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21:42 10.06.2014
Erhalten Schüler mit Migrationshintergrund keine frühe Förderung, haben sie später in der Schule und im Beruf große Probleme. Quelle: dpa
Stadthagen

Die Zahlen gehen aus einer Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung zur Lage der Integration hervor. Doch nicht nur Kinder türkischer Migranten sind von der sogenannten „Integrationsfalle“ betroffen, auch viele andere erreichen nicht die Hochschulriefe. Für Holger Wirtz, Leiter des Wilhelm-Busch-Gymnasiums (WBG), ist das Thema von „enormer Wichtigkeit“. An seiner Schule würden zwischen zehn und 13 Prozent Schüler unterrichtet, bei denen ein Migrationshintergrund bekannt ist.

 Die Barrieren, die Kinder mit Migrationshintergrund auf dem Weg zum Abitur überwinden müssen, seien jedoch vielfältig und würden schon in den frühen Kindertagen auftreten, sagt Wirtz. Die Schulen müssten sich stärker auf die Motivation von Kindern und deren Eltern konzentrieren. Wenn den Eltern die Schulbildung ihrer Kinder nicht wichtig sei, hätten die Kinder schlechte Chancen aufs Abitur. Deshalb müsse die Motivation so früh wie möglich beginnen – am besten schon bei der frühkindlichen Bildung. Denn, wer auf das Gymnasium kommt, spricht in der Regel einwandfreies Deutsch.

 Deshalb sei die entscheidende Schnittstelle für jedes Kind, ob mit oder ohne Migrationshintergrund, der Schulübergang.

 Ein ähnliches Bild bietet sich am Ratsgymnasium. Acht Jungen und elf Mädchen mit bekanntem Migrationshintergrund sind nach den Worten von Angelika Hasemann im diesjährigen Abiturjahrgang, insgesamt weiß sie von 138 Schülern mit ausländischen Wurzeln an der Schule.

 „Einige sind mit an der Spitze“, sagt Hasemann, verweist aber auch darauf, dass es Migrantenkinder mit dem Wechsel auf ein Gymnasium „schon weitgehend geschafft“ haben.

 Die Oberschule Am Schlosspark hat seit 2013 zwei spezielle Sprachlernklassen. Bis zu sechs Monate können Schüler aller Schulen dorthin gehen, wenn ihnen die Grundlagen der deutschen Sprache fehlen.

 Entscheidend ist der Notendurchschnitt

 An der Stadthäger Grundschule Am Sonnenbrink haben etwa 38 Prozent der 340 Kinder einen Migrationshintergrund, sagt Schulleiterin Petra Ammon. Entscheidend für eine Empfehlung der Schule zur gymnasialen Laufbahn sei ein Notendurchschnitt von 2,3 in den Fächern Deutsch, Mathe und Sachkunde. Das bedeute auch, dass Kinder auch mit einer schlechten Deutschnote durchaus eine Gymnasialempfehlung bekommen können. Zudem werde das Arbeits- und Sozialverhalten mitbewertet. Die größte Hürde seien aber immer wieder die Sprachprobleme, die sich in jedem Schulfach niederschlagen würden. Der „typische Schüler“ mit Migrationshintergrund spreche nahezu perfektes Deutsch, in den Aufsätzen wimmele es dann aber nur so vor Grammatikfehlern.

 Der „Knackpunkt“ sei die Einstellung der Eltern zur Schule, sagt Ammon und pflichtet damit ihrem Kollegen Wirtz bei. Wenn die Eltern für ihre Kinder nicht nach einer guten Schulbildung streben, sie bei Hausaufgaben und Ähnlichem unterstützen, hätten die Kinder kaum eine Chance. Solche Eltern seien bei Kindern mit Migrationshintergrund an der Grundschule Am Sonnenbrink überproportional vorhanden.

 Auch Saka Cicotic sieht die Eltern in der Pflicht. Cicotic, ehemaliger Sportlehrer aus Bosnien und seit 2001 Sozialarbeiter in Stadthagen, betreut die Schüler an der Oberschule Am Schlosspark. „Ich weiß, dass ein großer Teil von ihnen Fähigkeiten hat, aber diese müssen auch gefördert werden.“ Die Zusammenarbeit mit den Eltern sei aber häufig schwierig.

 Im vergangenen Schuljahr verließen 114 Kinder die Grundschule Am Sonnenbrink. SN-Informationen zufolge wurden von den 43 Realschulempfehlungen 19 Kindern mit Migrationshintergrund zugesprochen, bei den Empfehlungen für die Hauptschule waren es 19 von 37. Gymnasialempfehlungen vergab die Schule insgesamt 26 – nur sechs davon für Kinder mit Migrationshintergrund.
 aw, on