Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
„Mir hat es Spaß gemacht“

Stadthagen / Hellmann verabschiedet „Mir hat es Spaß gemacht“

Zum Ende seiner achtjährigen Amtszeit hat Bernd Hellmann (SPD) nicht von Abschied sprechen wollen. Vielmehr freue er sich auf die Zukunft, die durchaus schön sein könne, wie er gestern bei seiner Feier im Ratskellersaal betonte. Er räumte ein, dass nicht alles fertig geworden sei, was er zum Wohl der Stadt habe beitragen wollte – „aber vieles ist angestoßen und gut vorbereitet“.

Voriger Artikel
Tipps für Selbstständige
Nächster Artikel
Ein Parteibuch ist kein Muss

Stadthagen. Hinsichtlich des Themas Bürgerbeteiligung, aber auch mit Blick auf das Asphaltmischwerk, das ihm zum Schluss zum Verhängnis wurde, müsse die Verwaltung künftig den richtigen Weg finden. Das sei kein leichtes Unterfangen, zumal es diesen aus Sicht Hellmanns nicht gibt. Die Anliegen, die heute an eine Verwaltung herangetragen werden, seien im Gegensatz zu früher keine Gruppeninteressen mehr. „Heute ist sehr stark feststellbar, das Anliegen individualisiert werden.“

 Mit den Problemen, die sich daraus ergeben, hatte Hellmann offenkundig zu kämpfen: „Politik und Verwaltung kommen langsam an ihre Grenzen und stehen oftmals auf verlorenem Posten.“ Die Kommunikation habe sich „dramatisch schnell verändert“. Bürger würden sich dadurch mit ihren Anliegen häufig nicht an den Bürgermeister wenden, sondern gleich die Öffentlichkeit suchen. So würden sich schnell Klischees und Vorurteile verfestigen.

 Soziale Ausgewogenheit, Nachhaltigkeit und Finanzierbarkeit waren die Schlagworte, mit denen er sein Handeln als Verwaltungschef skizzierte.

 Was der 58-Jährige während seiner acht Jahre auf dem Bürgermeistersessel geleistet hatte, wussten die Festredner zu würdigen. Bernd Englich (CDU), Hellmanns zweiter Stellvertreter, hob hervor, dass trotz der SPD-geführten Ratsmehrheit wesentliche Entscheidungen stets „einmütig oder zumindest mit großer Mehrheit“ getroffen worden sind. „Alles richtig gemacht“, lobte Karsten Becker, der vor acht Jahren gerne selbst der Bürgermeisterkandidat aus dem Lager der SPD geworden wäre.

 Schlussendlich blicke Hellmann glücklich auf seine Zeit als Verwaltungschef zurück. Der „Job“ habe ihm trotz allem immer Spaß gemacht. tbh

KOMMENTAR: Was unterm Strich bleibt
von Marc Fügmann

Misst man einen Bürgermeister am Erreichen von dessen bei Amtsantritt selbst gesteckten Zielen? An Wahlversprechen? Oder am Vorgänger? Und was ist überhaupt eine messbare Leistung in solch einem Amt?
 Bernd Hellmann stand acht Jahre als Kapitän auf der Brücke – und er hat trotz aller, teils berechtigter Kritik, den mitunter schwerfälligen Dampfer Stadt auf Kurs gehalten. Niemand wird bestreiten wollen, dass er Stadthagen nach außen gut repräsentiert und nach innen die Verwaltung weitgehend geräuschlos und effizient geführt hat.
 Auch wenn es gerade in letzter Zeit schwere Turbulenzen gegeben hat. Den Kurswechsel hat Hellmann versäumt, als es um die Ansiedlung des Asphalt-Mischwerks ging. Der Bau der Industrieanlage hat viele Menschen erzürnt. Viel mehr aber noch die Art und Weise, in der die Verwaltung über Kritik und Sorgen hinweggegangen ist, das fehlende Gespür für Krisenmanagement und die mangelnde Einsicht, dass Bürger heute mehr denn je beteiligt werden wollen.
 Volkes Stimme und Stimmung – Bernd Hellmann hat beides in einem entscheidenden Moment nicht rechtzeitig wahrgenommen und wurde dafür bitter abgestraft.
 Versäumt hat es der scheidende Bürgermeister außerdem, den Stadthägern eine innerstädtische Verkehrsführung zu bescheren, die diesen Namen verdient. Die Hoffnung, dass da jemand kommt, der mit neuen Ideen und Konzepten endlich für Abhilfe sorgt, hat sich nicht erfüllt. In den vergangenen Jahren hat sich – und das im Wortsinne – im Zentrum nichts bewegt.  
 Das gilt in Teilen auch für die dahinsiechende, über Jahre vernachlässigte Nordstadt. Hier ist es Hellmann nicht gelungen, rechtzeitig die Weichen umzulegen. Erst in der Schlussphase seiner Amtszeit hat er durch intensive Gespräche mit den Immobilieneigentümern und dem Ankauf eines maroden Häuserensembles Bewegung in die Sache gebracht. Vorher ging durch den Einsatz untauglicher Instrumente wertvolle Zeit verloren. Diese Feststellung gehört ebenso zu einer ehrlichen Bilanz.
 Die unbestrittenen Verdienste Hellmanns liegen vor allem im sozialen Bereich. Da ist die wichtige Ganztagsbetreuung in Grundschulen, die er auch ohne Unterstützung des Landes mit einem klaren Ziel vor Augen auf die Beine gestellt hat. Da sind außerdem die Qualitätsverbesserungen beim Angebot der Kitas, die Vorreiterrolle Stadthagens bei der Bereitstellung von Krippenplätzen und nicht zuletzt der Anstoß für die Gründung des Familienzentrums. Überall hier hat Bernd Hellmann erkennbar Akzente gesetzt. Meist sogar deutlich mehr: Er war der Motor, der die Dinge zum Laufen gebracht hat.
 Auch für die Belange der heimischen Wirtschaft hatte er stets ein offenes Ohr. Sein Augenmerk galt dabei insbesondere den Interessen des innerstädtischen Einzelhandels. Großen Respekt verdient überdies sein Engagement für die Aufarbeitung der jüdischen Geschichte in Stadthagen. Ein wichtiges, lange vernachlässigtes Kapitel.
 Hoch anrechnen muss man ihm schließlich auch, dass er nach seiner schmerzhaften Wahlniederlage in den zurückliegenden Monaten niemals Resignation oder Gleichgültigkeit hat erkennen lassen, sondern seine Aufgaben bis zum letzten Tag engagiert, pflichtbewusst und verantwortungsvoll wahrgenommen hat. Das sagt viel aus über sein Amtsverständnis.
 So ist die Gesamtbilanz von Hellmanns Dienstzeit sicher durchwachsen. In vielen Bereichen hat er aber, um im Bild zu bleiben, klar Schiff gemacht. Und dafür gebühren ihm durchaus Dank und Anerkennung.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Unternehmen quer durch alle Branchen haben sich auch in diesem Jahr wieder an der Aktion der Lions Clubs beteiligt, deren Erlös auch der „Weihnachtshilfe“ der Schaumburger Nachrichten zugute kommt. Hier finden Sie ab dem 1. Dezember die täglich aktuellen Gewinnnummern. mehr

In Ruhe einkaufen, erholsam Urlaub machen, in die Stadtgeschichte eintauchen oder einfach mal in einem der vielen Restaurants und Kneipen die Seele baumeln lassen. Lernen Sie Stadthagen von einer ganz anderen Seite und auf ganz besondere Weise kennen. mehr

Schaumburg