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Opfer überleben nur durch Glück

Messerstecher vom Hagemeyer-Parkplatz Opfer überleben nur durch Glück

Es bleibt dabei: Der Messerstecher vom Hagemeyer-Parkplatz ist jetzt auch in einem zweiten Prozess zu drei Jahren und sechs Monaten Jugendhaft verurteilt worden. Die Entscheidung ist bereits rechtskräftig. Nun droht dem wiederholt vorbestraften Ausländer (21) außerdem die Ausweisung.

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Symbolbild

Quelle: dpa

STADTHAGEN/BÜCKEBURG. Am späten Nachmittag des 1. Juli 2014, als die Innenstadt noch belebt war, hatte der Stadthäger zwei Männer durch Messerstiche lebensgefährlich verletzt. „Der Angeklagte hat die Taten am hellichten Tag begangen und das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung erheblich beeinträchtigt“, stellte Richter Peter Rohde fest, Vorsitzender der 1. Großen Jugendkammer am Bückeburger Landgericht.

Wegen eines missglückten Drogengeschäftes, bei dem es lediglich um kleine Mengen Marihuana gegangen sein soll, war es zunächst zum Streit zwischen zwei Männern gekommen, ausgetragen am Telefon und später in aller Öffentlichkeit auf dem kleinen Parkplatz des Modehauses Hagemeyer. Der jetzt angeklagte Stadthäger, der mit zwei Begleitern unterwegs war, verpasste dem verärgerten Kunden einen Faustschlag ins Gesicht, worauf dieser seine beiden Brüder holte.

„Ein Stich, der gar nicht nötig war“

Einer der drei Brüder hielt den Schläger von hinten fest. Der heute 21-Jährige setzte sich zur Wehr, indem er mit einem Messer nach hinten stieß und seinem Hintermann die Klinge in den Oberbauch rammte. Später bekam das Opfer noch einen Stich in den Bereich unterhalb des Schlüsselbeins. Zwischendurch hatte der Stadthäger einen zweiten Bruder verfolgt. Diesem Mann stieß er das Messer durch den gesamten Oberarm, sodass auch noch dessen Brustkorb getroffen wurde.

„Ein Stich, der gar nicht nötig war“, so Richter Rohde. Nach Überzeugung der Kammer hätte der Stadthäger beide Männer töten können. „Sie hatten unbeschreibliches Glück, dass sie nicht gestorben sind“, hieß es in der Urteilsbegründung.

Vor Gericht entblößten beide Opfer ihre Oberkörper und zeigten die Narben. Außerdem sahen sich die beteiligten Juristen Fotos an, aufgenommen nach der Tat. „Der Kammer ist deutlich geworden, wie schwer diese Verletzungen waren“, sagte Rohde und sprach von „klaffenden Wunden“.

Entschuldigung abgeschlagen 

Bezüglich der Messerstiche hatte Verteidiger Raban Funk auf Notwehr plädiert. Davon geht das Gericht jedoch nicht aus. „Die Taten waren nicht durch Notwehr gerechtfertigt. Dazu hätte der Angeklagte erst androhen müssen und nicht in den Oberbauch stechen dürfen“, hatte zuvor auch Staatsanwalt Wilfried Stahlhut erklärt. Der junge Mann habe keinerlei Skrupel gezeigt. Leichtfertig sei er mit dem Messer zur Tat geschritten.

„Der Schuldspruch geht voll in Ordnung“, meinte Stahlhut mit Blick auf die vorausgegangene Entscheidung des Jugendschöffengerichtes Stadthagen, das den Stadthäger wegen gefährlicher Körperverletzung in drei Fällen, Beleidigung und Bedrohung eines Polizisten sowie versuchten Drogenhandels verurteilt hatte.

„Ohne Uniform bist Du gar nichts, ich mache dich fertig“, hatte der einschlägig vorbestrafte Mann zu dem Beamten gesagt, der privat mit seiner minderjährigen Tochter unterwegs war. Vor Gericht wollte sich der Täter jetzt dafür entschuldigen. Der Polizist nahm die Entschuldigung nicht an. 

  • Ausländer, die zu einer Freiheitsstrafe von mindestens zwei Jahren verurteilt worden sind, können unter bestimmten Voraussetzungen ausgewiesen werden. Zunächst müssen sie in der Regel aber mindestens die Hälfte der Strafe verbüßen. ly
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