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Mietwagen können (zu) teuer werden

Amtsgericht weist Zivilklage ab Mietwagen können (zu) teuer werden

Wer nach einem unverschuldeten Verkehrsunfall einen Mietwagen braucht, sollte Preise vergleichen und das günstigste Angebot auswählen. Sonst könnte es sein, dass man auf einem Teil der Kosten sitzenbleibt. So ist es einem Autofahrer aus Nienstädt ergangen.

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Quelle: Symbolfoto (dpa)

Stadthagen. In einem Zivilprozess hat das Amtsgericht in Stadthagen eine Klage des Mannes gegen die Versicherung seines Unfallgegners abgewiesen. Es ging um 365 Euro und zwei Cent, um genau zu sein. Von 728,02 Euro, die dem Nienstädter für den Mietwagen (fünf Tage) in Rechnung gestellt worden waren, hatte die Assekuranz lediglich 363 Euro gezahlt. Die Versicherung orientierte sich dabei am Fraunhofer Mietpreisspiegel, dessen Mittelwerte deutlich unter dem Schwacke Mietpreisspiegel liegen.

Preisvergleiche müssen vorgenommen werden

„Für Geschädigte aus einem Verkehrsunfall, die für die Zeit der Reparatur ihres Fahrzeugs einen Mietwagen in Anspruch nehmen, ist das Urteil von erheblicher praktischer Relevanz“, erklärt Regina Benz, Direktorin des Amtsgerichts Stadthagen. „Unser Zivilrecht ersetzt nur den Schaden, den ein verständiger, wirtschaftlich denkender Mensch in der Lage des Geschädigten für zweckmäßig und notwendig halten darf. Wenn es zeitlich möglich ist, muss der Geschädigte Preisvergleiche vornehmen und im Zweifel das günstigere Angebot annehmen. Wer das unterlässt, bleibt später auf einem Teil seiner Kosten hängen.“

Was „zeitlich möglich“ ist, hat der Bundesgerichtshof sinngemäß so entschieden: Mit modernen Methoden der Recherche wie dem Surfen im Internet lassen sich heutzutage noch am Tag des Unfalls Preisvergleiche anstellen. In ländlichen Regionen mag es nicht so viele Angebote wie in der Stadt geben. „Aber auch hier gibt es Großanbieter, die günstige Preise gewähren“, erklärt Richterin Regina Benz.

In Stadthagen hätte der Nienstädter für dieselben Konditionen nur ein Drittel gezahlt. Das heißt: Anmietung per Rechnung, Vollkasko- und Haftpflichtversicherung, unbegrenzte Kilometer. Diese Kosten hätte der Fraunhofer Mietpreisspiegel abgedeckt, dessen Zahlen auf einer anonymen Befragung beruhen.

Der Kläger hatte sich jedoch für eine Werkstatt in einer anderen Stadt des Landkreises entschieden, wo er bereits Kunde war. Vor Gericht argumentierte er unter anderem, dass die Nutzung günstigerer Großstadttarife wegen der Entfernung nicht zumutbar sei. Stadthagen, wo der Nienstädter weitaus günstiger einen Mietwagen bekommen hätte, liegt für ihn jedoch sogar näher als die Stadt, wo das Auto repariert worden war.  

„Nach einem Verkehrsunfall sollte ein Geschädigter nicht automatisch Unfalltarife seiner Vertragswerkstatt annehmen, sondern nachfragen“, lautet der Tipp von Regina Benz. „So, als hätte man den Schaden selbst zu zahlen - und nicht die Versicherung des Unfallgegners. Dann würde man sicher nachfragen.“ ly

                                                                                                                           

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