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Professor über Umwege

Stadthagen / Interview Professor über Umwege

Als Kind türkischer Gastarbeiter weiß er, wie schwer es ist, vor diesem Hintergrund den akademischen Weg einzuschlagen. Die Problematik der bildungsfernen Familien kennt er nicht nur vom wissenschaftlichen Standpunkt aus, sondern auch aus der persönlichen Perspektive: Ahmet Toprak ist Professor für Erziehungswissenschaften an der Fachhochschule Dortmund. Er hat es geschafft. Wie? Die Frage beantwortet er im SN-Interview.

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Ahmet Toprak: Experte für den Umgang mit schwierigen Kindern und Jugendlichen. 

Quelle: FH Dortmund

Stadthagen. Sie selbst sind Kind einer türkischen Gastarbeiterfamilie. Wie haben Sie Ihre Schulzeit in Deutschland erlebt?

In meiner Schulzeit – das war in den 1980er Jahren – war nicht vorgesehen, dass Kinder mit Migrationshintergrund eine akademische Laufbahn einschlagen sollen. Deshalb habe ich von den Lehrkräften keine Unterstützung bekommen. Wenn ein Kind oder Jugendlicher mit Migrationshintergrund so einen Plan hatte, wurde das durch den Kakao gezogen, nicht nur von Mitschülern.

Nun haben Sie es geschafft, einen Weg zu gehen, der vielen Kindern aus bildungsfernen Familien nicht offensteht. Sie haben studiert und eine Professur bekommen. Wie haben Sie das geschafft und welche Rolle spielte Ihre Familie dabei?
 Bei mir war es so, dass mir die Unterstützung von der Schule und Lehrkräften verwehrt wurde. Es lag auch daran, dass ich kein guter Schüler war. Meine Eltern waren nicht in der Lage, mich zu unterstützen, weil sie das deutsche Schulsystem nicht verstanden. Es war reiner Zufall und eigenes persönliches Interesse und Engagement, studieren zu wollen. Weil ich gemerkt habe, dass ich das hier nicht schaffe, bin ich mit 16 Jahren freiwillig in die Türkei gegangen, um das Abitur zu erwerben. Nach dem Abitur bin ich wieder zurück nach Deutschland gekommen, um ein Studium aufzunehmen. Ohne die Schleife über die Türkei hätte das vermutlich nicht funktioniert. Der Titel Ihres Vortrags macht deutlich: Es ist schwer, Kontakt mit bildungsfernen Familien aufzubauen. Warum ist das so?
 Weil die Eltern aufgrund ihres Habitus Hemmschwellen haben, die Schule oder andere soziale Einrichtungen anzusprechen. Scham, wegen schlechter Deutschkenntnisse, Respekt vor der Schule, falsches Verständnis, was die Schule oder pädagogische Einrichtungen betrifft, tragen dazu bei, dass die Eltern sich zurückziehen. Welche Maßnahmen raten Sie Bildungsinstitutionen, um die Kontaktaufnahme zu verbessern und den Dialog im Sinne der Kinder zu fördern?
 In erster Linie müssen die Angebote niederschwellig sein, das heißt, die Zugangsbarrieren müssen gesenkt werden. Die Kompetenzen der Eltern müssen anerkannt werden, um sie später zu stärken. Abschließend ein paar Tipps: Was raten Sie Kindern aus bildungsfernen Familien, die eine ähnliche Laufbahn wie Sie einschlagen wollen?
 Wichtig ist, dass man an sich und seine Stärken glaubt. Man darf auch bei kleinsten negativen Erfahrungen nicht aufgeben und die Schuld an andere Personen übertragen. Unterstützungsangebote haben wir in Deutschland sehr viele, die müssen passgenau abgerufen werden.Das Interview führte Marvin Schildmeier

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