Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Liberale und rationale Sicht auf das Judentum

Stadthagen/ Vortrag Liberale und rationale Sicht auf das Judentum

Wie lebt es sich heute als Minderheit in Deutschland? Und wo liegen die größten Unterschiede zum Christentum? Fragen, die der Landesrabbiner Jonah Sievers am Mittwoch in der St.-Martini Kirche in Stadthagen beantwortet hat.

Voriger Artikel
Geparkter Seat zerkratzt
Nächster Artikel
„Einer der wichtigsten deutschen Feiertage“

Liberal und rational: Landesrabbiner Jonah Sievers spricht über das jüdische Leben in der heutigen Zeit.

Quelle: kil

Stadthagen. Der Vortragsabend zum Thema „Mein Judentum“ stand im Kontext der Reihe „Juden, Christen, Israel, Shoah und wir – Erkundungen in einem schwierigen Feld“. Eingeladen hatte der Förderverein ehemalige Synagoge Stadthagen.

Sievers ist Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Braunschweig, Landesrabbiner für Niedersachsen und ein „liberaler und rationaler“ Jude, wie er über sich selbst sagte. Gut 30 Minuten sprach er über die Grundzüge des jüdischen Lebens und Glaubens – „Wie soll man da anfangen?“, begann der jüdische Gelehrte und stieg mit einem der wichtigsten Aspekte ein: der Synagoge. „Außer der Torarolle ist dort nichts geweiht.“ Sie sei das einzige zeremonielle Objekt dort und präge das jüdische Leben „von der Geburt bis zum Tod, vom Aufstehen bis zum Abend“.

Mit einem Blick auf den wichtigsten jüdischen Feiertag, den Sabbat (jeder Sonnabend), machte er auf einen für ihn wichtigen Unterschied zwischen Christentum und Judentum aufmerksam. Im Judentum sehe Gott die Menschen „als Partner“ an, die aktiv in die Schöpfung eingreifen, sie mitgestalten sollen. Nur einmal in der Woche – am siebten Tag, dem Sabbat – solle man eben keine kreative Arbeit verrichten.

Dass man sich am Sabbat auch erholt, sei eher das Ergebnis, nicht das Ziel des freien Tages. Darin bestehe ein großer Unterschied zum freien Sonntag der Christen.

Dass man als Jude andere Feiertage als die Mehrheit der Gesellschaft feiere, nannte er als Beispiel dafür, wie es ist, als Minderheit in Deutschland zu leben. „Das würden Sie wahrscheinlich am besten nachvollziehen können, wenn sie an Ostern nach Jerusalem fahren würden“, sprach er die Zuhörer an, die im Anschluss an seinen Vortrag viele Fragen stellten. Nur wenn diese um den christlichen Glauben kreisten, lehnte der jüdische Gelehrte es selbstbewusst ab, eine Meinung abzugeben. „Jesus akzeptiere ich als historische Figur“, sagte er. „Theologisch hat er für uns aber null Bedeutung“.

„Und wo liegt der Unterschied zwischen orthodoxen und liberalen Juden?“, kam eine weitere Frage aus den Reihen. „Das hängt davon ab, wie sie die Offenbarung sehen“, erklärte der Landesrabbiner. Während die Orthodoxen die Tora wörtlich nähmen, schreibe sich die Tora nach Auffassung der Liberalen stetig fort, die Rede sei da eher von einem Dialog zwischen Gott und den Menschen. „Das jüdische Recht hat eine Stimme, aber kein Votum“, gab er ein Exempel für die liberale Sicht. kil

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

In Ruhe einkaufen, erholsam Urlaub machen, in die Stadtgeschichte eintauchen oder einfach mal in einem der vielen Restaurants und Kneipen die Seele baumeln lassen. Lernen Sie Stadthagen von einer ganz anderen Seite und auf ganz besondere Weise kennen. mehr