Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Literarische Bühne auf Rädern

Stadthagen Literarische Bühne auf Rädern

Eisenbahnromatik pur erleben die Gäste, die mit der Schienenbahn aus den 60er Jahren auf der Nebenstrecke von Rinteln nach Stadthagen gleiten. Impressionen einer Fahrt mit dem „Schaumburger“.

Voriger Artikel
Django Asül macht „Boxenstopp“ in der Apo
Nächster Artikel
Freibad: Theiß will zweite Bürgerumfrage

Gerhard Kirchners Eisenbahnerinnerungen, vorgetragen im Schienenbus, sind schwungvoll und spannend.

Quelle: hup

Stadthagen. Von Christoph Huppert

„Das ist echt was fürs Gemüt, eine herrliche Entschleunigung“, schwärmt Andreas Samtleben und lässt den Scheibenwischer übers Glas huschen. Der 44-Jährige ist im Hauptberuf Lokführer und jagt normalerweise ICs und ICEs mit über 200 Kilometern pro Stunde quer durch Deutschland. Hier, auf der 20,4 Kilometer langen, am 2. März 1900 eröffneten, Nebenstrecke von Rinteln über Bad Eilsen, Oberkirchen nach Stadthagen darf Samtleben ein weitaus gemächlicheres Tempo anschlagen. Mit der Geschwindigkeit eines Radfahrers bewegt er den in den sechziger Jahren gebauten Schienenbus durch die idyllische Schaumburger Landschaft.

Etwa 35 Fahrgäste haben es sich an diesem Sonnabendnachmittag auf den kargen Sitzen gemütlich gemacht und genießen die Rundsicht. Das ist Eisenbahnromantik pur. Mehr noch: „Der Schaumburger“ wird zur literarischen Bühne, denn Ulrich Tack und Gerhard Kirchner haben allerlei Literarisches rund um die Eisenbahn zusammengestellt. „Querbeet durch 200 Jahre Eisenbahngeschichte“, sagt Ulrich Tack. Der 60-Jährige ist beim Landkreis beschäftigt und greift, während der Schienenbus unter gelegentlichem Tuten die eingleisige Strecke am Bückeberg entlang zuckelt, immer wieder in den kleinen Bücherstapel, der vor ihm liegt.

„Der verliebte Lokführer“ von Franz Hesse ist Tacks Lieblingsgeschichte, aber er kann auch eine Rarität präsentieren. „Mein altes Lesebuch aus der dritten Volksschulklasse. Das ist eine Geschichte über Kinder drin, die auf der Eisenbahn spielen und in einem offenen Wagen plötzlich den Berg runterrollen. Das hätte auch hier bei uns hier passieren können.“

Die Idee zur Schienenbus-Lesung stammt von Gerhard Kirchner. Der ist Gärtnermeister und Umwelttechniker und kann herrlich erzählen. „Also, wenn ihr’s hören wollt?“ so leitet er seine originellen Vorträge ein. Kirchner erzählt mit lauter Stimme von seiner ersten Eisenbahnfahrt. Damals, 1965, durfte er von Obernkirchen auf der Dampflok beim Lokführer vorne mitfahren. Noch heute glänzen seine Augen, wenn er davon erzählt. Und dann die Sache vom Unfall mit dem Schrankenwärter. Die trägt er so schwungvoll und lebhaft vor, dass das Publikum fordert: „Erzähl sie uns auf der Rückfahrt bitte noch mal!“

Zwischendurch greift Kirchner zur Mundharmonika und Ulrich Tack lässt höchst amüsant Eugen Roths „Unschlüssigen“ wieder einmal den Zug verpassen.

Die Fahrt wird zur Zeit- und Erinnerungsreise. Immer wieder ist ein „Guck mal, kennste noch?“ zu hören. Und während die Reisenden beim Viertelstundenhalt in Stadthagen-West den maroden Charme der dort abgestellten alten Reisezugwagen genießen, donnert auf der Hauptstrecke ein weißer ICE vorbei. „Absolut unromantisch“, sagt ein Schienenbus-Passagier. „Da kann man nicht mal die Fenster aufmachen und Literatur gibt’s da auch nur aus’m i-Pod.“ hup

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Unternehmen quer durch alle Branchen haben sich auch in diesem Jahr wieder an der Aktion der Lions Clubs beteiligt, deren Erlös auch der „Weihnachtshilfe“ der Schaumburger Nachrichten zugute kommt. Hier finden Sie ab dem 1. Dezember die täglich aktuellen Gewinnnummern. mehr

In Ruhe einkaufen, erholsam Urlaub machen, in die Stadtgeschichte eintauchen oder einfach mal in einem der vielen Restaurants und Kneipen die Seele baumeln lassen. Lernen Sie Stadthagen von einer ganz anderen Seite und auf ganz besondere Weise kennen. mehr

Schaumburg