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Stadthagen Stadt Patient bekommt 30.000 Euro Schmerzensgeld
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Patient bekommt 30.000 Euro Schmerzensgeld
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17:05 29.03.2018
Den behandelnden Ärzten im inzwischen geschlossenen Kreiskrankenhaus attestiert die 2. Zivilkammer einen "groben Behandlungsfehler". Quelle: Symbolfoto, dpa
Stadthagen/Bückeburg

Außerdem bekommt er Schadensersatz. Das berichtet der Stadthäger Rechtsanwalt Stephan Maiß, der den Kläger im Zivilverfahren gegen den Landkreis vertreten hat.

Den behandelnden Ärzten im zwischenzeitlich geschlossenen Kreiskrankenhaus attestiert die 2. Zivilkammer in ihrem Urteil einen „groben Behandlungsfehler“, der darin bestand, dass bei dem Patienten keine Gangprüfung durchgeführt worden sei. So sieht es ein medizinischer Gutachter, auf dessen Expertise die Richter ihre Entscheidung stützen.

Gesundheitliche Folgen

Dem Sachverständigen zufolge ist der Schlaganfall „eine der häufigsten Notfallsituationen“. Der Zustand des älteren Patienten, eines zuvor gesunden Mannes mit Bluthochdruck, hätte den Verdacht „in jedem Fall“ erregen müssen. „Mit Sicherheit“, so der Sachverständige, „hätte die erforderliche Prüfung dann auch Gangstörungen offenbart.“ Mit diesen Symptomen wäre der Patient vermutlich auf die Schlaganfallstation im Mindener Klinikum gekommen – und nicht auf die gastroenterologische Normalstation in Stadthagen.

Bei einem Behandlungsfehler ist es dann auch nicht geblieben. Nachdem der Patient einer Nachtschwester berichtet hatte, dass er Sprachstörungen habe, machte diese zwar einen Vermerk im Patientenbericht, zog aber keinen Arzt hinzu. Bis heute leidet der Mann unter gesundheitlichen Folgen, ist auf eine Gehhilfe oder sogar den Rollstuhl angewiesen und zudem psychisch angeschlagen.

Deshalb hätte sich der Stadthäger eine Entschuldigung gewünscht. Vonseiten des Krankenhauses sei jedoch „nicht ein Wort des Bedauerns“ gekommen, wie es in dem Bückeburger Urteil heißt. Später befasste sich noch einmal das Oberlandesgericht Celle mit dem Fall. Jetzt ist die Entscheidung rechtskräftig.

Falsche Diagnose

Am Vormittag des 16. Juni 2014 hatte eine Notärztin den älteren Mann, der über Schwindel und Schweißausbrüche geklagt haben soll, ins Kreiskrankenhaus eingewiesen, wo einige Untersuchungen gemacht wurden. Die Ärzte gingen von Austrocknung aus, schickten den Patienten nach anderthalb Stunden wieder nach Hause und rieten ihm, viel zu trinken. Das war um 11.30 Uhr.

Dem Stadthäger ging es jedoch zunehmend schlecht. Er klagte nach eigener Erinnerung über Schluckbeschwerden und Übelkeit, weshalb ihn dieselbe Notärztin um 16 Uhr erneut ins Kreiskrankenhaus schickte. Bei diesem zweiten Aufenthalt hätte nach Überzeugung des Gerichts eine Gangprüfung durchgeführt werden müssen.

Stattdessen attestierten ihm die Ärzte diesmal eine Erkrankung des Magen-Darm-Traktes und setzten für den kommenden Vormittag eine Magenspiegelung an. Bereits um 4.20 Uhr schilderte der Patient einer Nachtschwester seine Sprachstörungen. Er hatte Angst, einen Schlaganfall erlitten zu haben. Veranlasst wurde zunächst nichts.

Verlegung nach Minden bringt Wende

Erst bei der Visite am nächsten Morgen um 9 Uhr stellte die Stationsärztin dann eine Sprachstörung sowie eine motorische Schwäche der rechten Seite fest und ordnete eine Computertomografie an. Der Patient wurde schließlich nach Minden verlegt, wo er um 11.20 Uhr eintraf. Dort wurde die richtige Diagnose gestellt: Schlaganfall.

Für Rechtsanwalt Maiß sind „die Handlungsweisen der Ärzte im Kreiskrankenhaus schlicht unverständlich“. Bei einem Schlaganfall müsse die Therapie so schnell wie möglich beginnen. ly