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Lichtblau dreht seine letzte Runde im Dienst

Abschied Lichtblau dreht seine letzte Runde im Dienst

Mit 1,98 Metern Größe fällt Bernd Lichtblau auf. Daher dürfte es kaum einen Stadthäger geben, der die imposante Statur des Kontaktbeamten mit dem für den Polizeiberuf bezeichnenden Namen nicht kennt. Auch dass er hin und wieder mit „Blaulicht“ angesprochen wird, ist er nach 42 Dienstjahren gewohnt.

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Der trockene Humor und die imposante Statur von Bernd Lichtblau wird vielen Stadthägern in Zukunft fehlen.

Quelle: tbh

Stadthagen (tbh). Die meisten Passanten überragt der 62-Jährige locker, wenn er in seiner Uniform über den Marktplatz geht. Das hat auch seine Vorteile, die Menschen schauen zu ihm auf. Gestern, an seinem Geburtstag, ist er ein letztes Mal seines Amtes gewaltet, ein letztes Mal erklang auf dem Wochenmarkt von allen Seiten ein „Hallo“, an jedem Stand wurde noch ein kurzes Schwätzchen gehalten und dann hieß es Abschied nehmen.
„Irgendwie habe ich noch gar nicht das Gefühl, dass heute mein letzter Tag ist“, gab der scheidende Polizist zu Beginn seines Rundganges zu. Das änderte sich aber spätestens beim Abschied von dem einen oder anderen Markthändler. Manch einer versuchte sogar, ihn zu einem Pensionsaufschub zu überreden. „Was willst du denn mit der ganzen Zeit machen?“, fragte ein junger Obstverkäufer. Bernd Lichtblau zuckt mit den Schultern – darüber hat er sich noch keine Gedanken gemacht. „Mit dem Haus und dem Garten habe ich genug zu tun, den Dachboden könnte ich mal entrümpeln und die Modelleisenbahn ist auch noch ausbaufähig“, sagt er schließlich.
So richtig im Ruhestand anzukommen braucht scheinbar seine Zeit: „Das wird sich wohl erst bemerkbar machen, wenn ich nach meinem Urlaub nicht mehr zur Arbeit muss.“ Kein Wunder also, dass das Büro im Kommissariat an der Vornhäger Straße noch nicht leer geräumt ist.
Es hatte sich herumgesprochen, dass der gebürtige Bückeburger am Dienstag seine letzte Runde im Polizeidienst zog, bevor er zum Dienstende Pistole und Handschellen für immer ablegte. Von einigen Bekannten gab es sogar ein Abschiedsgeschenk. „Eigentlich schade, dass er aufhört“, findet Waltraud Peters die den Kontaktbeamten schon seit der Schulzeit in Bad Nenndorf kennt. Gemeinsam mit ihrem Mann betreibt sie seit mehreren Jahrzehnten einen Stand auf dem Wochenmarkt, die Stippvisiten von Lichtblau sind ein lieb gewordenes Ritual: „Die Gespräche und hin und wieder mal ein Witz, das wird uns fehlen.“ Auch Sabine Bartels, mit der der Oberkommissar gerne morgens einen Kaffee getrunken hat, war traurig: „Ich kann das noch gar nicht glauben.“
Mit seiner lockeren und freundlichen Art kam Bernd Lichtblau eben gut an. Doch manchmal konnte er auch streng sein und laut werden – obwohl es eigentlich nicht seine Art sei, worauf er mit verschmitzten Lächeln beharrt. „Aber ab und zu musste ich doch mal die Stimme erheben, wenn wieder ein Fahrradfahrer auf dem Gehweg fuhr.“ Angst hatte er in manchen Situationen zu Beginn seiner Laufbahn schon. Zum Beispiel als er es mit einem wegen Totschlags vorbestraften Mannes zu tun bekam. „Ich musste um mein Leben fürchten“, habe er damals gedacht. „Man fängt hoch motiviert mit der Theorie im Gepäck an und glaubt man kann Gott und die Welt verändern, aber so einfach ist das nicht.“ So hat er im Laufe der Jahre gelernt nicht nur stur nach dem Gesetz zu handeln, sondern auch Menschlichkeit walten zu lassen.
Leicht wehmütig erinnert er sich an seine anfänglichen Dienstjahre zurück. „Ich könnte Bücher schreiben von dem, was ich erlebt habe.“ Vor 40 Jahren hat Lichtblau, direkt nach der Ausbildung an der Landespolizeischule Niedersachsen, seinen Dienst in Stadthagen aufgenommen. Seit 1997 ist er der Ansprechpartner in der Kreisstadt und gehört längst zum Stadtbild.
Doch es hätte auch ganz anders kommen können. Bei der Berufswahl hat der Zufall eine große Rolle spielt. In der Jugendzeitschrift „Bravo“ lag einem Bericht über den Polizeiberuf ein Bewerbungsschreiben bei, das er damals gleich ausgefüllt habe. Nachdem er die Aufnahmeprüfung bestanden hatte, wäre Lichtblau beinahe an der polizeiärztlichen Untersuchung gescheitert: Zunächst musste er sich zehn Kilogramm anfuttern, weil er für seine Größe zu dünn war. Nachdem er das geschafft hatte, wurde ihm die Neigung zu Krampfadern diagnostiziert. Im Nachhinein übrigens unbegründet: „Ich habe bis heute nicht eine einzige Krampfader.“ Und wie wurde es doch was mit der Polizeilaufbahn? „Meine Mutter hat sich beim damaligen Innenminister über die absurden Diagnosen des Arztes beschwert“ verriet der Neu-Pensionär und zeigte zum Abschluss noch einmal dieses altbekannte Lächeln.

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