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Millionen-Investition geplatzt?

Faurecia erklärt Verhandlungen mit IG Metall für geplatzt Millionen-Investition geplatzt?

Das Management von Faurecia hat die Verhandlungen mit der IG Metall über eine Ausdehnung der Arbeitszeit gestern überraschend für gescheitert erklärt. Damit drohen die Pläne für einen Neubau der Unternehmenszentrale am Standort Stadthagen zu platzen.

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Die derzeitige Deutschland-Zentrale von Faurecia an der Nordsehler Straße. Wie es hier weitergeht, ist derzeit offen.

Quelle: rg

Stadthagen.  Der Autositzhersteller hatte seine Ankündigung, rund 35 Millionen Euro investieren zu wollen, von der Bereitschaft der Beschäftigten abhängig gemacht, künftig 40 statt derzeit 35 Wochenstunden zu arbeiten. Geschehen sollte dies auf freiwilliger Basis und bei vollem Lohnausgleich (SN berichteten).
 Innerhalb der Belegschaft hatte sich dafür eine Mehrheit abgezeichnet – so das Ergebnis einer Befragung. Weil der geltende Tarifvertrag Mehrarbeit nur für bis zu 18 Prozent der Beschäftigten zulässt, muss die Gewerkschaft einer Öffnungsklausel zustimmen.
 „Wenn wir Stadthagen als Forschungs- und Entwicklungsstandort attraktiver machen wollen, ist das einfach eine Grundbedingung, um neue Fachkräfte für den Standort zu gewinnen“, macht Rupertus Kneiser, stellvertretender Konzern-Personalchef am Unternehmenssitz in Frankreich, deutlich. Nach seinen Worten hat sich die IG Metall jedoch „einer langfristigen Lösung versperrt“ und sei nur bereit gewesen, „nach Abschluss der erheblichen Investitionen für maximal zwei Jahre einer Ausweitung der Arbeitszeitquote zuzustimmen“.
 Gerade mit Blick auf die langfristige Ausrichtung des Standortes sei diese kurze Laufzeit für das Unternehmen nicht hinnehmbar, heißt es weiter in einer Stellungnahme der Geschäftsführung von gestern Abend. Am Nachmittag hatten sich die Verhandlungsparteien zur dritten Runde zusammengesetzt.
 Thorsten Gröger, der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Verwaltungsstelle Stadthagen-Nienburg, zeigte sich sichtlich verwundert, dass schon jetzt von einem Scheitern die Rede ist. „Nach unserer Wahrnehmung sind wir nur ohne Ergebnis und ohne einen neuen Termin auseinandergegangen“, sagte Gröger auf SN-Anfrage.
 Seinen Angaben zufolge hatte die Gewerkschaft bereits erhebliche Zugeständnisse gemacht. Etwa beim Thema „lebensphasen-orientiertes Arbeitszeitmodell“: Nach Vorstellung der IG Metall hätten Mitarbeiter die Möglichkeit erhalten sollen, vorab ein Zeitkontingent aufzubauen, um im Bedarfsfall eine Auszeit nehmen zu können – etwa für ein Sabbatjahr oder die Pflege eines Angehörigen.
 Das Faurecia-Management habe hingegen auf die umgekehrte Regelung gedrängt: Die Mitarbeiter hätten die Auszeiten als eine Art Darlehen nehmen sollen, das später wieder abgearbeitet werden muss. „Es liegt in der Natur des Menschen, lieber ein Guthaben auf dem Konto haben zu wollen als Schulden“, verdeutlicht Gröger seine Position.
 In der zweiten Verhandlungsrunde am Freitag habe die Gegenseite zwar zunächst eine Kombination aus beiden Modellen als Kompromiss vorgeschlagen, „um heute wieder zurückzurudern“. Die Gewerkschaft sei sogar bereit gewesen, diese Kehrtwende zu akzeptieren und habe auch der Ausdehnung auf eine 40-Stunden-Woche grundsätzlich zugestimmt. „Allerdings unter diesen Umständen erst einmal nur für zwei Jahre. Diese Zeit hätte nach unseren Vorstellungen genutzt werden sollen, um Lösungen für die ungeklärten Fragen zu finden“, stellt Gröger klar.
 Völlig unklar ist nun, ob und wie es weitergeht. Das Management lässt in seiner Erklärung offen, ob das Neubau-Projekt damit schon geplatzt ist. Für entsprechende Nachfragen war das Unternehmen am Abend nicht zu erreichen.
 Landkreis und Stadt hatten sich gemeinsam mit dem Wirtschaftsministerium über Monate um Faurecia bemüht. So hatte das Land dem Autositzhersteller bereits Fördermittel in Höhe von zehn Prozent der Investitionskosten in Aussicht gestellt. Landrat Jörg Farr und Bürgermeister Oliver Theiß sprachen von einer ganz wichtigen Zukunftsentscheidung für Schaumburg und Stadthagen.  Für den Neubau der Deutschland-Zentrale war ein 50 000 Quadratmeter großes Grundstück nördlich der Industriestraße, gegenüber dem ehemaligen Otis-Werk, ausgeguckt worden. In den Neubau sollen Verwaltung, Einkauf und Entwicklungsabteilung des Autositzherstellers umziehen. Insgesamt sind am Standort Stadthagen derzeit knapp 1000 Mitarbeiter beschäftigt. mf

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