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Leben eines notorischen Betrügers

Stadthagen Leben eines notorischen Betrügers

Geschichten hat ein 70-Jähriger reichlich auf Lager. Einmal will er zum Beispiel „als V-Mann für das Landeskriminalamt drei Morde aufgeklärt“ haben. Jetzt steht der Mann vor Gericht.

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Quelle: dpa

Stadthagen. „Bei dem Einsatz habe ich mein Leben aufs Spiel gesetzt“, betont der Rentner. Wohl auch deshalb wünscht er sich von der Justiz etwas mehr Entgegenkommen, wenn nicht Dankbarkeit. „Es werden nur schlechte Sachen über mich erzählt“, klagt der Stadthäger.

 Über ihn geschrieben wird ebenfalls. Was ein Richter am Landgericht Bückeburg zuletzt über den Betrüger zu Papier gebracht hat, klingt wenig schmeichelhaft. „Skrupellos“ soll der 70-Jährige sein, ein Mann „mit hoher krimineller Energie“ und schlicht „unbelehrbar“. Nach der damaligen Sitzung hatten der Vorsitzende und seine beiden Schöffen „das Bild eines Menschen, der bedenkenlos lügt, um für sich einen Vorteil zu erzielen“.

 Nicht leugnen lässt sich, dass der 70-Jährige über weite Strecken das Leben eines eingefleischten Betrügers geführt hat. Sein Vorstrafenregister beginnt in den siebziger Jahren und umfasst rund 30 Einträge. Knasterfahrung bringt er mit. Im aktuellen Prozess geht es um sechs Taten, ursprünglich zusammengefasst in einem Strafbefehl. Fünf Betrügereien gibt der Angeklagte zu, eine nicht. Heftig bestreitet er, einer Frau aus Stadthagen die Miete schuldig geblieben zu sein, insgesamt rund 2000 Euro.

 Hätte der Rentner den Strafbefehl akzeptiert, wäre es bei einer Geldstrafe geblieben. Doch er legte Einspruch ein. So kam es zum Prozess vor dem Amtsgericht Stadthagen. „Dort wurde daraus eine Inhaftierung“, beschwert er sich. Sechs Monate sollte der Rentner absitzen. „Mein Gesundheitszustand wurde überhaupt nicht berücksichtigt.“ Strafbefehle sind „Friedensangebote“ der Staatsanwaltschaft, heißt es immer. Das hätte der Angeklagte wissen müssen, zumal er nach eigenen Angaben „Jura an der Fern-Uni Hagen studiert“ hat.

 Geduldig hört sich Berufungsrichter Axel Schulte an, was der Angeklagte zu erzählen hat. Staatsanwalt Nils-Holger Dreißig bleibt zwar höflich, wirkt aber zunehmend genervt und kommt im Plädoyer zu dem Schluss: „Von Reue keine Spur. Der Angeklagte ist ein notorischer Betrüger.“

 Am Ende wird der 70-Jährige wegen Betruges zu sieben Monaten Haft verurteilt. Vor der Berufungskammer geht es nur noch darum, ob ein Urteil des Amtsgerichtes Stolzenau in die Entscheidung einbezogen wird. Antwort: ja. Macht einen Monat zusätzlich.

 Der Schuldspruch steht dagegen schon vorher fest, nachdem der Angeklagte seine Schuld in einer vorausgegangenen Berufungsverhandlung eingeräumt hat. „Das war ein großer Fehler“, macht er eine Kehrtwende (die zu spät kommt) und will mehrere Zeugen vernehmen lassen – was die Kammer ablehnt.

 Rechtskräftig wird womöglich auch dieses Urteil nicht. „Nachdem Sie so gekämpft haben, nehme ich an, dass Sie weiterkämpfen wollen“, sagt Richter Schulte zum Abschied. Kann gut sein. Im Vergleich zu anderen Richtern hat der Rentner die Verhandlung mit Schulte als „wesentlich angenehmer“ empfunden. Ende offen. r

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