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Millionenprojekt an der Bahnhofstraße

Umgestaltung geplant Millionenprojekt an der Bahnhofstraße

Mammutprojekt an der Bahnhofstraße: Das etwa 10.000 Quadratmeter große Einkaufszentrum rund um den WEZ-Markt soll komplett neu gestaltet und überbaut werden. Investitionssumme: etwa 10 Millionen Euro. Dies ist am Donnerstag Thema im Bauausschuss. 

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Soll alles neu werden: das Einkaufszentrum an der Bahnhofstraße – im Vordergrund der WEZ, hinten Aldi.

Quelle: Wilk

STADTHAGEN. WEZ-Geschäftsführer Karl Stefan Preuß bestätigte auf Anfrage entsprechende Pläne seines Unternehmens. Der vorhandene Supermarkt, der bis zur WEZ-Übernahme im April 2001 unter dem Namen „Depot“ firmierte, stamme in seinen Ursprüngen noch aus den 1970er Jahren und entspreche daher längst nicht mehr dem Standard der Branche. Das solle sich mit dem Neubau grundlegend ändern, sagt Preuß, der 21 weitere Niederlassungen in der Region betreibt. Er verspricht einen „modernen, sehr großen Supermarkt mit zeitgemäßer Gastronomie“.

Seegers GmbH als Bauherr

Bauherr werde allerdings nicht er selbst sein, sondern Günter Albrecht als Geschäftsführer und Gesellschafter der Seegers GmbH, dem Nachfolgeunternehmen der ehemals dort ansässigen Firma Heinrich Seegers (s. Text unten). Preuß zufolge wird WEZ die nach Vorstellungen seines Unternehmens konzipierte Immobilie nur anmieten – wie schon heute der Fall.

Doch nicht nur der WEZ-Markt soll durch einen Neubau ersetzt werden, sondern auch der benachbarte Aldi, an dem ebenfalls der Zahn der Zeit nagt. In dem Zuge werde das gesamte Areal einschließlich der Parkflächen überplant. Auch die verkehrliche Situation an der Bahnhofstraße soll durch eine verbesserte Anbindung entzerrt werden.

Thema im Bauausschuss

Preuß hat seine Pläne bereits der Stadtverwaltung vorgestellt und freut sich, „dass man dort hinter unserem Gesamtvorhaben steht“. Es gebe großes Einvernehmen, die innenstadtnahe Fläche als Einzelhandelsstandort zu erhalten und umzugestalten. Heute Abend soll das Projekt im Bauausschuss des Rates zur Sprache kommen.

Geben Politik und Verwaltung grünes Licht, können die nächsten Schritte in die Wege geleitet werden. Preuß rechnet mit einem Baubeginn nicht vor 2019 und einer Bauzeit von etwa einem dreiviertel Jahr. Während der Aldi-Discounter vermutlich vorübergehend ganz geschlossen wird, um ihn nach einem Abriss an selber Stelle durch eine neue, deutlich größere Filiale zu ersetzen, soll der WEZ-Neubau in zwei Abschnitten erfolgen. So könne der Betrieb zumindest auf Sparflamme aufrecht erhalten werden, heißt es. Der heutige Standort verfügt einschließlich des ausgegliederten Getränkemarktes über eine Verkaufsfläche von 2100 Quadratmeter. Der Neubau dürfte auf bis zu 2500 Quadratmeter anwachsen.

Preuß geht davon aus, dass die Gesamtinvestitionen aller beteiligten Partner schätzungsweise 10 Millionen betragen werden. mf

 

Zur Sache

Die in Minden ansässige Fa. Karl Preuß GmbH & Co betreibt unter dem Namen „WEZ“ 22 Supermärkte in der Region, fünf davon in Schaumburg. 2016 erzielte das Unternehmen nach eigenen Angaben einen Umsatz in Höhe von 221 Millionen Euro. Rund 1500 Mitarbeiter arbeiten für WEZ. Das Unternehmen wird in vierter Generation von Karl Stefan Preuß geführt. Unter dem Dach der nationalen Edeka-Gruppe ist die Karl Preuß GmbH & Co größter selbstständiger Einzelhändler. 75 Prozent der Firmenanteile befinden sich im Besitz der Familie Preuß, die restlichen 25 Prozent gehören der Edeka Minden-Hannover.

Von der Spezialfabrik zum Supermarkt

 Die Firma Heinrich Seegers wurde 1797 in Steinhude, dem damaligen regionalen Zentrum der Leinenweberei – gegründet. 1891 siedelte sie nach Stadthagen an die Bahnhofstraße um und darf sich acht Jahre später „Fürstliche Hof- und Damastfabrikation“ nennen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts avanciert Seegers mit 140 Angestellten zum drittgrößten Arbeitgeber Stadthagens. Kunden sind schon bald nicht mehr nur Krankenhäuser und Hotels. Die boomenden großen Schifffahrtsgesellschaften in Hamburg und Bremen werden zu Abnehmern von Wäscheerzeugnissen aus dem Schaumburger Land. In der NS-Zeit wird Inhaber Heinrich Seegers mehrere Jahre inhaftiert, ansonsten übersteht die „Spezialfabrik“ den Zweiten Weltkrieg weitgehend ohne große finanzielle Einbußen. Nach dem Tod von Heinrich Seegers führt Ehefrau Elfriede (Großmutter von Lu Seegers, heutige Geschäftsführerin der Schaumburger Landschaft) die Geschäfte. Als einzige Frau im Landkreis leitet sie damals ein Unternehmen mit über 100 Mitarbeitern. Unterstützung erhält sie von Berater Fritz Albrecht. Das Sortiment umfasst nun Tisch- und Bettwäsche, Hand- und Geschirrtücher, aber auch Berufsbekleidung.

 

Als Fritz Albrecht 1966 stirbt, tritt an seine Stelle Sohn Günter Albrecht, im Hauptberuf Geschäftsführer eines Lebensmittelkonzerns. Er beteiligt sich an der Firma Seegers. Vor allem durch die aufkommenden Billigimporte aus Fernost gerät das Unternehmen zunehmend unter Druck, Ende der 1960er Jahre muss die traditionsreiche Leinenweberei an der Bahnhofstraße geschlossen werden. Die Firma wird nur noch als Handelsgeschäft weitergeführt – heute mit Sitz in Petershagen. Rund ums alte Fabrikgelände entsteht ein Einzelhandelsstandort.

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