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Polizei will sich Radfahrer vorknöpfen

Verschärfte Beobachtung Polizei will sich Radfahrer vorknöpfen

Radler im Visier: Anfang der Woche hat eine Kontrolle an der Schachtstraße zahlreiche Sicherheitsmängel ans Licht gebracht. Am Donnerstag hat es einen Fahrradunfall gegeben, an dem ein Kind beteiligt war – glücklicherweise mit glimpflichem Ausgang. Die Stadthäger Polizei zieht daraus Konsequenzen.

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Fahrradfahrer in der Stadthäger Fußgängerzone: Die Polizei will die Radler in nächster Zeit genau im Blick behalten. 

Quelle: rg

Stadthagen. Sie will künftig bei Radfahrern genauer hinschauen und Verkehrsverstöße strenger ahnden. Für die Polizei war es wohl der sprichwörtliche Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Gegen 18.35 Uhr wollte vorgestern eine 20-jährige Stadthägerin mit ihrem Auto von der Martin-Luther- in die Vornhäger Straße einbiegen. Dabei fuhr sie nach Polizeiangaben eine Fahrradfahrerin an, die stürzte und sich dabei am Bein verletzte. Diese trifft laut Polizei eine Teilschuld, weil sie den Radweg auf der falschen Straßenseite benutzt hat, was als Ordnungswidrigkeit eingestuft wird. Allerdings: Die Gestürzte ist erst zehn Jahre alt.

„Da geht es natürlich nicht um Strafe, sondern darum, dem Kind für die Zukunft das korrekte Verhalten zu vermitteln“, sagt Polizeisprecher Axel Bergmann. Der Fall weckt schlimme Erinnerungen: Im Mai starb eine siebenjährige Fahrradfahrerin beim Überqueren der Lauenhäger Straße. Ein Lastwagenfahrer hatte das Mädchen beim Abbiegen übersehen.

„Chaotisch und gefährlich“

Im Bereich der Schachtstraße liegen drei weiterführende Schulen, ein Beobachter nennt die Verkehrssituation dort „chaotisch und gefährlich“. Allerdings liegt nicht immer alle Schuld beim Autofahrer. Viele Fahrradfahrer – egal welchen Alters – halten sich oft nicht an die Regeln. Bei einer Kontrolle am Montag registrierte die Polizei zwölf mal Fahren ohne Licht, Fahren auf der falschen Seite und diverse andere Verstöße. „Wir werden ab sofort verstärkt kontrollieren“, kündigt Polizeisprecher Bergmann an. Ein Kollege soll sich speziell darum kümmern.

Mit dem Zebrastreifen am Wall – Höhe Hagemeyer – nennt Bergmann einen neuralgischen Punkt im Stadtgebiet, an dem Fahrradfahrern besonders oft beim Sündigen zugesehen werden kann. „Eigentlich muss man absteigen und rüber schieben“, erklärt der Polizist. Das mache jedoch kaum jemand. Dabei handele es sich nicht um Schikane. Bergmann: „Autofahrer rechnen mit der Geschwindigkeit eines Fußgängers, aber nicht damit, dass plötzlich noch ein Fahrrad angeschossen kommt.“

Zusammenprall mit Folgen

Auch unmittelbar im Bereich der Fußgängerzone – wo anders als in anderen Städten das Fahrradfahren nicht grundsätzlich, sondern nur zu Wochenmarktzeiten verboten ist – hat sich bereits ein schwerer Unfall ereignet. 2014 prallten zwei Fahrradfahrer zusammen, ein damals 47 Jahre alter Mann, der ohne Helm unterwegs war, lag danach zunächst im Koma und trug bleibende Schäden davon.

Verstöße will die Polizei künftig konsequenter mit Geldbußen bestrafen. Auch wenn diese für Radler in der Regel weniger arg ins Geld gehen als für Autofahrer: Mit 10 oder 20 Euro schlagen sie aber schon mal zu Buche. „Und das muss ja nicht sein“, meint der Polizist. ano, jcp

Bloß nicht!

Wer am Lenker sitzt, sollte sich unter anderem Folgendes verkneifen:
Beim Abbiegen die Vorfahrt anderer missachten.
Betrunken und/oder unter dem Einfluss von Drogen fahren.
So schnell fahren, dass Fußgänger gefährdet werden.
Mit dem Handy telefonieren oder „rumspielen“.
Kinder ohne geeignetes Beförderungsmittel (zum Beispiel Kinderfahrradanhänger) mitnehmen.
Die falsche Straßenseite benutzen (auf Markierung des Fahrradweges achten).
Eine Helmpflicht gibt es in Deutschland nicht, auch nicht für Kinder. Allerdings besteht die Empfehlung, einen Helm zu tragen.

Das kostet’s

Die Strafe für Fahrradsünden reichen von kleinen Geldbeträgen bis zur Gefahr für den Führerschein. Außer Bußgeldern in unterschiedlicher Höhe drohen auch Punkte in Flensburg. Wer beim Überqueren einer Kreuzung jemand anderem die Vorfahrt nimmt, zahlt 15 Euro. 1,6 oder mehr Promille können drei Punkte bedeuten, außerdem setzt es eine Geldstrafe und eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU), den umgangssprachlich sogenannten Idiotentest. Fahrend im Sattel telefonieren kostet 25 Euro, die Missachtung von Polizeizeichen 35 Euro.

Infos: bussgeldkatalog.org

Was ADAC und ADFC sagen

Wer sich an bestimmte Regeln und Ratschläge hält, hat bessere Aussichten, ohne Blessuren durch den Straßenverkehr zu kommen. „Eine wichtige Devise lautet ,Sehen und Gesehen werden‘“, sagt Ralf Collatz. Der Pressesprecher des ADAC in Ostwestfalen-Lippe präzisiert: „Als Fußgänger oder Radfahrer trage ich möglichst helle Bekleidung, im Idealfall reflektierende Elemente.“ Zudem rät Collatz den Verkehrsteilnehmern, nicht zwingend auf ihrem Vorfahrtsrecht zu beharren – gerade als Fahrradfahrer. Bei beiden Parteien hat Collatz eine „zunehmende Ellenbogenmentalität“ festgestellt.

Für Autofahrer räumt Collatz ein: Bis zu zwei Drittel der Autos wiesen bei Kontrollen Mängel an der Beleuchtung auf. Manfred Hoppe vom Schaumburger ADFC ergänzt: „Ein großes Problem liegt momentan darin, dass Radfahrer Fahrradwege auf der falschen Straßenseite befahren.“ Auch der jüngste Unfall in Stadthagen (siehe Haupttext) kam auf diese Weise zustande. Hoppe empfiehlt Fahrradfahrern, nicht einfach abzubiegen, selbst wenn sie Vorfahrt haben. Zudem plädiert er für Rücksicht gegenüber den noch schwächeren Verkehrsteilnehmern: den Fußgängern. r

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