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„Meine wichtigste Aufgabe: cool bleiben“

Überfall-Opfer sagen aus „Meine wichtigste Aufgabe: cool bleiben“

„Und wenn Sie heute an den Überfall denken?“, fragt Richter Norbert Kütemeyer. „Dann läuft es mir kalt über den Rücken“, bringt der Mann, der im eigenen Haus zum Opfer eines Verbrechens geworden ist, den Satz zu Ende. Am Freitag sind beide Opfer des Überfalls im Stadthäger Villenviertel befragt worden.

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Stadthagen. Auch seine Frau ist noch immer „weit davon entfernt, dies komplett verarbeitet zu haben“, wie sie selbst sagt.

Keine Zufallsopfer

 Im Prozess gegen einen 23-Jährigen aus Bremen, der die Tat im Stadthäger Villenviertel bereits gestanden hat (wir berichteten), sind am Freitag beide Opfer vernommen worden. Die Frau (54) glaubt nicht, dass sie und ihr Mann (75) Zufallsopfer sind. „Ich glaube, dass wir ausgewählt wurden“, sagt sie.

 Der Angeklagte behauptet sinngemäß, er und ein bislang unbekannter Komplize hätten bei den Eheleuten im Auftrag einer Großfamilie die Schulden des Sohnes eintreiben sollen. Allerdings war dabei stets die Rede von einem „Thomas“. Der Sohn des Stadthägers heißt jedoch anders. Zunächst soll von 2000 Euro Schulden die Rede gewesen sein, später von einer halben Million.

 Gegen 23.45 Uhr hatten die Räuber an jenem 21. Oktober 2016 an der Tür geklingelt. Eigentlich wollte der Stadthäger nur einen Spalt breit öffnen. „Aber der Riegel hatte nicht gefasst, deshalb ist die Tür aufgegangen“, berichtet er. Beide Männer stemmten sich gegen die Tür, der Stadthäger flog gegen die Wand.

 Seine Frau, die bereits im Bett gewesen war, kam die Treppe herunter. „Auf halbem Weg kam mir ein Mann entgegen und stieß mich runter“, erzählt sie. „Ich schlug eine Art Purzelbaum.“ Beide Opfer erlitten Verletzungen. Der Mann war getreten worden.

Pistole im Rücken

 „Wir wurden von unten bis oben durchs Haus getrieben, immer mit der Pistole vorm Gesicht oder im Rücken“, so der Hausherr. „Sie haben uns nicht abgenommen, dass wir keinen Tresor haben“, glaubt er. Immer wieder hätten die vermummten Männer danach gefragt. „Meine wichtigste Aufgabe war, cool zu bleiben“, erinnert sich der Stadthäger. „Dieser Leute stehen ja genauso unter Druck wie man selbst.“ Die Opfer konnten nicht wissen, dass die Räuber nur mit einer Schreckschusspistole bewaffnet waren. Sie mussten Angst haben, erschossen zu werden, denn damit hatten die Eindringlinge gedroht. Einer von ihnen hielt außerdem einen Maurerhammer in der Hand.

 Bevor die Täter das Haus verließen, wurden die Eheleute im Keller Rücken an Rücken mit einem Verlängerungskabel gefesselt. Auf der Flucht konnten Polizisten einen Räuber überwältigen. Nachbarn hatten die Beamten verständigt. Die Beute: Schmuck, Uhren, etwas Bargeld, eine EC-Karte.

 Während der Tat sollen drei weitere Männer im Auto gewartet haben. Einer von ihnen soll mit dem jetzt Angeklagten über Kopfhörer verbunden gewesen sein. Zwischenzeitlich sind zwei Verdächtige festgenommen worden. Sie sollen demnächst vor dem Landgericht in Bückeburg aussagen.

 Am jüngsten Prozesstag hat sich der angeklagte 23-Jährige bei den Opfern entschuldigt. „Ich nehme sie an“, erwiderte der überfallene Stadthäger. „Obwohl es wirklich heftig war, was da passiert ist.“  ly

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