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Stadthagen Stadt Mit 120 Dezibel gegen das Ordnungsamt
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Mit 120 Dezibel gegen das Ordnungsamt
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00:16 24.04.2017
Quelle: Archiv
Stadthagen

Anlass der Auseinandersetzung war eine zugemüllte Gasse an der Krummen Straße in der Nähe eines ehemaligen Sonnenstudios. Darin liegen Baumaterialen wie Balken, aber zum Beispiel auch Fahrräder, und machen den Durchgang quasi unmöglich.

 Das Ordnungsamt der Stadt hatte den Hausbesitzer aufgefordert, den Weg freizuräumen. Als nichts passierte, wollte die Behörde gestern Morgen gegen 8 Uhr selbst Hand anlegen. Dafür hatte man sich Unterstützung von der Polizei erfragt. Deren Angaben zufolge waren Streitereien mit dem Mann vorangegangen, die aggressiv abgelaufen waren.

 Und tatsächlich: Als die Polizei mit zwei Streifenwagenbesatzungen hinzukam, sei die Aufregung bereits groß. Der Mann wütete, das Vorgehen der Stadt sei gesetzlich nicht korrekt. Schließlich beließ er es nicht mehr beim Schimpfen und setzte sich mit Taten gegen die seiner Meinung nach ungerechte Behandlung zur Wehr.

120 Dezibel entsprechen einem startenden Flugzeug

Dazu verwendete er laut Polizei eine Drucklufttröte mit Gaspatrone, wie Fußballfans sie aus dem Stadion kennen. In der engen Gasse schoss das ohnehin laute Gerät mehrere Salven ohrenbetäubenden Lärms ab, verstärkt durch den Widerhall von den Wänden.

 Schließlich ging die Polizei dazwischen und nahm dem Mann die Tröte ab, damit die Mitarbeiter des Ordnungsamtes zur Tat schreiten konnten. Dazu kam es aber nicht. Die Behörde räumte dem Mann vor Ort eine letzte Schonfrist bis Montag ein. Seine Tröte bekam er zurück.

 Im ersten Moment mag es witzig klingen, tatsächlich ist eine solche Lärmattacke aber nicht ungefährlich. Wie Hörgeräteakustiker Sami Osman-Faik von Einklang Hörsysteme in Stadthagen erklärt, erreichen die Stadiontröten zwischen 120 und 150 Dezibel. Ab einer dauerhaften Beschallung mit 85 Dezibel müsse ein Arbeitgeber für Lärmschutz sorgen, 120 entspreche einem startenden Flugzeug. „Das Ohr hält einiges aus“, sagt Osman-Faik. „Aber das ist wirklich schädlich.“ jcp