Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Stadthagen Stadt Mit Problemen nicht alleine bleiben
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Mit Problemen nicht alleine bleiben
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:15 26.10.2018
Wenn man schon nicht mehr auf sein Smartphone gucken möchte, aus Angst, wieder eine fiese Nachricht zu erblicken. Quelle: dpa
Stadthagen

Und ist es eigentlich okay, wenn ich die SMS auf dem Handy von meinem Freund lese? Mit solchen Fragen und Problemen muss niemand alleine fertig werden.

Eine Anlaufstelle in Schaumburg zum Thema digitale Gewalt ist Basta, das Mädchen- und Frauenberatungszentrum in Stadthagen. Dort können sich Mädchen und Frauen kostenlos beraten lassen und sich ihren Kummer von der Seele reden.

„Es ist ganz wichtig, dass man sich jemandem anvertrauen kann“, sagt Ingetraud Wehking von Basta. Meistens wenden sich die Mädchen gar nicht in erster Linie mit Problemen aus der digitalen Welt an die Beratungsstelle, erzählt ihre Kollegin Birgit Baron. Diese Probleme kommen vielmehr in Gesprächen nebenbei ans Licht – und das betreffe fast alle Altersgruppen. Manchmal haben die Mädchen zum Beispiel einem Jungen ein Foto von sich geschickt, auf dem sie nur leicht bekleidet sind. „Sie wollen dem Jungen gefallen und vertrauen ihm“, schildern die Beraterinnen. Doch plötzlich verbreitet der angebliche Freund die Fotos im Internet oder schickt sie an andere Klassenkameraden und Bekannte weiter. „Ein Klick und solche Fotos und Videos verbreiten sich rasend schnell“, beschreibt Wehking das Problem. Die Mädchen schämen sich dann und haben Angst, dass sie nun als Schlampe dastehen. „Damit zu den Eltern zu gehen, trauen sich viele nicht. Auch aus Angst, dass die einem das Smartphone abnehmen“, sagt Baron. „Aber man muss damit nicht alleine bleiben.“ Manchmal werden Mädchen auch mit intimen Fotos oder Videos unter Druck gesetzt oder erpresst. Darüber zu reden, kostet Mut. Wer intime Bilder geschickt bekommt, habe ebenfalls die Wahl, betont Wehking: „Ich kann die Kette auch unterbrechen und die Nachricht nicht weiterschicken.“ Auf diese Idee kommen die Jugendlichen manchmal gar nicht, weil es für sie schon so normal ist. „Man muss aber nicht alles mitmachen.“

Nicht immer Jungen verantwortlich

Die Schuldigen – also die Versender und Verbreiter von Bildern und Videos – sind nicht immer nur Jungs, wissen die Basta-Mitarbeiterinnen aus ihrer Erfahrung zu berichten. Neulich hatte Wehking ein Gespräch mit einem Mädchen, da hatte die beste Freundin ein intimes Foto an den Jungen geschickt, auf den das Mädchen steht. Damit wollte sie ihr angeblich einen Gefallen tun, damit die beiden endlich zueinander finden. Eine Hilfe, die total nach hinten losging.

Erstaunt sind die Beraterinnen auch darüber, welch unterschiedliche Einstellungen die Jugendlichen zu Fragen der Privatsphäre und ihrem Umgang mit persönlichen Daten haben: Darf ich die Nachrichten auf dem Handy meines Freundes lesen? Die einen halten das für selbstverständlich, die anderen für ein absolutes No-Go. Baron zieht den Vergleich zum Briefgeheimnis, das auch für das Smartphone gelten sollte. „Die Daten meines Handys sind mein Eigentum.“

Ein Problem sehen die Mitarbeiterinnen auch im steigenden Konsum von Pornographie. Manche Jugendlichen würden dadurch ein Gefühl für Sexualität verlieren. Für viele seien Pornos die erste Quelle für sexuelle Aufklärung. Manche Mädchen und auch Frauen fühlten sich schlecht, wenn sie das, was sie in Filmen sehen, selbst nicht mögen und dann denken, dass etwas mit ihnen nicht stimmt.

Basta, Enzer Straße 22a, Stadthagen, Telefon (05721) 91048, Mädchenzeit montags von 14 bis 16 Uhr (auch ohne telefonische Anmeldung); weitere Telefon- und Öffnungszeiten: Mittwoch 16 bis 18 Uhr, Donnerstag 11 bis 12 Uhr und nach Absprache. kil