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Stadthagen Stadt Kritik an der CTC-Strategie
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Kritik an der CTC-Strategie
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00:24 26.02.2018
Auch Kindergärten wollen von CTC-Programmen profitieren. Quelle: dpa
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Es würde an umgesetzten Maßnahmen mangeln und die Entscheidungsfindung zu wenig transparent sein, so die Kritik. Dem hat sich CTC-Koordinator Ralf Cordes jetzt entgegengestellt und zusammen mit den beteiligten Partnern Stellung bezogen.

 Auch Bürgermeister Oliver Theiß lobte CTC als „eng am Bedarf“ von Kindern, Jugendlichen und Eltern. Mittlerweile sei man an dem Punkt, an dem Maßnahmen umgesetzt worden seien, „und wir können jetzt zeigen, dass CTC kein zahnloser Tiger ist“. Deswegen sei in den Haushaltsberatungen auch keine Mittelkürzung (zur Verfügung stehen aktuell 23.000 Euro) vorgesehen worden – zumindest vorerst. „Aber natürlich werden wir weiterhin alle Ausgaben auf den Prüfstand stellen und gucken, wo wir noch weiter sparen können“, macht Theiß deutlich.

 Allerdings war die von Jürgen Steltner (BBS-Leiter) geleitete Lenkungsgruppe, die über die Maßnahmen und damit auch über die Finanzen entscheidet, bisher überaus sparsam. Gerade einmal wenige hundert Euro seien bisher ausgegeben worden.

250 Euro für "Cannabis-Workshop"

So etwa 250 Euro für den Modellversuch „Cannabis-Workshop“ der Berufsbildenden Schulen. Dieser sei so erfolgreich gelaufen, erklärte Schulsozialarbeiter Martin Dralle, dass dies mittlerweile im Unterricht implementiert worden sei und aus dem laufenden Budget bezahlt werde.

 Erfolgreich sei auch ein Elternkurs im Familienzentrum durchgeführt worden. „Dabei wollen wir die Erziehungskompetenz der besonders belasteten Eltern stärken“, erklärt Birgit Schaper-Gerdes vom Kooperationspartner Kinderschutzbund. Man habe so gute Erfahrungen gesammelt, dass nun das Ziel sei, den Kurs einmal jährlich durchzuführen. Denn diese Eltern würden durch andere Angebote kaum erreicht werden. Darin sei die Hoffnung begründet, diese Eltern in weitergehende Treffs oder andere pädagogische Angebote einzubinden.

 Speziell an Eltern mit Migrationshintergrund richten sich die Elterntalks, die seit April vom Familienzentrum gesteuert durchgeführt werden. Wie berichtet, handelt es sich dabei um eine Art Tupperparty – aber eben zum Thema Erziehung. Die Treffen moderieren fünf Mütter, die in Gesprächsführung ausgebildet wurden. 55 solcher Elterntalks seien im vergangenen Jahr durchgeführt worden, freut sich Britta Kunze, Leiterin des Familienzentrums: „Diese Zahl spricht für sich.“

Bestehende Ressourcen reichen nicht aus

 Auch die Kindergärten wünschen sich die Förderung von verschiedenen Programmen durch CTC. So soll im Jägerhof und im Herminenstift das Projekt „Kindergarten plus“ eingeführt werden. Dieses soll die soziale und emotionale Kompetenz der Kinder fördern. Dafür muss jeweils ein Erzieher zum Trainer ausgebildet werden. „Wir haben mit den städtischen Kindergärten sowie mit denen in freier Trägerschaft über die Bedarfe gesprochen und wollen gerne für die gute Qualifikation der Mitarbeiter sorgen“, so Cordes.

 Die Mitarbeiterinnen des Mädchen- und Frauenberatungszentrums Basta wollen das Thema „Sexting“ – also das Verschicken von Nacktbildern mit dem Handy – sexual- und medienpädagogisch begleiten. „Wir haben aufgenommen , was in den letzten fünf Jahren eskaliert ist“, sagt Ingetraud Wehking. Bei einer Umfrage vor fünf Jahren hätten zehn Prozent der Jugendlichen angegeben, schon einmal ein Nacktbild von sich verschickt zu haben, mittlerweile seien es schon 30 Prozent. „Und das kann zu wirklichen Dramen führen.“

Auch wenn es in Deutschland wohl noch keine Selbstmorde von Teenagern gegeben habe, im europäischen Ausland durchaus. „Es gibt dafür leider noch keine Konzepte, keinen Koffer mit Maßnahmen.“ Deswegen müssten dringend sowohl die Schulen als auch die Eltern sensibilisiert werden. „Wir können das aber nur auf die Beine stellen, wenn wir Mittel kriegen. Mit den bestehenden Ressourcen können wir das nicht wuppen.“ Eine Entscheidung dazu steht noch aus. col

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