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„Linien ziehen“ mit Minderjährigen

23-Jähriger zu Bewährungsstrafe verurteilt „Linien ziehen“ mit Minderjährigen

Von einem Kavaliersdelikt kann keine Rede sein: Wer als Erwachsener ab 21 Jahren Drogen an Minderjährige abgibt, begeht ein Verbrechen. Darauf steht mindestens ein Jahr Haft.

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Stadthagen. Vielleicht hat ein Stadthäger dies nicht einmal gewusst, als er einige Linien Amphetamin mit Jugendlichen teilte, zwei Mädchen (14, 16) und einem jungen Mann (17). Verantworten musste er sich trotzdem. Das Urteil des Stadthäger Schöffengerichts: 18 Monate Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung.
Vor dem Gefängnis haben den heute 23-Jährigen vor allem dessen Geständnis und eine günstige Sozialprognose bewahrt. Es gibt Schlimmere als den Angeklagten. „Er ist nicht der klassische Dealer, der von Schulhof zu Schulhof wandert“, räumte Richter Kai Oliver Stumpe ein. Verurteilt hat das Gericht den Delinquenten außerdem wegen fahrlässiger Körperverletzung, Trunkenheit im Straßenverkehr und Fahrens ohne Fahrerlaubnis.
Im Januar hatte er sich mitten in der Nacht mit 1,5 Promille Alkohol im Blut hinters Lenkrad eines Autos gesetzt und einen Unfall gebaut, während ein Bekannter auf dem Beifahrersitz saß. Auf der Landesstraße 445 (Obernhagen) wollte er nach links in Richtung Lüdersfeld abbiegen, fuhr jedoch geradeaus in den Straßengraben. Der Wagen überschlug sich und blieb auf dem Dach liegen, beide Insassen kamen mit leichten Verletzungen davon.
„Ich war zu schnell“, vermutet der Angeklagte selbst. Auf jeden Fall zu schnell für seinen desolaten Zustand, in dem sich Autofahren verbietet – egal ob mit oder (wie er) ohne Führerschein. „Zum Glück“, so Richter Stumpe, „sind beide lebend rausgekommen.“ Vor der Fahrt hatte der Mann am Steuer nicht nur getrunken, sondern auch Marihuana geraucht, eine so genannte weiche Droge.
Schwerer wog vor Gericht die Sache mit dem Amphetamin, ein im Labor hergestelltes Rauschgift, das stimulierend wirkt. „Man zieht sich das durch einen Zehn-Euro-Schein in die Nase“, erklärt der Angeklagte. Aber nicht nur, denn Amphetamin gibt es auch in Pillenform. Bei drei Gelegenheiten gab der Stadthäger in seiner Wohnung Stoff an unter 18-Jährige ab, die ebenfalls „Linien ziehen“ durften.
Eigenen Angaben zufolge nimmt der Angeklagte seit fünf Monaten keine Drogen mehr. Gern würde er eine Lehre machen, was durch einen Schulabschluss erleichtert würde. „Seine Mutter versucht, ihn in die Spur zu bringen“, berichtete Verteidiger Volkmar Wissgott. Die Mutter saß mit im Saal.
Weil der Angeklagte außerdem noch nie zuvor eine Freiheitsstrafe bekommen hat, sieht auch Staatsanwältin Marret Brommer eine günstige Sozialprognose. Im Register findet sich lediglich eine Geldstrafe wegen Diebstahls geringwertiger Sachen. Damit die jetzt verhängte Sanktion nicht bloß auf dem Papier steht, kommen für den 23-jährigen Stadthäger 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit hinzu.
Richter Stumpe hat den Eindruck, dass der Angeklagte zu seinen Taten steht. Verteidiger Wissgott hatte auf minder schwere Fälle plädiert – unter anderem, weil die drei Minderjährigen trotz ihres Alters bereits Drogenerfahrung gehabt hätten. Dieser Auffassung schloss sich das Gericht nicht an.  ly

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