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Knöllchen vom Discounter

Parkplatz-Ärger in Stadthagen Knöllchen vom Discounter

Montagmittag auf dem Penny-Parkplatz an der Pillauer Straße: So hat sich Irmgard Müller ihren Einkauf sicher nicht vorgestellt. Als die Rentnerin zu ihrem Auto zurückkehrt, erlebt sie eine böse Überraschung. Ein Strafzettel klemmt hinter dem Scheibenwischer. Was das soll? Der Mitarbeiter des privaten Überwachungsdienstes „Fair parken“ eilt zur Aufklärung herbei. „Sie haben Ihre Parkscheibe nicht richtig eingestellt. Leider musste ich deshalb eine Strafgebühr gegen Sie verhängen.“

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Glück gehabt: Der Kontrolleur ist gerade dabei, einen Strafzettel zu schreiben, als die Kunden von ihrem Einkauf aus dem Penny-Markt zurückkehren.

Quelle: ber

Stadthagen. Die Parkplatzkontrolle dient nach Angaben der Penny Markt GmbH dazu, Fremd- und Dauerparker von dem Gelände fernzuhalten, „um die Parkflächen den Kunden zur Verfügung zu stellen“, erklärt Regionsleiter Michael Herz. Ein unerwünschter Nebeneffekt dürfte jedoch sein, dass auch einige Kunden nach ihrem Einkauf einen Strafzettel an der Windschutzscheibe vorfinden. Wohl auch, weil sie nicht mit einer solchen, in Stadthagen bislang unüblichen Vorgehensweise gerechnet haben. Mehrere verärgerte Leser haben sich an die SN gewandt, weil ihr Einkauf teurer wurde als geplant.

Ein Ehepaar aus Ahlen hat gerade noch einmal Glück gehabt: Es traf just in dem Moment an seinem Auto ein, als der Kontrolleur das Strafgeld einbuchen wollte. „In diesem Fall kann ich ganz unkompliziert die Strafe zurücknehmen. Schwieriger wird es, wenn ich das Bußgeld bereits eingebucht habe. Dann müssen sich die Betroffenen telefonisch an ,Fair parken‘ wenden“, erklärt der Kontrolleur, der nach eigenen Angaben rund 50 Knöllchen pro Woche verteilt.

Allerdings, so betont Regionsleiter Herz, sei die Vorgehensweise bei der Parkplatz-Überwachung „auf absolute Deeskalation angelegt“. Neben der Beschilderung auf dem Parkplatz werde eine mögliche Strafe zunächst mit einem Hinweis am Fahrzeug angekündigt. Erst bei wiederholten Verstößen sei eine „Vertragsstrafe“ in Höhe von 19,90 Euro fällig. „Für mich ist das viel Geld, ich bekomme nur eine geringe Rente“, ärgert sich Müller. Sie will sich bei „Fair parken“ melden, um die Strafe abzuwenden.

„Zu unserem Verständnis von Kundenbindung zählt auch das Thema Kulanz“, betont Herz. Er verspricht: „Kann der vermeintliche Fremdparker durch einen Kassenbon nachweisen, dass es sich hier um eine Fehleinschätzung handelte, wird sofort und unbürokratisch das Strafmandat storniert.“

Mit den Knöllchen, die von Polizei und Ordnungsamt bei Verstößen gegen die Straßenverkehrsordnung ausgestellt werden, hätten die Strafzettel auf dem Penny-Parkplatz nichts zu tun, sagt Polizeisprecher Axel Bergmann. Dennoch finde er das Verhalten „abstrus“. Da es sich bei dem Parkplatz um ein Privatgrundstück handele, sei es aber legal.

Offenbar ist das Vorgehen auch bei der Discounterkette bisher die Ausnahme. „Die Kooperation mit ,Fair parken‘ kommt nur in Ausnahmefällen zum Einsatz“, erklärt Herz, „und zwar dort, wo unsere Kunden signalisieren, dass die Parkmöglichkeit eingeschränkt ist.“ ber, tbh

Eigentor

Von Matthias Berger

Penny hat mit der Parkplatz-Überwachung ein Eigentor geschossen. Weil eine solche Vorgehensweise in Stadthagen bisher nicht üblich ist, hatte der Einkauf im Discounter selbst für einige Kunden ein ärgerliches Nachspiel. Dabei sollten diese ja eigentlich von der Regelung profitieren.
Natürlich ist es das gute Recht von Penny, zu verhindern, dass Fremdparker Stellplätze blockieren. Allerdings stellt sich die Frage, ob dieses Problem ausgerechnet an der Pillauer Straße so groß ist, dass das Unternehmen zu derart drastischen Sanktionen greifen muss. Das benachbarte Fitnessstudio hat ebenso eigene Parkflächen wie das Tropicana oder der Lidl-Markt auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Und für Dauerparker oder Kunden, die auch noch in die Innenstadt wollen, liegt der Festplatz näher.
„Unser Ziel sind zufriedene Kunden“, lässt das Unternehmen verlauten. Betroffene wie Irmgard Müller werden sich da vermutlich nicht mehr angesprochen fühlen.

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