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Stadthagen Stadt Nie wieder Zirkus mit Wildtieren?
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Nie wieder Zirkus mit Wildtieren?
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16:45 12.09.2018
Diesen Anblick soll es in Stadthagen nach Meinung von WIR nicht mehr geben. Quelle: dpa
Stadthagen

Tiere im Zirkus: Für manche ein Spaß mit Tradition, für viele aber auch ein rotes Tuch. In Stadthagen formiert sich jetzt politischer Widerstand zumindest gegen Shows mit Wildtieren wie Raubkatzen und Reptilien. Die nämlich will die Wählerinitiative WIR auf städtischem Boden verbieten lassen.

Geht es nach der Initiative, wird öffentlicher Grund und Boden „künftig nur noch an Zirkusbetriebe vermietet, die keine gefährlichen Wildtiere mitführen“. Der entsprechende Antrag stieß jetzt im Sicherheitsausschuss nicht nur auf Gegenliebe. Konkreter Anlass war für WIR der Auftritt eines Zirkusses mit Alligatoren im Frühjahr dieses Jahres auf dem Festplatz.

Gundi Donjes zufolge sind etliche Bürger in dieser Sache auf die Fraktion zugekommen. „Es geht uns um die Sicherheit“, sagte die WIR-Sprecherin. In den vergangenen Jahren habe es andernorts einige Zwischenfälle gegeben.

"Mit brutalen Dressuren verbunden"

Ihrer Fraktion gehe es aber auch um den Tierschutz. „Wir sind der festen Überzeugung, dass Zirkusnummern mit Wildtieren oft mit brutalen Dressuren hinter den Kulissen verbunden sind.“ Wildtiere gehörten „in die Freiheit, nicht in den Zirkus“. Darum solle die Stadt derartige Auftritte auf eigenen Flächen nicht mehr zulassen.
Dass das überhaupt möglich ist, bezweifelt derweil Iris Freimann. Die Leiterin des Fachbereiches Bürgerdienste verwies auf ein Eilverfahren des Oberverwaltungsgerichtes Lüneburg (OVG). Darin sei in einem aktuellen Fall in die Richtung entschieden worden, dass einer Kommune ein solches Verbot nicht zusteht. Freimann zufolge handelt es sich gemäß OVG-Entscheid um einen Eingriff in die Berufswahlfreiheit.

Das wäre indes zu umgehen. Der Preis: Städtische Flächen werden komplett für Zirkusse jeder Art gesperrt. Entsprechend enthalte die WIR-Forderung „ein rechtliches Risiko“. Mit Sicherheitsaspekten könne die Stadt derweil nicht argumentieren, weil bei Auftritten mit Wildtieren in der Stadt in den vergangenen Jahren nie etwas passiert sei beziehungsweise es „keine Gefahrenlage“ gegeben hat.

Rechtliche Bedenken ernst nehmen

Rolf Rösemeier-Tietjen (Grüne) bekundete, die Ampel-Ratsmehrheit stimme WIR inhaltlich zu. Es handele sich bei Wildtieren in Zirkussen „um nicht artgerecht behandelte Tiere“. In Skandinavien etwa gebe es entsprechende Verbote bereits. Die rechtlichen Bedenken der Verwaltung seien aber ernst zu nehmen, so Rösemeier-Tietjen.

Gegen den WIR-Antrag argumentierte Jörg Ostermeier (CDU). Die Aufsicht des Veterinäramtes reicht nach Meinung der Union aus. „Wir wollen den Zirkussen keine Steine in den Weg legen.“ Familien sollten „diese Tiere ruhig sehen“. Ostermeier gab zudem zu bedenken, dass Zirkusse bei einem entsprechenden Verbot für kommunale Flächen dann sowieso auf private Areale ausweichen würden. Zudem würde man sich bei einem Verbot „womöglich auf juristisches Glatteins begeben“, fügte Ostermeier hinzu.

 Der Liberale Lothar Biege schlug vor, die Verwaltung solle ihre rechtlichen Bedenken schriftlich in einer Tischvorlage niederlegen. Diese ginge dann zur Beratung in die Fraktionen. Die Ausschussmitglieder stimmten zu. ssr