut, ist auch nicht hinreichend. Sie erinnert an die Ei-Hennen-Diskussion. Weil keine E-Autos durch Stadthagen fahren, besteht auch kein Bedarf für die Tankstellen. Vielleicht investieren die Bürger ja auch aus dem Grund nicht in ein E-Auto, weil die Infrastruktur dafür schlicht nicht vorhanden ist. In Zeiten der Energiewende sollten Kommunen als gutes Beispiel vorangehen. In Stadthagen ist davon an diesem Punkt leider nichts zu sehen.

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