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„Mein Cousin wurde geköpft“

Jesiden in Stadthagen „Mein Cousin wurde geköpft“

In Schaumburg sind die Jesiden als solche bislang kaum in Erscheinung getreten. Durch die Geschehnisse im Nord-Irak, wo die Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) mit Gewalt gegen religiöse Minderheiten vorgeht, sehen die Schaumburger Jesiden mehr denn je die Notwendigkeit, sich zu organisieren. Ein Zentrum könnte an der Stadthäger Windmühlenstraße entstehen.

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Haco Khalaf (rechts), hier mit seiner Frau Hanan Ibrahim und Sohn Shalan Salih, plant, die westliche Staatengemeinschaft um Hilfe gegen die IS-Miliz im Irak zu bitten.

Quelle: pk

Landkreis/Stadthagen. Haco Khalaf floh 1994 vor Saddam Hussein nach Deutschland und lebt in Stadthagen. Im Beisein seiner Frau, einer Tochter und anderen schildert Khalaf sein Anliegen. „Wir wollen die Politik um Hilfe bitten“, übersetzt sein Sohn Shalan Salih die Worte seines Vaters. Der Westen solle endlich eingreifen, zumindest humanitäre Hilfe leisten und Flüchtlingen Asyl gewähren.

 Mit anderen Jesiden organisiert Khalaf Hilfslieferungen für die Menschen im Irak. Angehörige der Familie seien unmittelbar von den Ereignissen betroffen. Einer seiner Onkel aus Deutschland war im Irak, um Urlaub zu machen, als der Terror der IS-Milizen begann. „Er blieb gleich da, um zu kämpfen“, erzählt Salih.

 Auch wenn die westliche Staatengemeinschaft sich gegenüber einer Intervention im Irak bisher in Zurückhaltung übe, sei der Westen bereits mittendrin, meint Ferit Tarak – ebenfalls Stadthäger Jeside. Helfen könnten auch finanzielle Spenden. Aber angesichts der Hilflosigkeit, der die Jesiden im Irak ausgesetzt sind, könne er es nachvollziehen, wenn deutsche Jesiden nach Sengal reisten, um zu kämpfen.

 Besorgniserregend findet Tarak, dass es auch in Deutschland bereits zu Übergriffen von Salafisten auf Andersgläubige gekommen ist, mutmaßlich auch in Stadthagen (wir berichteten). „Zwar verhalten sich natürlich nur wenige Muslime so, aber ich vermisse eine öffentliche Distanzierung von solchen Taten“, findet Tarak.

 Der 41-jährige Darwish Bozo kam vor zwei Jahren als Flüchtling aus Ras al-Ayn in Syrien, wo der Konflikt angefangen habe und islamistische Terroristen es ebenfalls auf Jesiden und Christen abgesehen hätten. „Mein Cousin in Ras al-Ayn wurde von den Terroristen geköpft“, erzählt Bozo, während Tarak übersetzt. „Meine Cousins im Irak haben sich in die Berge von Sengal retten können.“ Die westliche Welt, meint auch Bozo, müsse sich zusammentun und etwas gegen die Menschenrechtsverletzungen tun.

 „In unseren Gebeten sprechen wir vom 73. Anschlag auf die Jesiden“, sagt Tarak. 72 Pogrome seien aus Überlieferungen bekannt. Die Gründung eines jesidischen Vereins in Schaumburg begrüßt er. Die Anzahl der im Landkreis lebenden Angehörigen dieser Gemeinschaft schätzt Tarak auf 250 bis 300.

 „Es geht darum, unsere Religion und Kultur zu pflegen“, erklärt Haco Khalaf das Motiv für einen Verein. Ein Gebäude, an der Windmühlenstraße 5 in Stadthagen, das als Zentrum dienen soll, habe einer seiner Söhne schon gekauft. Doch bevor die nötige Renovierung in Angriff genommen und eine Finanzierungskampagne gestartet werden kann, muss die Vereinsgründung formal abgeschlossen werden.

 Derweil trägt sich Khalaf mit dem Gedanken, ebenfalls nach Sengal zu gehen, um vor Ort humanitäre Hilfe zu leisten. Die damit einhergehende Gefahr nähme er in Kauf. „Natürlich ist das gefährlich“, sagt er. „Aber es sind doch schon so viele tot, und ich will helfen.“ pk

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