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Mit wackeligem Krummdolch zum Überfall

Stadthagen/Bückeburg / Schwere Kindheit Mit wackeligem Krummdolch zum Überfall

Bewaffnet mit einem wackeligen Krummdolch, enthemmt durch Alkohol und Drogen: So lauern zwei Stadthäger in der Tiefgarage am Hundemarkt einem Geldboten auf, scharf auf die Tageseinnahmen eines Wettbüros.

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Stadthagen/Bückeburg (ly). Weil der Angestellte zu Fuß eine Abkürzung genommen hat, sitzt er bereits im verriegelten Wagen, als die maskierten Täter auftauchen, einen Moment zu spät. Der nächtliche Überfall schlägt fehl, das Opfer kann im Auto entkommen. Ein Räuber, der Polizei schon vorher bestens bekannt, reißt sich seine Strickmütze vom Gesicht und liefert der Überwachungskamera ein prima Motiv. Der Rest ist Routine, rasch werden die Männer gefasst. Profis sind sie beide nicht.

Doch auch so hat das Duo dem Geldboten einen Albtraum beschert. Die Quittung: Haftstrafen von 22 und 32 Monaten, verhängt vom Schöffengericht Stadthagen, in beiden Fällen wegen versuchten schweren Raubes, jeweils ohne Bewährung. Das Motiv: Geldmangel, Schulden, keine Perspektive. Mehr als 17 Monate liegt das Urteil zurück. Zurzeit kämpfen die Männer, 22 und 25 Jahre alt, in einem Berufungsverfahren um ihre Freiheit.

Ein Albtraum liegt auch hinter dem jüngeren Angeklagten, zur Tatzeit noch Heranwachsender. Das Schlagwort von der „schweren Kindheit“ ist schon arg strapaziert. Im Fall des 22-Jährigen passt es offenbar wirklich. „Er hat eine schwere Kindheit und Jugend hinter sich“, bestätigt eine Frau vom Jugendamt. „Psychoterror und Folter“, erklärt Verteidiger Ralf Jordan, Letzteres „im wahrsten Sinne des Wortes“.

Jordans Mandant erklärt: „Der Mensch, der mir das Leben so schwer gemacht hat, ist nicht mehr da - mein Stiefvater.“ Dieser sei ausgezogen. Zuletzt war der 44-Jährige Mitte August in Erscheinung getreten, als er seiner Stieftochter vor einem Ärztehaus an der Rintelner Mühlenstraße in den Fuß geschossen haben soll. Angeblich machte der Nienstädter die junge Frau (24) für die Trennung verantwortlich.

Im Prozess um den versuchten Raubüberfall in der Tiefgarage steht die 24-Jährige als Zeugin zur Verfügung. Die Chancen ihres Bruders, doch nicht ins Gefängnis zu müssen, könnten sich seit der ersten Verhandlung verbessert haben. Der Stadthäger ist zwischenzeitlich Vater geworden und kann einen Arbeitsvertrag vorweisen. Stichwort: günstige Sozialprognose, die Voraussetzung für Bewährung.

Auch juristisch könnte der Fall neu bewertet haben: Wenn einer der Täter den Krummdolch „nur“ benutzt hat, um damit aus Wut gegen das Auto zu schlagen und auf einen Hinterreifen einzustechen, wird aus dem versuchten schweren Raub möglicherweise ein versuchter einfacher Raub. Mit der Folge, dass der Strafrahmen sich nach unten verschieben würde.

Der ältere Angeklagte will sein Leben ebenfalls in den Griff bekommen und zunächst einen Schulabschluss nachholen. „So geht es nicht mehr weiter“, hat er erkannt. „Das Leben zog an mir vorbei. Und was habe ich erreicht? Nichts.“ Vor dem Überfall hatten die Männer nach eigenen Angaben Starkbier getrunken und einige Linien Kokain gezogen, um sich stark zu fühlen. „Ich hatte keine Angst vor nichts“, erinnert sich der 25-Jährige. Auf die Idee soll ein dritter Mann gekommen sein, gegen den gesondert ermittelt wurde. Der Prozess wird fortgesetzt.

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