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Nichts ist mehr wie vorher

Tödlicher Unfall in Stadthagen Nichts ist mehr wie vorher

Rund 15 Monate nach einem tragischen Unfall, bei dem ein sieben Jahre altes Mädchen auf der Lauenhäger Straße von einem abbiegenden Sattelzug überfahren worden war, hat das Stadthäger Amtsgericht den Verursacher wegen fahrlässiger Tötung zu einer zehnmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt.

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Symbolbild

Quelle: DPA

STADTHAGEN. Hinzu kommt eine Geldauflage von 2000 Euro. „Hier stößt der Strafprozess an seine Grenzen“, sagte Richter Kai Oliver Stumpe. „Nichts kann den Verlust eines Kindes aufwiegen.“ Dem bislang unbescholtenen Angeklagten sei der Vorwurf zu machen, dass er noch umsichtiger und vorsichtiger hätte abbiegen müssen, nachdem er die Kinder mit ihren Fahrrädern bemerkt habe. Dies sei kein grober Fehler gewesen, der aber schwerwiegende Folgen gehabt habe, so Stumpe, der „in erster Linie ein schweres Unglück“ sieht. „In unserer hochtechnisierten Welt, wo der Güterverkehr zunimmt, wird so etwas immer wieder passieren.“ Den Grad der Fahrlässigkeit stufte das Gericht „im Bereich des Augenblickversagens“ ein.

Der Fahrer des schweren Sattelzuges, ein heute 57-Jähriger aus Nienburg, war an jenem 9. Mai 2016 von der Vornhäger Straße bei grüner Ampel nach rechts abgebogen. Die Kinder wollten zur Schule. Vor der Ampelkreuzung hatte der Mann die Gruppe auf der Vornhäger Straße überholt. Möglicherweise zeigte die Ampel für Fußgänger und Radfahrer rot, wahrscheinlich aber nicht. Ein Gutachter kann das nicht mehr genau feststellen. Und selbst wenn: „Wer Kinder in dem Alter sieht, muss mit Fehlverhalten rechnen“, machte Staatsanwalt André Lüth dem Angeklagten klar. Dieser habe gegen die allgemeine Sorgfaltspflicht verstoßen. Laut Gutachten war der Laster im Moment des Abbiegens neun Stundenkilometer schnell.

„Auch sein Leben ist nicht mehr das gleiche"

Vorausgegangen war dem Urteil eine Absprache aller beteiligten Juristen. Vor allem sollte dadurch Kindern eine womöglich quälende Vernehmung vor Gericht verhindert werden. Durch sein Geständnis ersparte der Mann aus Nienburg dies dem Bruder des Mädchens sowie einem Mitschüler. Insgesamt hatte Richter Stumpe 14 Zeugen geladen, die alle nicht mehr gebraucht wurden.

Ein Moment der Unachtsamkeit hat das Leben zweier Familien für immer verändert. ,,Der Lebenswille meiner Mandanten ist gebrochen‘‘, berichtete Rechtsanwalt Detlev Binder, der die Familie des getöteten Mädchens vertritt. ,,Sie machen nur aus Verantwortung für ihre anderen Kinder weiter.‘‘ Rachegelüste habe das Ehepaar niemals gehabt. ,,Meine Mandanten haben mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen, dass Sie hier Verantwortung übernehmen‘‘, sprach Binder den Angeklagten direkt an.

Auch im Leben des 57-Jährigen ist nichts mehr wie vorher. Seinen Beruf kann der Kraftfahrer nicht mehr ausüben. Seit dem Unglück ist er arbeitsunfähig. „Mein Mandant bedauert den Vorfall unglaublich. Das Leid, das über die Familie gekommen ist, beschäftigt ihn“, erklärte Verteidiger Christian Hilgartner. „Auch sein Leben ist nicht mehr das gleiche. Er ist in psychologischer Betreuung und macht sich Vorwürfe - bis hin zu Suizidgedanken. Kinder spielten in seinem Leben immer eine wichtige Rolle.“

Die Kreuzung Vornhäger Straße/Lauenhäger Straße gilt seit Langem als unfallträchtig. Wiederholt sind dort schon Unfälle beim Abbiegen passiert. Nach dem Unglück bekamen Fußgänger und Radfahrer eine eigene grüne Ampelphase. Richter Stumpe geht davon aus, „dass es bei einer Einzelschaltung der Fußgängerampel bleiben wird – als Lehre aus diesem Geschehen“.  ly

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