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„Polit-Putze“ agiert auch in Stadthagen

Stadthagen / Irmela Mensah-Schramm „Polit-Putze“ agiert auch in Stadthagen

Auch in Stadthagen war sie sofort fündig geworden. Als Irmela Mensah-Schramm am vergangenen Freitag hier mit dem Zug ankam, entdeckte sie an einem Gebäude auf dem Bahnhofsgelände die dort aufgesprühte fremdenfeindliche NPD-Parole „Heimreise statt Einreise“. Wenige Minuten später hatte die 67-jährige Berlinerin den Schriftzug bereits unkenntlich gemacht.

Stadthagen (ssr). Derartige couragierte Einsätze hat sich die bundesweit als „Polit-Putze“ bekannt gewordene Kämpferin für die Menschenwürde zur Passion gemacht. Über ihre teils schockierenden Erfahrungen berichtete Mensah-Schramm vor rund 50 Zuhörern während der Veranstaltung „Rechtsextremismus in Stadthagen?“ des SPD-Stadtverbandes in der „Alten Polizei“.
Allein 56 000 Aufkleber mit neonazistischen Inhalten hat die „Polit-Putze“ nach eigenem Bekunden seit 2007 abgekratzt. Das tue sie, wo immer sie hinkomme. Ceranfeld-Schaber sowie Nagellackentferner zum Beseitigen von rechtsextremen Graffitis habe sie immer dabei, berichtete Mensah-Schramm. Seit 1986 praktiziert die ehemalige Heilpädagogin diese Art von Zivilcourage.
Eindringlich berichtete die Berlinerin von zahlreichen Strafanzeigen gegen sie wegen Sachbeschädigung: „Vor denen habe ich aber keine Angst.“ Denn: „Meine Schrammen kann man reparieren, die durch Nazi-Sprüche verursachte Verletzung der Menschenwürde aber nicht.“ Viele Anfeindungen habe sie auszuhalten, nicht nur aus rechtsextremen, sondern auch aus bürgerlichen Kreisen und von Behördenvertretern. Freilich bekommt die Bürgerrechtlerin auch Anerkennung, darunter einige Auszeichnungen und eine gewisse mediale Aufmerksamkeit. Mensah-Schramm zeigte sich ganz und gar als Überzeugungstäterin: „Wenn ich aufhören würde, diesen Nazi-Dreck zu entfernen, würde ich mich nicht mehr wohlfühlen.“

Freimann: „Das gehört rasch entfernt“

Während der anschließenden Podiumsdebatte bekundete für die Stadthäger Verwaltung Iris Freimann, Leiterin des Amtes für Bürgerdienste, diese sei bei dem Thema „wachsam und sensibel“. Zu verzeichnen gewesen seien in der Kreisstadt in diesem Jahr etliche sogenannte „Spuckis“, also kleine Aufkleber, auf Straßenschildern und -laternen, wildes Plakatieren und einige Schmierereien jeweils mit rechtsextremen Inhalten. Derartiges werde „in aller Regel von Bürgern schnell gemeldet“, berichtete Freimann. Und: „Das gehört rasch entfernt – und das tun wir auch, wo wir es unmittelbar können, nämlich an öffentlichen Gebäuden. Außerdem erfolgen in allen Fällen sofort Strafanzeigen.“
Scharfe Kritik anzuhören hatte sich Dietmar Scholz von der Polizeiinspektion Nienburg-Schaumburg mit Blick auf die Lage in Bückeburg.

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