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Kerngedanke: Gliederung

Marktplatzgestaltung vor 35 Jahren Kerngedanke: Gliederung

Der Marktplatz in Stadthagen soll aller Voraussicht nach umgestaltet werden. Dazu sind Planungen in Vorbereitung. Ein externes Fachbüro hat dafür erste Ideenskizzen vorgelegt.  Doch wie hat der Marktplatz sein heutiges Gesicht erhalten?

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Eine Szene aus dem Jahr 1982: Hinter dem damaligen City-Bus sind die Umbauarbeiten auf dem Markptlatz zu erkennen – eingebaut wurden auch die zentralen Elemente Brunnen, Betonquader, Stufen und Bäume.

Quelle: PR.

STADTHAGEN. Aus welchen Beweggründen wurde er so gestaltet wie er sich heute zeigt – unter anderem mit Brunnen, Treppenstufen, Betonquadern und Bäumen? Umgestaltet wurde er 1981/82 im Zuge der Einrichtung der Fußgängerzone. Denn bis dahin gab es im Bereich des heutigen Marktplatzes ringsherum Autoverkehr mit vielen Parkbuchten auf einem Längsstreifen in der Mitte.

Die zentrale Gestaltungsidee sei die Gliederung des Platzes durch unterschiedliche Elemente gewesen, erinnert sich der damalige wie heutige Ratsherr Gunter Feuerbach: „Da herrschte die Überzeugung vor, dass der Platz ungegliedert zu großflächig wirken würde, dass also eine zu große leere Fläche entstehen würde, die man dann erdulden müsste.“ Fritz Wehling, damals stellvertretender Bauamtsleiter, stimmt zu: „Die Gliederung des Platzes war ein ganz bewusst gewähltes gestalterisches Mittel.“ Die Fläche sollte in unterschiedliche Aufenthaltszonen aufgeteilt werden.

Brunnen als wichtigstes Gliederungselement

Als wichtigstes Gliederungselement wurde der Brunnen in einer quadratisch gepflasterten Aufenthaltsfläche in der Platzmitte geschaffen. Dass dort ein Brunnen errichtet werden sollte, war völlig unstrittig, allerdings gab es über seine Gestaltung heftige Debatten. „Die waren emotional extrem aufgeladen“, erinnert sich Feuerbach. Sowohl Teile des Rates als auch der Bürgerschaft wollten etwas Traditionelles haben, „etwa eine Marktfrau in Tracht oder einen Bergmann mit Lore“. Die Mehrheit im Rat befürwortete allerdings eine moderne Gestaltung. Legendär die Art und Weise wie der damalige Bürgermeister Ernst Meier die Gegner zum Einlenken brachte. „Wo soll bei der Marktfrau denn das Wasser rauskommen?“ habe er süffisant gefragt, erzählt Feuerbach. Lautem befreienden Gelächter sei letztlich das einstimmige Ja für die heutige Form mit den abstrakten Allegorien der „Stadtgeister“ gefolgt.

Einen Gegenakzent zur zentrierten Brunnenfläche sollten nach Erinnerung von Wehling die linearen Betonquader-Reihen bilden: „Sie sollten zudem einen rationalen Gegenpol zur weichen Ausdrucksform der Brunnengestalten darstellen.“ Die Quader tragen stark zur Gliederung des Platzes in Längsrichtung bei. In praktischer Hinsicht war der Gedanke, durch diese auf dem gesamten Platz Möglichkeiten zum Verweilen anzubieten.

Höhenunterschied umgehen

Die Stufen im Bereich vor der Sparkasse waren nach Darstellung von Feuerbach das Ergebnis der Überlegung, wie man mit dem Höhenunterschied in diesem Bereich des Platzes umgehen sollte. „Ohne die Stufen hätte es eine erhebliche Schräge gegeben, durch die Neuerung entstanden ebene Flächen.“ Dadurch erst seien diese Areale zur Nutzung durch Außengastronomie, Marktbeschicker oder Veranstaltungen verfügbar geworden.

Durch die Bepflanzung mit Bäumen „in freier Anordnung“, wie Wehling sagt, sollte symbolisch eine Anbindung des historischen Platzes an die Wallanlagen geschaffen werden. Dabei seien bewusst kleinkronige Exemplare ausgewählt worden, „um die Fassaden nicht zu verdecken“.

Die Entscheidungsfindung für diese Gestaltung des Marktplatzes sei durch große Einigkeit im Rat gekennzeichnet gewesen, erinnert sich Wehling: „Hinter den Kulissen wurde über Details teils heftig diskutiert, aber nach außen trat man einig auf – da zogen alle an einem Strang.“ Was zu damaliger Zeit noch reichlich ungewöhnlich war: Durch etliche Bürgerversammlungen wurden die interessierten Einwohner in die Willensbildung einbezogen. Wichtig sei auch gewesen, dass sich nach anfänglichem Zögern viele Eigentümer von Gebäuden am Marktplatz zur Sanierung der Fassaden bereit fanden. ssr

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