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Stadthagen Stadt Minister will Hilfe für Stadthagen prüfen
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Minister will Hilfe für Stadthagen prüfen
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00:25 25.04.2018
Faurecia-Gelände: Wirtschaftsminister Bernd Althusmann will Kompensationsmöglichkeiten für Stadthagen prüfen. Quelle: rg
Stadthagen

„Ich wünsche mir zwar, dass Stadthagen als Standort erhalten bleibt, glaube aber, dass es sehr, sehr schwierig sein wird, das Unternehmen von seinem Entschluss abzubringen“, sagte Althusmann im Gespräch mit den Schaumburger Nachrichten.

Auf die Frage, ob das Land Niedersachsen Schaumburg dann unter die Arme greifen wird, erklärte der Minister: „Wir werden prüfen, ob es im Rahmen der Wirtschaftsförderung eine Art Kompensation beziehungsweise Hilfestellung geben kann.“ Althusmann verspricht „einen engen Schulterschluss mit Kreis und Stadt“.

Der Politiker hatte aber schon am Freitag gleichzeitig deutlich gemacht, dass „wir bei aller Betroffenheit in Stadthagen auf den Habenseite den dauerhaften Erhalt von Arbeitsplätzen im Land verbuchen können“. Immerhin verlagere Faurecia den Standort nicht ins Ausland, sondern stärke seine Präsenz dauerhaft in Niedersachsen. „Davon war bei einem Global Player dieser Größenordnung nicht selbstverständlich auszugehen“, so Althusmann, der auch Mitglied des VW-Aufsichtsrates ist. Niedersachsen bleibe damit ein attraktiver Standort für die Automobilbranche.“

Warum die Entscheidung für Hannover und damit gegen Stadthagen?

Zum einen sollen die Entwicklungs- und Forschungsabteilung für die Bereiche Sitze (Seating) und Fahrzeug-Innenraum (Interior) künftig verschmolzen werden. Dazu sei es notwendig, die bisherigen Zentren in Stadthagen und Peine zusammenzulegen, heißt es. Hannover liegt auf halber Strecke und ist damit für die Beschäftigten beider Standorte gleichermaßen gut zu erreichen. Faurecia kann also davon ausgehen, dass von den überwiegend hoch qualifizierten Mitarbeitern kaum jemand wegen der Verlagerung abspringt – in Zeiten des Fachkräftemangels ein wichtiger Aspekt. Im Ballungszentrum Hannover dürfte es auch einfacher werden, künftig neues Personal zu finden.

Hinzu kommt die größere Nähe zu den Autobahnen und vor allem dem Flughafen. Nach SN-Informationen hatte das Management dieses Argument schon vor Jahren ins Spiel gebracht. Auf diese Weise seien die Konzernzentrale in Paris, anderer Unternehmensstandorte und Kunden noch schneller erreichbar.

 Warum ist das Unternehmen jetzt bereit, einen deutlich höheren Preis zu zahlen?

Faurecia hat angekündigt, in Hannover 50 Millionen Euro investieren zu wollen, in Stadthagen war dagegen nur von 35 Millionen Euro die Rede . Hinzu kommt: In Schaumburg hätte es auch noch einen Zuschuss des Landes in Höhe von 3,5 Millionen Euro gegeben, was die Sache nochmals preiswerter gemacht hätte.

Allerdings: Insider gehen davon aus, dass auch ein Neubau in Stadthagen aus heutiger Sicht deutlich teurer geworden wäre. Die Bauwirtschaft ist wegen der guten Konjunktur ausgelastet wie selten zuvor. Die hohe Nachfrage treibt deshalb die Preise nach oben.

Weiterer Grund für die höheren Investitionen: Ursprünglich war der Neubau nur für den Bereich Forschung und Entwicklung (gut 500 Mitarbeiter) gedacht. Nun sollen auch Beschäftigte aus anderen Abteilungen (z.B. Verwaltung) dort einziehen.

Wo genau in Hannover soll der Neubau entstehen?

Darüber hüllt sich die Unternehmensführung bislang in Schweigen. Einer offiziellen Verlautbarung zufolge wird noch gesucht. Spekulationen über einen möglichen Neubau im Stadtteil Marienwerder werden nicht bestätigt. Der ambitionierte Zeitplan lässt aber vermuten, dass bereits ein Grundstück ins Auge gefasst worden ist. Selbst investieren will Faurecia laut Betriebsrats-Chef Jürgen Bittner jedoch nicht: „Es wird ein Investor gesucht.“ Das Unternehmen wolle die Immobilie dann langfristig anmieten.

Was wird aus den 80 Mitarbeitern, die in Stadthagen bleiben?

Dabei handelt es sich um Mitarbeiter aus der sogenannten Kleinserienfertigung. Sie produzieren Sitzteile für Autos, die nur in geringer Stückzahl vom Land laufen und arbeiten bei Bedarf auch der Entwicklung zu. Die Kleinserienfertigung ist das Überbleibsel der einst großen Fabrik auf dem Gelände. Noch vor etwa 20 Jahren wurden in Stadthagen im großen Stil Autositze für Massen-Modelle wie den 3er-BMW montiert.

Die mündlich erteilte Job-Garantie wurde offenbar nicht für die 80 Mitarbeiter der Produktion ausgesprochen. Betriebsratschef Bittner hält dies jedoch „für sinnvoll und machbar“. Der Bereich sei aktuell zu 120 Prozent ausgelastet. Seit zwei Wochen unterstütze zusätzliches Personal die Belegschaft. mf, col