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Welcher Ausweis gilt wofür? Problemzone Parkplatz

Selbst für Menschen ohne eine Behinderung ist es in manchen Parklücken schwierig, aus dem Auto auszusteigen. Wer im Rollstuhl sitzt oder an Krücken gehen muss, ist froh, wenn er auf einem großen und zentral gelegenen Parkplatz sein Auto abstellen darf.

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Weil er im Rollstuhl sitzt, braucht Matthias Gläser mehr Platz zum auszusteigen, als eine herkömmliche Parkbucht bietet.

Quelle: rg

Von Tina Bonfert

Stadthagen. Doch längst nicht alle Menschen mit einer Behinderung bekommen einen entsprechenden Parkausweis.

 Die Schwerbehindertenausweise berechtigen nicht automatisch zum Parken auf entsprechenden Flächen für schwerbehinderte Menschen. Ob es einen entsprechenden Parkausweis gibt, ist vom Grad der Behinderung und bestimmten Merkmalen abhängig.

 Ein Beispiel: Eine junge Frau aus Stadthagen die an Multipler Sklerose (MS) leidet, hat auf den Parkplätzen in der Kreisstadt oft erhebliche Schwierigkeiten aus dem Auto zu steigen. „Es gibt Tage, an denen geht es mir richtig schlecht“, sagt die 42-Jährige. „Da fallen mir schon 100 Meter zum Parkautomaten sehr schwer.“ Doch die Einstufung ihrer Gehbehinderung reicht für einen Schwerbehindertenparkausweis nicht aus.

 Bei der jungen Frau wurde eine Gehbehinderung mit einem Grad von 60 Prozent festgestellt. Für den in der Europäischen Union einheitlich gültigen blauen Parkausweis, der zum Parken auf gekennzeichneten Schwerbehindertenparkplätzen berechtigt, muss jedoch eine „außergewöhnliche Gehbehinderung“ mit dem Merkmal „aG“ vorliegen, wie beispielsweise eine Querschnittslähmung. Auch blinde Menschen, mit dem Merkmal „Bl“ im Schwerbehindertenausweis, haben Anspruch auf einen entsprechenden Parkausweis. Dabei fällt die an MS erkrankte Frau aus dem Raster.

 Auch der orangefarbene Parkausweis, der von den Städten und Kommunen ausgegeben wird, würde ihr die Situation erleichtern. Solche Ausweise beinhalten nämlich auch Parkerleichterungen, berechtigen die Inhaber jedoch nicht zum Parken auf den mit dem Rollstuhlfahrersymbol gekennzeichneten Flächen. Die an MS erkrankte Stadthägerin hat aber auch darauf keinen Anspruch: Diese Parkausweise gelten nur für schwerbehinderte Menschen mit dem Merkzeichen „G“ für gehbehindert im Schwerbehindertenausweis oder „B“ für Menschen, die auf eine Begleitperson angewiesen sind, und einem Grad der Gehbehinderung von mindestens 80 Prozent haben.

 „Faktisch geht die Versorgung mit Ausweisen oft an der Realität oder dem Bedarf vorbei“, sagt Matthias Gläser. Der Vorsitzende des Behindertenbeirates der Stadt Stadthagen sitzt im Rollstuhl. Er verfügt über einen Parkausweis, der es ihm erlaubt auf den für schwerbehinderte Menschen ausgewiesenen Parkplätzen zu parken. Doch auch Gläser hat oftmals Probleme sein Auto abzustellen.

 Besonders ärgern ihn diejenigen, die unberechtigt auf den Parkplätzen für schwerbehinderte Menschen parken: „Das Problem ist nicht die Anzahl der Parkplätze oder deren Beschaffenheit, sondern dass viele Menschen unberechtigt die Parkplätze für schwerbehinderte Menschen benutzen.“ Solchen Falschparkern zeigt Gläser die „gelbe Karte“. „Sie haben meinen Parkplatz! Möchten sie auch meine Behinderung?“, ist darauf zu lesen. Wer eine solches Kärtchen an seinem Auto findet, kann auf der Rückseite sehen, was er falsch gemacht hat.

 Die Ausreden von Menschen, die unberechtigt Schwerbehindertenparkplätze nutzen, kennt der Vorsitzende des Behindertenbeirates zur Genüge. „Ich wollte nur ganz kurz...“ Für den Rollstuhlfahrer kein Argument: „Auch wenn die Autos da nur kurz geparkt werden, muss ich mir einen anderen Parkplatz suchen.“

Parkerleichterungen mit orangefarbenem Ausweis

Der von der Stadt ausgegebene Parkerleichterungsausweis ist bundesweit gültig. Er berechtigt jedoch nicht zum Parken auf den mit einem Rollstuhlfahrersymbol gegenzeichneten Stellflächen. Inhabern werden folgende Parkerleichterungen gewährt:

>> Parken im eingeschränkten Haltverbot und im Zonenhaltverbot bis zu drei Stunden (mit Parkscheibe).

>> Das Auto über die zugelassene Parkdauer hinaus abstellen.

>> In Fußgängerzonen, in denen das Be- und Entladen für bestimmte Zeiten freigegeben ist, während der Ladezeit parken.

>> Das Auto ohne Gebühr und zeitliche Begrenzung an Parkuhren und Parkscheinautomaten abstellen.

>> In verkehrsberuhigten Bereichen außerhalb der gekennzeichneten Flächen parken, sofern der durchgehende Verkehr nicht behindert wird.

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