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Lange Umwege für Rolli-Fahrer

Stadthagen / Bahnhof Lange Umwege für Rolli-Fahrer

Reichlich frustriert gewesen ist Hermann Ludewigs in jüngster Zeit, wenn er Züge im Stadthäger Bahnhof erreichen wollte.

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Wenn der Bahnsteig zur Sackgasse wird: In Stadthagen können Rollstuhlfahrer nur über einen Umstieg in Bückeburg den Fußgängertunnel erreichen, da wechselweise die Fahrstühle an den Gleisen defekt sind.

Quelle: pr.

Von Stefan Rothe

Stadthagen. Der 67-jährige Stadthäger ist auf einen Rollstuhl angewiesen und stand dort mehrfach vor defekten Fahrstühlen. Von den Auskünften der Deutschen Bahn ist Ludewigs eher genervt.

 Aus Hannover war Ludewigs vor etwa zwei Wochen abends mit seiner Ehefrau gekommen, als auf Gleis1 der Fahrstuhl defekt war. „Ich hatte keine Chance, in den Tunnel hinunter zu gelangen.“ Nach Betätigung der Notruf-Säule auf dem Bahnsteig „musste ich erst lange warten und dann kam die Auskunft, ich solle doch über Bückeburg fahren, dort in den Zug Richtung Hannover steigen und in Stadthagen auf Gleis3 aussteigen“. Das habe er dann auch gemacht: „Was sollte ich sonst tun?“

 Zwölf Tage später wollte Ludewigs aus der Kreisstadt nach Hannover fahren. Doch diesmal war der Fahrstuhl auf Gleis3 kaputt. Das triste Schauspiel wiederholte sich. Wieder musste Ludewigs der Aufforderung folgen, zunächst den jetzt intakten Aufzug an Gleis 1 zu nehmen, nach Bückeburg und von da aus zurück über Stadthagen nach Hannover zu fahren. „Das sind jedes Mal eineinhalb Stunden Umweg“, empört sich der Rollstuhlfahrer.

 Niemand bei der Bahn AG habe ihm sagen können, wann der Aufzug repariert werde, zeigte sich der Stadthäger vom Service des Unternehmens enttäuscht. Es handele sich um „eine sehr unschöne Situation“, räumte Bahn-Sprecherin Sabine Brunkhorst auf Anfrage ein.

 In den allermeisten Fällen handele es sich bei den Defekten um Folgen von Vandalismus. „Da wird am Schalter gekokelt oder Cola in das Steuerungsgerät gegossen“, nennt sie nur zwei Beispiele dafür.

 Die Ursache für den derzeit maladen Fahrstuhl auf Gleis3 sei allerdings gewesen, dass beim Befreien eines Eingeschlossenen am Dienstag dieser Woche „die Steuereinheit kaputt gegangen ist“. Wann das Ersatzteil beschafft werden könne, sei derzeit tatsächlich nicht zu sagen, fügt die Sprecherin bedauernd hinzu. Auf die Frage, ob der Umweg über Bückeburg für den Betroffenen aus Sicht der Bahn die einzige Lösung sei, antwortet Brunkhorst: „Was sollen wir denn sonst tun?“

 Überwachungskameras seien der Unternehmenssprecherin zufolge sinnlos, „weil die verdeckt werden oder sich die Täter vermummen“. Und „24-Stunden-Wachposten sind einfach zu teuer.“ Es bleibe nur der eindringliche Appell an die Täter, sich die Folgen des Vandalismus für Menschen mit Behinderungen vor Augen zu führen. Die Bahn sei zudem in jedem Fall bemüht, „den jeweiligen Fahrstuhl so schnell wie möglich reparieren zu lassen“.

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