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Odyssee nach Beißattacke

Hunde-Angriff Odyssee nach Beißattacke

Für Familie Jung geht die „Odyssee“ weiter. Nachdem die siebenjährige Tochter vom Nachbarshund angegriffen worden war (wir berichteten), führt das Paar weiterhin einen Kampf mit den Behörden, damit der Mischlingshund in Obhut genommen wird. „Ich als Mutter habe neben der täglichen Betreuung des stark traumatisierten Kindes nun auch noch die leidvolle Aufgabe, mit dem Veterinäramt und dem Landkreis zu ,streiten‘“, sagt die 37-Jährige, die namentlich nicht genannt werden möchte.

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Vater Stefan Jung sorgt sich um die Sicherheit seiner Tochter. 

Quelle: rg

Stadthagen. Sie könne nicht nachvollziehen, warum sie noch immer mit der Bedrohung im Haus nebenan leben müsse, obwohl der Landkreis das Tier, das nachgewiesen vom Amtstierarzt als gefährlich eingestuft worden ist. Für ihre Tochter sei die Situation eine große Belastung, „sie hat panische Angst“. Bis heute sei von der Nachbarin „kein Wort der Entschuldigung meiner Tochter gegenüber“ gekommen. „Wie kann ein Mensch so herzlos sein?“

Ihr Appell, den Hund doch bitte abzugeben, sei auf taube Ohren gestoßen. Dabei habe die Nachbarin zugegeben: „Ja, ich weiß, was ich eurer Tochter damit antue.“ Die Mutter fragt: „Wie lange müssen wir noch leiden?“ Und auch ihr Lebensgefährte bekommt die Bilder der Attacke nicht aus dem Kopf, musste er seine Tochter doch aus dem Maul des Hundes befreien: „Ich habe Angst, dass der Hund über den Zaun kommt.“
Und dazu komme für sie auch noch der Behördenstress. „Keine Behörde wird tätig. Polizei darf nicht. Veterinäramt will nicht. Ordnungsamt nicht zuständig. Eine unerträgliche und unglaubliche Situation.“

Der Landkreis verweist indes darauf, sein Vorgehen entspreche den gesetzlichen Grundlagen, „obwohl ich persönlich die Sorge der Familie gut nachvollziehen kann“, wie die zuständige Dezernentin Andrea Stüdemann im SN-Gespräch erklärt. Wie berichtet, muss die Nachbarin ihren Mischling in der Wohnung halten – Ausnahmen gibt es nur fürs Gassigehen oder auch das Training.

Schließlich muss die Frau – so eine der Auflagen des Landkreises – mit dem Tier innerhalb von drei Monaten einen Wesenstest machen. Auch die Halterin selbst muss laut Stüdemann einen Sachkundenachweis vorlegen sowie ein polizeiliches Führungszeugnis. Sollte dies nicht erfolgen, könne der Hund von den Behörden sichergestellt werden.

„Mit der Auflage, dass der Hund im Haus gehalten werden muss, wollen wir die Sicherheit der Nachbarn und aller Menschen gewährleisten“, so die Dezernentin. Aber auch die Halterin habe Rechte, sodass der Landkreis sich dazu entschieden habe, den Mischling bei ihr zu belassen. Dies sei eine Abwägungssache.

Stefan Jung hofft auf Einsehen

Die 27-Jährige und ihr Lebensgefährte Stefan Jung hoffen indes weiter, dass die Behörde ein Einsehen hat. Denn auf Antrag könne die Frist für den Wesenstest sogar um weitere drei Monate verlängert werden. „Und ein bestandener Wesenstest bedeutet noch lange nicht, dass der Hund nicht doch wieder zubeißen könnte“, begründet die 37-Jährige ihre Sorge und schüttelt den Kopf, wie das Tier nach einer solchen Beißattacke wieder eine weiße Weste haben könnte.

Auch nach Bestehen des Testes muss der Hund immer an der Leine geführt werden, erklärt Stüdemann. Zu den Vorwürfen, dass sich ihre Nachbarn nicht an die Auflagen halte und den Hund etwa unangeleint im Garten laufen lasse – obwohl der Zaun für das Tier kein Hindernis darstelle – will sich Stüdemann mit Hinweis auf den Datenschutz nicht äußern. „Das Veterinäramt kontrolliert unangekündigt und würde bei Zuwiderhandlungen sofort eingreifen.

Grundsätzlich sei jeder Halter dafür verantwortlich, dass sein Grundstück „ausbruchssicher“ sei.

col

Der Hund muss weg

Jährlich sterben laut der Politikerin und Hundegesetz-Expertin Claudia Hämmerling im Durchschnitt bis zu zwei Menschen bei Hundeattacken, meistens Kinder. Auch im Falle des Mädchens hätte es schlimmer kommen können. Umso wütender wird man als Betrachter, wenn man die Untätigkeit der Behörden sieht. Selbstverständlich sind Gesetze einzuhalten. Und auch Hundehalter müssen ihre Rechte haben. Aber in so einem eindeutigen Fall müssen Behörden umgehend handeln und das Tier – wenn auch vorerst, bis alle Prüfungen abgeschlossen sind – in richtige Hände geben. Und vor allen Dingen an einen Ort, an dem es keinen Schaden anrichten kann. vr

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