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Positive Resonanz für Städtische Brauerei

Marke wieder aufleben lassen Positive Resonanz für Städtische Brauerei

Auf positive Resonanz in der Kreisstadt stößt die Initiative von Aktivisten aus der II.Quartierschaft des Schützenfestes, die Marke Städtische Brauerei Stadthagen wieder aufleben zu lassen.

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Historisch: Eine Kiste Altmarkt-Pils aus der Städtischen Brauerei Stadthagen – abgefüllt 1978.

Quelle: rg

Stadthagen. „Diese sehr gute Idee hat was“, kommentiert Bürgermeister  Oliver Theiß , „zumal die Initiative aufgrund der geringen Biermenge keine Konkurrenz zur Firma Damke darstellt.“ Diese will künftig die Produkte der früheren Schaumburger Brauerei vertreiben. „Ich wünsche den Initiatoren viel Erfolg“, fügt Theiß hinzu.

„Die Jungs werden sich etwas dabei gedacht haben“, meint Günter Raabe , Vorsitzender des Stadtmarketing Stadthagen (SMS). „Wenn man für den Braukessel ein entsprechendes Ambiente findet, kann das durchaus eine touristische Attraktivität werden.“

„Wenn der traditionsreiche Name der Städtischen Brauerei wieder auflebt, könnte das für Stadthagen eine positive Wirkung entfalten“, bewertet der stellvertretende Vorsitzende des Verkehrsvereins, Fritz Wehling , das Unterfangen. Allerdings mahnt er: „Es könnte eine Konkurrenz zum Schaumburger Bier entstehen.“

„Das ist eine charmante Idee“, wirft  Maria Börger-Sukstorf , Chefin der Grünen im Rat, ein: „Das tut niemandem weh und wäre attraktivitätssteigernd für Stadthagen.“

„Das wäre ein Renner“, meint Gerd Hasse , Ehrenmajor des Schützenfestes, „da würden viele begeistert sein.“ Freilich sei die Umsetzung „nicht so einfach, das wird ein langer Weg sein, wäre aber machbar“.

Der Stadthäger Europaabgeordnete Burkhard Balz findet den Vorstoß „klasse“. Er würde sich freuen, „wenn die Initiative umgesetzt und es wieder klappen würde mit einem Stadthäger Bier“.

„Eine sympathische Idee“, findet der Landtagsabgeordnete Karsten Becker aus Wendthagen. „Die Getränke-Frage spielt bei Stadthäger Traditionsfesten eine große emotionale Rolle, da wäre es schön, ein privat vor Ort gebrautes heimisches Bier zu haben“, so Becker.

Eher skeptisch äußert sich Ratsvorsitzender und Gästeführer Gerd Tüting . Zwar findet er die Idee „hübsch, da gibt es überhaupt nichts gegen zu sagen“, aber: „Das ist reine begeisterte Heimatverbundenheit, mit wirtschaftlicher Rationalität hat das nichts zu tun.“ Daher: „Ich kann an die Verwirklichung nicht so recht glauben.“

Volker May , Geschäftsführer des Schützenfest-Komitees, bewertet den Vorstoß gar „für sehr gewagt, ich halte nicht so viel davon“. May weiter: „Pläne kann man viele schmieden, aber es gibt dann etliche Widrigkeiten zu überwinden – ich denke, daraus wird nichts werden.“ ssr

Die Brauerei im Kleinen

Sollte das Vorhaben einiger Stadthäger aus der II. Quartierschaft des Schützenfestes von Erfolg gekrönt sein, könnte in der Kreisstadt bald wieder vor Ort gebrautes Bier getrunken werden. Doch die angedachte kleine GmbH, die ein „Pilsener Städtische Brauerei Stadthagen“ herstellen soll, ist in ihrer Dimension nicht ansatzweise mit der kürzlich in Insolvenz gegangenen Schaumburger Privaten Braumanufaktur vergleichbar, sondern würde vielmehr unter der Gattung Mikrobrauerei firmieren.

Jene Handwerksbrauereien zeichnen sich unter anderem dadurch aus, dass sie weniger als 200.000 Hektoliter Bier im Jahr produzieren (dort zieht die Biersteuer die Grenze) und dabei völlig unabhängig von großen Brauereigruppen zu agieren. Das Erzeugnis jener Brauereien nennt sich Craft-Beer, wobei „craft“ für Handwerk steht. Vielen Craft-Beer-Brauern stößt die allgemeine Seelenlosigkeit der Bierindustrie sauer auf, die sich ihrer Meinung nach längst nicht mehr auf den Geschmack, sondern vielmehr auf die Vermarktung ihrer Getränke fokussiert hat. Für andere spielt der ideelle Gedanke, in der Heimat produziertes Bier zu trinken, eine entscheidende Rolle – wie etwa bei den Mannen aus der II. Quartierschaft um den ehemaligen Hauptmann Bernd Koller.

Etwa 1100 solcher Kleinstbrauereien lassen sich mittlerweile in Deutschland finden, zusammengetragen auf der Internetseite www.mikrobrauer.com. Dort können Bierliebhaber sehen, wo in ihrer Umgebung der beliebte Gerstensaft abseits der großen Ketten und unter der Höchstmenge von 15.000 Hektolitern pro Jahr produziert wird. Neben dem Brauhaus Felsenkeller in Lauenau und der Hausbrauerei Meierhöfer in Obernkirchen könnte sich bald auch die angedachte GmbH auf der Karte wiederfinden.  js

  

Ein Bier mit langer Tradition

Berühmtester Fan der Städtischen Brauerei ist wohl Wilhelm Busch gewesen. Bei seinen zahlreichen Besuchen in Stadthagen ist der Wiedensahler Dichter oft im Brauereiausschank am Marktplatz eingekehrt, um sich ein Glas Gerstensaft zu genehmigen. Gebraut wurde damals direkt im Brauhaus Am Markt 4, das Mitte des 19. Jahrhunderts das einzige Haus mit Braurecht in Stadthagen war.

Die Tradition der Städtischen Brauerei reicht jedoch viel weiter in die Vergangenheit. Bereits seit 1330 wurde in Stadthagen Bier gebraut. Zur Herstellung berechtigt waren die Mitglieder der Brauergilde, die zunächst in ihren eigenen Bürgerhäusern brauten. Mitte des 18. Jahrhunderts wurden die Brauer jedoch aufgefordert, ihr Bier gemeinsam in einem öffentlichen Brauhaus herzustellen. Wie aus Unterlagen aus dem Archiv der Stadt Stadthagen hervorgeht, kaufte die Gilde dafür 1763 zwei Häuser an der Echternstraße. 1851 wurde die Bierproduktion dann in das Renaissancehaus am Markt verlegt.

Nach der Auflösung der Brauergilde im Jahr 1873 ging die Stadtbrauerei in Privatbesitz über. Der Name Städtische Brauerei blieb. Im Lauf des 20. Jahrhunderts wechselte die Brauerei wiederholt den Besitzer, das Bier wurde in einem großen Sudhaus am alten Markt produziert – dort, wo sich heute die Stadtverwaltung befindet.
Mitte des 20. Jahrhunderts entstand zudem die Abfüll- und Lagerhalle an der Enzer Straße. Bis zu ihrem Konkurs 1978 gehörte die Städtische Brauerei zu den ältesten Brauereien in Deutschland mt einer 650-jährigen Brautradition.  kcg

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