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Stadthagen Stadt Mann nimmt Marktleiter in den Schwitzkasten
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Mann nimmt Marktleiter in den Schwitzkasten
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00:17 22.06.2017
Quelle: dpa
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Kumpel oder nicht: Wenn der Arbeitslose betrunken ist, geht man ihm besser aus dem Weg, wie der Prozess vor dem Amtsgericht in Stadthagen gezeigt hat. Wegen versuchter Körperverletzung, gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung hat Richter Andreas Feldhaus gegen den Angeklagten eine Freiheitsstrafe von siebeneinhalb Monaten verhängt, ausgesetzt zur Bewährung.

 Damit das Urteil nicht bloß auf dem Papier steht, muss der Schläger 100 Stunden gemeinnützig arbeiten – eine von mehreren Auflagen. „Wenn man jemanden, der am Boden liegt, mit Schlägen und Tritten malträtiert, ist das akut lebensbedrohend“, erklärte Richter Feldhaus.

 Warum der 35-Jährige das Opfer auf offener Straße in Stadthagen verprügelt hat, blieb unklar. Fest steht: Zwei Stunden nach dem Übergriff hatte der Täter noch 1,6 Promille Alkohol im Blut.

 Der Angeklagte bestreitet, zur fraglichen Zeit am Tatort gewesen zu sein, einer Garagenauffahrt. „Da kann ich nichts zu sagen. Ich bin mit dem Hund spazieren gewesen“, wies er jede Schuld weit von sich. Das Gericht glaubte jedoch dem Opfer. Ein Zeuge (67), der in der Nähe wohnt, sagt über den Angeklagten: „Der sucht sich immer die Schwächeren aus. Ich war Bergmann. Wo ich hinschlage, wächst kein Gras mehr.“

Supermarktleiter angegriffen

 In einem zweiten Fall wirkt der Gegner auf den ersten Blick kaum schwächer. Ende Januar hatte der arbeitslose Stadthäger den Leiter eines Supermarktes in den Schwitzkasten genommen, als dieser ihm einen neuerlichen Platzverweis erteilen wollte. Hausverbot und eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs hatte der 35-Jährige bereits. Trotzdem machten er und einige andere Männer es sich in der Box für die Einkaufswagen gemütlich. Als der Marktleiter die Polizei holen wollte, wurde er angegriffen.

 Der 48-Jährige schätzt, dass er etwa eine Minute lang im Schwitzkasten steckte. „Ich habe gedacht, gleich passiert etwas Fürchterliches“, erinnert sich das Opfer. Beide Männer stürzten zu Boden, bevor ein Kind dazwischen ging. Vorausgegangen war der Attacke ein Wortgefecht. „Wir sind dem Marktleiter ein Dorn im Auge“, glaubt der Zecher. „Er ist auf mich losgegangen“, behauptet er.

 Und selbst wenn: Der Mann vom Supermarkt hätte das Recht dazu gehabt. „Sie hatten Hausverbot“, erinnerte Richter Feldhaus den Angeklagten. „Der Marktleiter darf Sie da wegholen – notfalls auch mit Gewalt.“

 Der Stadthäger hat bereits fünf Vorstrafen. Einschlägige Verurteilungen sind allerdings nicht dabei. Dennoch: „Eine weitere Straftat und die Bewährung wird widerrufen“, kündigte Feldhaus an. Dann muss der Schläger die sieben Monate und zwei Wochen absitzen. ly

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