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Mit und ohne Turmspitze

Geschichte der Alten Polizei Mit und ohne Turmspitze

Im Kommunikationszentrum Alte Polizei treffen sich seit 1990 Gruppen, Vereine und Künstler – Menschen gingen im Eckgebäude an der Obernstraße 29 seit Jahrhunderten ein und aus.

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Südliche Eingangssituation zur Altstadt: Friedel Peitmann zeichnete das damalige Hotel „Stadt Bremen“, das eine Turmspitze kennzeichnete.

Quelle: pr

STADTHAGEN. Das Haus am südlichen Eingangsbereich zur Altstadt fungierte als Hotel und Arbeitsamt, Wohnhaus, Flüchtlingsunterkunft und Polizeidienststelle. Es brannte im 19. Jahrhundert zur Ruine ab und verkraftete im 20. Jahrhundert einen großen Wasserschaden. Ein Rückblick in die Geschichte.

Die Alte Polizei geht auf zwei Gebäude zurück, beide erstmals im 16. Jahrhundert erwähnt. Ab 1776 wurde eines der Häuser als Gastwirtschaft geführt. 1834 erwarb Ferdinand Engelking das Haus. Im „Hotel Bremen“ bewirtete der Stadthäger beim Historischen Schützenfest die Schützenbrüder in einem Zelt. Um diese Investition besser nutzen zu können, stiftete er 1869 den Schießwettbewerb um den „Engelkingschen Schild“ – was das Fest umsatzträchtig um einen Tag verlängerte. Der Wettbewerb hat sich gehalten; Peter Forstner heißt der Sieger 2016.

Von der Gastronomie zum Hotel zu Wohnungen

1884 wurden das Hotel und zwei Nachbarhäuser ein Raub der Flammen. Ein prominenter Stadtbesucher aus Wiedensahl äußerte sich Tage später in einem Brief: „Am Dienstag war ich in Stadthagen. Das Gasthaus von Engelking, die beiden Nebenhäuser und 3 Hintergebäude waren am Montag in Brand geraten. Ich sah nur noch glimmende Trümmer. Die Brandstätte war ganz interessant und dadurch auch sehr belebt, dass eine Menge Jungens, die man mit Grog traktiert hatte, unter Polizeiaufsicht den Wein aus den Kellern retten mussten“.

Wieviel Wein das Tageslicht erreichte, ist nicht bekannt. Das Hotel „Stadt Bremen“ jedenfalls wurde im Jahr nach dem Brand wieder aufgebaut, im modernen Baustil der damaligen Zeit und größer als zuvor. Das Haus trug nun die Hausnummer 29. Zu dieser waren mehrere Grundstücke zusammengelegt worden.

Ins Engelkingsche Hotel ging man zum Speisen und Tanzen, hier feierten renommierte Stadthäger Vereine ihre Winterbälle. Irgendwann war ausgetanzt. Die Stadt kaufte 1919 das Hotel und richtet darin Wohnungen ein.

Autos zählen vom Balkon aus

Die untere Etage belegte 1925 das Arbeitsamt. Anni Schäfer, die 1921 in dem Haus geboren wurde, berichtet: „Wir sind nach oben gezogen. Die eine Seite, da wohnte der Amtmann Striepling (Direktor des Arbeitsamtes) und die andere Seite – wo jetzt das Erzählcafé ist – das war unsere Wohnung.“ Die Zeitzeugin gibt auch einen Einblick in das damalige Verkehrsaufkommen vor dem Haus. Dieses hatte damals über dem (auch heutigen) Haupteingang einen Balkon, getragen von Säulen. Vom Balkon schaute Anni Schäfer herunter und schrieb die Kennzeichen von Autos auf. Schäfer: „Wenn wir mal zehn am Tag zusammengekriegt haben, da haben wir Glück gehabt.“

Wenige Stadthäger hatten in den zwanziger Jahren ein Auto. Und viele Bürger waren arbeitslos. Bis zum Marktplatz hätten die Leute gestanden, um sich vom Arbeitsamt im Haus Nummer 29 einen Stempel abzuholen, erinnert sich Heinrich Wilharm.

1935 zog das Arbeitsamt auch in die zweite Etage ein. Im Krieg gab es im Haus einen Luftschutzkeller. 1945 war im Gebäude das Amt für Restitution tätig, zuständig für die Rückgabe von vor allem jüdischen Eigentum. Auch Flüchtlinge waren im ehemaligen Hotel untergebracht.

1957 wurde im Erdgeschoss und im Keller das Stadthäger Polizeirevier eingerichtet. 1969 veränderte sich die Außenansicht: Der spitze Turmaufbau wurde wegen Baufälligkeit abgerissen. 1982 zog das Polizeirevier an die Vornhäger Straße um. Ab 1986 stand das Haus Nummer 29 leer. 1990 schließlich wurde ein Umbau abgeschlossen und das ehemalige Hotel „Stadt Bremen“ zum Kommunikationzentrum Alte Polizei – seit etlichen Jahren wieder mit Turmhelm versehen. Ende der neunziger Jahre überstand die Alte Polizei einen großen Wasserschaden, der das Haus zwei Jahre lahmlegte. sk

Abgeflacht: Ende der sechziger Jahre verschwindet die Turmspitze vom Eckhaus an der Obernstraße.  pr.

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