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Kohlenkirche soll möglichst gerettet werden

Wahrzeichen der Industriekultur Kohlenkirche soll möglichst gerettet werden

Was bald mit dem Wasserturm passieren wird, nämlich der Abriss, das soll sich mit einem weiteren historischen Gebäude am Georgschacht möglichst nicht wiederholen: der so genannten Kohlenkirche. Ein Fachbüro könnte 2018 mit einer statischen Prüfung beauftragt werden.

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Aus den Wänden sprießen die Birken – doch trotzdem soll die Kohlenkirche möglichst erhalten werden.

Quelle: RG

STADTHAGEN. Dieses 1902 in Betrieb genommene Jugendstil-Bauwerk diente bis zur Stilllegung des Georgschachtes 1960 zur Hälfte als Verwaltungsgebäude und zur anderen Hälfte als Wasch- und Umkleidetrakt für die Bergleute („Waschkaue“). Kohlenkirche heißt der Bau, weil er architektonisch wie eine dreischiffige Basilika konstruiert ist. Und das teilweise aufwendig, etwa mit Kreuzrippengewölben. Das Bauwerk steht – anders als der Wasserturm – unter Denkmalschutz.

Nach Plänen des städtischen Bauamtes soll im ersten Schritt ein Gutachter den statischen Zustand des Gebäudes ermitteln. Das kostet 30.000 Euro. Die Hälfte des Geldes kann nach Darstellung von Bauamtsleiter Gerd Hegemann aus Mitteln des EU-Förderprogramms Leader finanziert werden. Die andere Hälfte muss erst noch mit dem städtischen Haushalt 2018 beschlossen werden. Das Gutachten kann deswegen also erst im kommenden Jahr erstellt werden.

Gutachten als Basis für weitere Pläne

Erst auf der Grundlage dieser Erkenntnisse können laut Hegemann dann Pläne für das weitere Vorgehen entwickelt werden. Die Verwaltung hofft dabei darauf, dass eine Sicherung des Gebäudes mit vertretbarem Aufwand möglich wird. Notwendig dafür wären auf jeden Fall erneut Leader-Mittel. Die 50-prozentige Gegenfinanzierung müsste vom Rat beschlossen werden. Welche Kosten die reine Sicherung des maroden Bauwerks verursachen würde, darauf will Hegemann sich nicht festlegen: „Das wäre zum gegenwärtigen Zeitpunkt reine Spekulation.“

Ziel wäre nach Vorstellung des Bauamtes demnach, durch die Sicherung die Voraussetzung zu schaffen, dass irgendwann einmal eine Sanierung für eine Nutzung möglich bleibt. Das würde nach den Worten Hegemanns freilich einen teilweisen Neuaufbau erfordern und finanziell „mehrere Millionen Euro an Kosten verursachen“.

Besitzer des Gebäudes ist Tösmeier

Das Gebäude gehört übrigens der Entsorgungsfirma Tönsmeier, auf dessen Betriebsgelände es steht. Die Begutachtung und Sicherung des Bauwerks würde nach Darlegung von Hegemann mit Zustimmung des Eigentümers passieren, allerdings ohne dass dieser sich an den Kosten beteiligt.

Für die SPD ist die Kohlenkirche nach den Worten von Fraktionschef Jan-Philipp Beck „ein wichtiges Wahrzeichen der Industriekultur Stadthagens“. Deswegen setze sich die SPD für eine Sanierung ein, was allerdings finanziell „in überschaubarem Rahmen“ bleiben müsse. Außerdem müsse Schritt für Schritt vorgegangen werden. Die CDU betrachtet ein mögliches Sanierungsvorhaben vor dem Hintergrund der städtischen Finanzen laut Fraktionschef Heiko Tadge eher „mit recht viel Skepsis“. Richard Wilmers (WIR) möchte erst wissen, was eine Erhaltung des Bauwerks kosten würde. ssr

Das sagen User bei Facebook

Fabio Gatto: „Ein Gebäude, das wirklich sichtbar für jeden ist und ein Stück Geschichte des Bergbaus war, wird abgerissen. Eine Halde beziehungsweise mehrere Halden werden unter Landschaftsschutz gestellt, (...) da sie an den Bergbau erinnern und wichtig für das Bild des Georgschacht sind. Versteh das einer.“
Jan Heinemann: „Ein Denkmal der Zeitgeschichte und Identität für die Region – leider verloren! Wurde dies wohl überlegt? Der Bergbau gab vielen Menschen in und um Stadthagen lange Zeit Lohn und Brot. Ich finde es sehr schade.“
Gerd Schl: „Sehr merkwürdig diese Stadtpolitik. Anfang der Achtziger, als der damalige Schrottplatz geschlossen wurde, hatte man über Sanierung des Georgschachtes schon mal diskutiert, wie er restauriert werden könnte. Da die Stadt Stadthagen leider – wie bekannt – keine Ideen, kein Geld und letztlich kein Interesse hat, wurde und wird so etwas immer schön abgelehnt. Es wäre dort aber genügend Platz für Spielhallen, vielleicht sollte die Stadt da noch einmal drüber nachdenken.“
Jan-Malte Döring: „Dennoch stellt sich die Frage, wieso es in den 1980er und 1990er Jahren versäumt wurde, die für das Ensemble zentralen Gebäude zu schützen, beziehungsweise Maßnahmen zum Erhalt der bereits damals abgängigen Dächer anzuregen. Und selbst um die Baudenkmäler des Georgschachtes (Waschkaue und elektrische Zentrale) ist es nicht unbedingt besser bestellt. Hier hätte man Entwicklungen, die sich in ähnlicher Form auch in der Altstadt – beispielsweise in der Klosterstraße – abzeichnen, entgegenwirken können.

Nun dem Verlust eines der ältesten erhaltenen Relikte des Schaumburger Bergbaus nachzutrauern, ist eine Sache. Wichtig ist nun, herauszufinden, wie mit dem verbleibenden Erbe umgegangen werden soll. Auch die Kohlenkirche ist in baulich problematischem Zustand. Nach über 30 Jahren ist es nun an der Zeit, sich mit der Zukunft des gesamten Areals, den Bauwerken und Denkmälern sowie ihrer Rolle als Erinnerungsorte unserer Stadt und unserer Region auseinanderzusetzen, damit nicht noch mehr Substanz verloren geht.

Nicht nur die Uhr des Wasserturms läuft ab, bald geht auch den restlichen Bauwerken die Zeit aus – und dann verliert dieser Ort am westlichen Stadtrand von Stadthagen endgültig seinen Charakter und entwickelt sich von einem wertvollen Erinnerungsort für das Leben und Arbeiten in Stadthagen zurück in die Beliebigkeit.“
Frankie Minga Oida: „Für so was werden 130.000 Euro freigegeben? Warum? Hätte man die nicht anders besser investieren können?“
Claudia Vogt: „Da hat der Nabu bestimmt auch noch ein Wörtchen mitzureden – in Bezug auf Turmfalken, Uhu und Co.“ 

Quelle: Facebook

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Ein Kommentar von Verena Insinger

Der Wasserturm ist verloren, ein äußerst bedauerlicher Umstand für die Geschichte Stadthagens. Dennoch sind alle anderen Alternativen finanziell einfach nicht darstellbar. Dafür fehlen der Stadt die Mittel. Der aktuellen Verwaltungsspitze und den Ratsleuten ist da kein Vorwurf zu machen. Vor Jahrzehnten wurden von den Stadtoberen falsche Entscheidungen getroffen, beziehungsweise dem Verfall von Wasserturm und Co. untätig zugesehen. Dieser Umstand ist allerdings kein Freifahrtschein für die Entscheider der Kreisstadt mit Blick auf die Zukunft. Verwaltung und Politik müssen sich jetzt zusammensetzen und gemeinsam eine Lösung erarbeiten, wie der Rest des historischen Areals für die Nachwelt erhalten bleiben kann. Denn der Georgschacht ist ein Stück Identität der Stadt. Baute doch vieles erst auf dem Bergbau auf.

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Politik: "Wir sind traurig"

Nun ist es endgültig: Der Wasserturm am Georgschacht wird abgerissen. Das hat der Rat der Stadt Stadthagen am Montagabend einstimmig beschlossen. Das Gremium gab 130.000 Euro für die Kosten der Beseitigung frei.

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