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Pastor beschwert sich über Veranstaltung am Totensonntag

Gesetz lässt Interpretationsspielraum Pastor beschwert sich über Veranstaltung am Totensonntag

Welchen Stellenwert haben kirchliche Feiertage in einer Zeit, in der immer mehr Menschen konfessionslos sind? Was ist erlaubt und was verboten? Eine Debatte, mit der jetzt auch Nicolaus und Tania von Schöning als Veranstalter des „Novemberklüngel“ konfrontiert wurden.

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Quelle: SN

Stadthagen. Was von ihnen eigentlich als Verkaufsausstellung geplant war, wird nun zumindest am morgigen Totensonntag ohne Verkauf über die Bühne gehen.

 Auslöser ist die Beschwerde eines Pastors aus der Region. Ihm ist die zweitägige Veranstaltung auf dem Rittergut Remeringhausen ein Dorn im Auge. Der Theologe beklagt eine fehlende Ernsthaftigkeit im Umgang mit kirchlichen Feiertagen.

 „Das haben wir nicht bedacht, als wir den Termin festgelegt haben“, räumt Tania von Schöning ein, die gemeinsam mit Ehemann Nicolaus den „Novemberklüngel“ ausrichtet. Das Paar reagierte prompt und verständnisvoll. Wie geplant dürfen die Aussteller am heutigen Sonnabend ihre Waren an Ort und Stelle verkaufen. Der morgige Sonntag soll aber nun zum reinen Ausstellungstag mit Bibellesungen für Kinder und einem Chorkonzert werden. Alle Einnahmen dieses Tages will die Familie von Schöning zudem der SN-Weihnachtshilfe spenden. Allerdings: Aussteller und Organisatoren stellte die kurzfristige Planänderung vor einige Herausforderungen.

 Der „Novemberklüngel“ ist jedoch nicht die einzige Veranstaltung dieser Art: An vielen Orten der Region sind für das Wochenende Adventsmärkte und Ähnliches geplant. Am Stadthäger Bruchhof beispielsweise findet ein Kunsthandwerkermarkt statt, bei dem es jedoch eher besinnlich zugehen soll, wie die Veranstalter gegenüber den SN versicherten.

 An kirchlichen Feiertagen innezuhalten, gestaltet sich offenbar zunehmend schwierig. Viele Menschen kennen, selbst wenn sie in der Kirche sind, nicht einmal mehr die Bedeutung der Feiertage. Auch auf den Komfort einer stets geöffneten Tankstelle mit Verkaufsshop möchte kaum noch jemand verzichten. Und Fußballfans wären wohl auch nicht einverstanden, würden die für Sonntag angesetzten Spiele ausfallen. Wie lässt sich das mit kirchlichen Traditionen und Gesetzen vereinbaren?

 Obwohl der Totensonntag kein anerkannter Feiertag ist, gilt für den letzten Sonntag vor dem 1. Advent eine besondere Regelung. Verboten sind demnach laut Paragraf 6 des Niedersächsischen Feiertagsgesetzes: „Öffentliche sportliche Veranstaltungen gewerblicher Art und auch nicht gewerblicher Art, sofern sie mit Auf- oder Umzügen, mit Unterhaltungsmusik oder mit Festveranstaltungen verbunden sind sowie alle sonstigen öffentlichen Veranstaltungen, außer wenn sie der geistig-seelischen Erhebung oder einem höheren Interesse der Kunst, Wissenschaft oder Volksbildung dienen und auf den ernsten Charakter des Tages Rücksicht nehmen.“ Eine Formulierung, die Interpretationsspielraum lässt.

 Das weiß auch Ulrich Hinz, Sprecher der Landeskirche Schaumburg-Lippe: Natürlich dürften an diesem Tag, an dem der Verstorbenen in besonderer Weise gedacht werden soll, auch Veranstaltungen stattfinden. „Jedoch sollte dem Gedenken der Hinterbliebenen Rechnung getragen werden“, sagt der Pastor. Ein Volksfest auf dem Marktplatz sei zum Beispiel nicht im Sinne der Kirche – und gesetzlich verboten.

 Das entspreche auch keinesfalls der Absicht ihrer Familie, betont Tania von Schöning. Sie habe durchaus Verständnis für Menschen, die den Feiertag in Ruhe begehen wollten. Dem besinnlichen Charakter des Totensonntag sei nun von ihnen Rechnung getragen, ergänzt Nicolaus von Schöning, die Ruhe werde durch die Ausstellung auf dem abgelegenen Rittergut nicht gestört. Um künftig Konflikten aus dem Wege zu gehen, hätten er und seine Frau aber ohnehin beschlossen, den Termin für 2016 zu verlegen.  js, tbh

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