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Postangestellte plündert Päckchen

Unternehmen stellt Diebin eine Falle Postangestellte plündert Päckchen

Eine Schaumburger Angestellte der Deutschen Post hat in zehn Fällen Sendungen geöffnet und den Inhalt für sich behalten. In die Hände fielen ihr Goldmünzen, Kleidung, eine Elektro-Sense und ein tragbarer Computer im Gesamtwert von mehr als 2300 Euro.

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Stadthagen/Landkreis. Motiv: Die 51-Jährige wollte alles verkaufen und ihrem Enkelkind, das bei ihr lebt, mit dem Geld eine Freude machen. Zum Verhängnis wurde ihr eine weitere Sendung. Dieses Päckchen hatten Mitarbeiter der Post mit Silbernitrat präpariert und an einen fiktiven Empfänger adressiert. Die Diebesfalle des Unternehmens schnappte zu. Leugnen wäre zwecklos gewesen.

 Wegen Verletzung des Postgeheimnisses in Tateinheit mit Unterschlagung hat das Amtsgericht in Stadthagen gegen die zwischenzeitlich gekündigte Frau jetzt eine Geldstrafe von 3600 Euro verhängt, in diesem Fall vier Monatseinkommen. Weil die Sanktion 90 Tagessätze übersteigt, taucht sie im polizeilichen Führungszeugnis auf, was bei der Jobsuche von Nachteil sein wird. Zuzuschreiben hat sich die Frau das selbst. „Andere Familien leben von Hartz IV – und trotzdem werden die Mütter nicht straffällig“, sagte Richter Kai Oliver Stumpe.

 Auf Stumpes Frage, wie sie auf die Idee gekommen sei, Päckchen für sich zu behalten, anstatt die Sendungen zuzustellen, begann die Angeklagte zu weinen. „Das hat mit meinem Enkelkind zu tun“, erklärt sie. „Ich wollte ihm alle Wünsche erfüllen, damit es glücklich ist.“ In ihrem Schlusswort versicherte die 51-Jährige: „Es tut mir unwahrscheinlich leid.“

 Obwohl die Frau nicht vorbestraft ist, erschien Stumpe angesichts von elf Taten (einmal blieb es beim Versuch) zunächst auch eine Freiheitsstrafe denkbar. „Mir hat gefallen, dass Sie offen mit der Sache umgehen“, erklärte Stumpe der Angeklagten, warum er es mit einer Geldstrafe bewenden lässt. „Ihre Reue ist echt und nicht gespielt.“ Das Motiv kann der Richter nachvollziehen. „Aber es ist eine Erklärung, keine Entschuldigung.“

 Warum sie trotz Bedenken weitergemacht habe, erklärt die Angeklagte so: „Ich habe mich hinreißen lassen.“ In seinem Plädoyer fügte Verteidiger Heimo Faehndrich hinzu: „Wenn es einmal gut geht, entsteht ein Sog. Und diesem Sog ist meine Mandantin unterlegen.“ Welche Päckchen sie öffnete, machte die Angestellte in einer Schaumburger Postfiliale vom jeweiligen Absender abhängig. „Münzkontor“ deutete zum Beispiel darauf hin, dass der Inhalt wertvoll sein musste. Mehrfach gelangte die Schaumburgerin so an Sammlermünzen aus Gold zum Stückpreis von 213,44 Euro. Vier Jacken hatten einen Wert von zusammen 227 Euro, fünf Herrenhemden sollten 280,65 Euro kosten.

 Der Post mag kein allzu großer Schaden entstanden sein. Tatsache ist: „Das sind Kosten, die das Unternehmen in seine Kalkulation einbezieht und auf die Preise abwälzt“, so Richter Stumpe. Den Schaden trage also die Gemeinschaft der Kunden. Das Urteil ist bereits rechtskräftig. ly

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