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Mit Putz und ohne

Weserrenaissance Schloss in Stadthagen Mit Putz und ohne

Es gilt als ältestes und einflussreichstes Baudenkmal der Weserrenaissance in Niedersachsen. Dessen Bewohner und Gäste wussten zu leben. Ein Schloss hat so manche norddeutsche Stadt aufzuweisen. Das Stadthäger Schloss, erbaut im 16. Jahrhundert, ist allerdings eine Besonderheit.

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Die Außenwände leuchten weiß: Anton Gumprecht malte das Schloss 1733; übergroß ist der „Knopf“ dargestellt. Der Putz wurde 1874 abgeschlagen, und blieb weg.

Quelle: pr

STADTHAGEN. Schöne Aussichten beim Kaffeetrinken lassen sich nicht erst seit der Erfindung von Drehrestaurants auf Fernsehtürmen genießen.

Schöne Aussicht

Der Treppenturm des Schlosses besaß ursprünglich einen zwiebelförmigen Aufsatz („Knopf“) mit einer Turmstube darin samt rundem Tisch für 18 Personen. Das formidable „Schau ins Land“ wurde 1749 wegen Baufälligkeit abgerissen, und der Turm erhielt seine heutige barocke Haube.

Jahrhundertelang diente das Schloss ein reines Wohnschloss. Wehrhaft war das Vorgängergebäude des Renaissance-Schlosses. Ein aufgeschütteter Erdhügel, darauf eine Burg umgeben von einem Wassergraben, der heute noch in Resten sichtbar ist: Graf Adolf III von Schaumburg ließ 1224 im Dülwald eine Wasserburg errichten und eine Siedlung anlegen: Stadthagen. Gut 300 Jahre später, 1534, entstand auf Initiative von Graf Adolf XIII ein Schloss im Baustil der Weserrenaissance. Baumeister Jörg Unkair selbst suchte die Sandsteinblöcke für die gräfliche Residenz im Bückeberg aus.

Das Schloss war Regierungs- und Wohnsitz der Grafen von Schaumburg – bis Graf Ernst 1608 den Umzug nach Bückeburg beschloss. Das Stadthäger Schloss diente fortan als Witwensitz und Wohnsitz des Erbprinzen. Zeitweise blieb es auch unbewohnt.

Der Putz verschwindet...

 Neuen Glanz in das alte Gemäuer brachte Fürst Adolf Georg von Schaumburg-Lippe, der das Schloss ab 1874 renovieren ließ. Augenfälligste Maßnahme war das Abschlagen des weißen Außenputzes. Innen wurden die Säle kunstvoll ausgestaltet, so die Decke im jetzigen Kaminsaal. Diesen nutzt heute der Verein Kultur für Kammerkonzerte. Die Konzertgäste schauen jedoch nicht nur auf hochklassige aktuelle Künstler sondern auf einen prachtvollen, von Arend Robyn aus Sandstein gestalteten Renaissance-Kamin aus dem 16. Jahrhundert. Der Kaminsturz wird unter anderem getragen von zwei bocksfüßigen Satyrn. Diese Figuren erschienen einer früheren Schlossbewohnerin – Kunst hin oder her –derart heidnisch und unanständig, dass sie sie ummanteln ließ. Die heutigen Konzertbesucher haben wieder freien Blick auf die Satyrn.

Abgesehen von den kulturellen Abenden ist die Nutzung des Schlosses profan. Bereits 1920 zog die Finanzbehörde ein. Nach dem Ersten Weltkrieg ging das Schloss mit Abdankung des Fürsten Adolf in den Besitz des Freistaates Schaumburg-Lippe über. Seit 1946 gehört das Schloss dem Land Niedersachsen.

... und bleibt weg

Wer die breite Freitreppe im Ostflügel hochsteigt, sieht über sich eine achteckige kuppelartige Deckengestaltung. Dieser Deckenteil war verglast bis am 20. Februar 1944 ein deutscher Jagdbomber nur 50 Meter neben dem Schloss abstürzte. Die Fenster im Schloss und die Glaskuppel im Treppenhaus barsten. Einen Schreck durchfuhr die Stadthäger auch in jüngster und friedlicher Vergangenheit: Ende 1990 stand eine Konservierung des Schlossmauerwerks an. Nach Willen des Landes sollte das Schloss – auf das historische Vorbild zurückgreifend – wieder einen weißen Verputz erhalten. Darauf reagierten die Bürger mit blankem Entsetzen. Per Unterschriftensammlung und Politkereinfluss konnte die Verputzaktion verhindert werden. Ende 1999 war die Sache vom Tisch.

Lediglich der Treppenturm wurde weiß gekalkt. So weiß der Besucher wie das Schloss zur Zeit der Renaissance einmal ausgesehen hat.  sk

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