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22:14 29.08.2016
Eheberatungen bei Paaren Anfang 30 können kritisch sein. Quelle: rg
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Stadthagen

Die Berater Dietlind Quaassdorff und Günter Aden verfügen über viel Erfahrung, was den Umgang mit Hilfesuchenden betrifft. Quaassdorff, 54 Jahre, im Grundberuf Diakonin, ist in der Einrichtung als Ehe- und Lebensberaterin tätig. Der 61-jährige Aden ist Theologe und hat eine längere psychologische Ausbildung absolviert. Den Schwerpunkt seiner Arbeit bildet die Familienberatung.

Um Ratsuchenden helfen zu können, reicht Erfahrung allein aber nicht aus, sagt Quaassdorff. „Man muss sich auch intensiv mit den Anliegen beschäftigen, diese frei von Vorurteilen und unvoreingenommen angehen.“

Es ist ein sehr breites Tätigkeitsfeld, welches die beiden abdecken. Jeder Fall gestaltet sich anders, jede Unterhaltung umfasst neue Herausforderungen. Wichtig ist es den Verantwortlichen der Diakonie, dass die Einrichtung allen zugänglich ist, also auch Menschen, die kein allzu großes Einkommen haben. Im Normalfall werden 25 Euro an Eigenbeteiligung erhoben, ein Betrag, welcher unter bestimmten Voraussetzungen jedoch auch geringer sein kann.

"Stoßen in eine Lücke hinein"

Von der ersten Kontaktaufnahme durch die Hilfesuchenden bis zur ersten Sitzung vergehen meist ein bis zwei Wochen. Die Vergabe der entsprechenden Termine wird durch Silke Battermann vorgenommen, die in der Einrichtung als Verwaltungskraft tätig ist. Ein solches Zeitfenster gibt es andernorts oftmals nicht, wie Aden erläutert: „Menschen, bei denen Therapiebedarf gegeben ist, bekommen in anderen Institutionen häufig keinen Platz oder müssen lange darauf warten. Wir stoßen also gewissermaßen in eine Lücke hinein.“

Die Ambivalenz, die der Beruf mit sich bringt, stellt einen der zentralen Punkte dar. Quaassdorff: „Man muss sich einerseits in die betroffenen Personen einfühlen können, dann aber auch wieder wegkommen.“

In den vergangenen Jahren gestaltete sich die Nachfrage nach den Angeboten der Diakonie stabil. Die Gesamtzahl der Beratungen in jenem Segment belief sich im Jahr 2015 auf 189. Der größte Teil, nämlich 112, waren Lebensberatungen. Dazu kamen 61 Paarberatungen, zehn Familienberatungen sowie sechs Online-Beratungen. Die Beratungszeit, die durchschnittlich für einen Klienten aufgewendet wird, betrug im zurückliegenden Jahr 3,85 Sitzungen.

Dilemma bei jungen Eheleuten

Das Spektrum ratsuchender Personen ist breit, reicht von 20-Jährigen bis hin zu Menschen, die die 80 schon überschritten haben. Auch wenn sämtliche Anliegen individuell sind, gibt es doch bestimmte Aspekte, welche den zwei erfahrenen Beratern immer wieder ins Auge fallen. Kritisch kann etwa die Situation bei Eheleuten Anfang 30 sein. Quaassdorff beschreibt das Dilemma: „Wir haben dann die Konstellation, dass sich vorherige Prioritäten verschieben, beispielsweise durch die Geburt eines Kindes. Der Fokus verändert sich, auf Paarebene kann es Enttäuschungen geben.“

Wenn Kinder betroffen sind, kann sich die Aufgabe besonders schwierig gestalten. Falls sich eine Trennung nicht vermeiden lässt, soll diese zumindest „in einem ordentlichen Rahmen“ über die Bühne gehen. Aden: „Bei solchen Fällen müssen die betroffenen Paare verstehen, dass sie trotz eines Auseinandergehens Eltern sind. Falls sie das begreifen, ist das bereits ein Erfolg.“

Direkte Rückmeldungen im Hinblick auf von ihnen geleistete Beratungsarbeit erhalten die Quaassdorff und Aden recht selten. Doch eine Bestätigung für die geleistete Arbeit gibt es. Aden: „Wenn wir Menschen fragen, wie sie auf uns aufmerksam sind, sagen sie oft, dass wir ihnen empfohlen wurden.“ Daraus ergebe sich Motivation, die „nicht immer leichte, dafür aber sehr vielfältige Arbeit“ zu leisten.

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