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Prozess um Misshandlung vertagt

Stadthagen / Gericht Prozess um Misshandlung vertagt

Ein Prozess mit zahlreichen Erinnerungslücken ist am Freitag am Amtsgericht Stadthagen vertagt worden. Angeklagt ist ein 23-jähriger Stadthäger, der seine damalige Freundin, heute ebenfalls 23 Jahre alt, im vergangenen Jahr verprügelt und die Badezimmertür der gemeinsamen Wohnung eingetreten haben soll. Das Problem: Die Stadthägerin hat ihre polizeiliche Aussage widerrufen.

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Quelle: dpa

Stadthagen. Laut der Aussage, die die 23-Jährige unmittelbar nach der Tat bei der Polizei abgegeben hat, soll sich das Ganze wie folgt abgespielt haben: Am 28. September 2012 soll der Angeklagte mit seiner damaligen Lebensgefährtin gestritten haben, weil er offenbar vermutete, sie sei fremdgegangen. Abends weckte er die 23-Jährige, die schon schlief, wieder auf, und der Streit ging weiter. Im Badezimmer soll die Situation dann eskaliert sein. Die Stadthägerin hatte sich ihrer Aussage gegenüber der Polizei zufolge dort eingeschlossen. Ihr Freund habe dann die Tür eingetreten und auf sie eingeschlagen. Sie habe sich die Hände schützend vors Gesicht gehalten, weil sie fürchtete, ihr Freund würde ihr das Nasenbein brechen. Außerdem sei sie auf den Fliesen im Bad gestürzt und habe sich die Knie aufgeschürft. Danach, heißt es in der Polizeiaussage, sei sie auf die Straße gelaufen und habe von einer Telefonzelle aus die Polizei angerufen. Die Beamten brachten die junge Frau ins Krankenhaus, wo sie untersucht wurde. Die Wunden, die offenbar nicht bluteten, wurden allerdings nicht weiter behandelt.

„Ich hatte Angst, dass er mich schlägt“, sagt die 23-Jährige nun vor Gericht, „aber er hat mich nicht geschlagen.“ Richter Kai Oliver Stumpe hakte nach, wollte wissen, warum sie bei der Polizei damals etwas anderes behauptet habe. „Aus Rache“ habe sie bei der Polizei angerufen, antwortete sie. Wütend sei sie gewesen, und ihren Freund wollte sie aus der Wohnung haben. Die Verletzungen an den Knien hat sich die 23-Jährige nach eigener Aussage zugezogen, als sie mit dem Fahrrad von der Arbeit am Mittag nach Hause fuhr und stürzte. Ihre linke Hand sei häufig so stark geschwollen.

Richter Stumpe und auch Staatsanwalt Günter Wilkening, den die vielen Erinnerungslücken der Stadthägerin offenbar verärgert hatten, hakten immer wieder nach. Doch sie blieb bei ihrer Aussage, selbst als Verteidiger Ralf Jordan ihre Vereidigung beantragte. Den Strafantrag gegen ihren Ex-Freund hatte die 23-Jährige schon Ende Oktober 2012 zurückgezogen – „kein Interesse mehr“ an einer Strafverfolgung, zitiert Wilkening aus den Unterlagen. Auch die Aussage der Polizeibeamtin, die den Vorfall mit einem Kollegen aufgenommen hatte, brachte wenig Erhellendes. Demnach soll die 23-Jährige, die die Wohnung nach der Attacke laut Aussage „fluchtartig“ verlassen hat, angezogen, in Stiefeln und mit einer gepackten Kleidertasche an der Telefonzelle auf die Beamten gewartet haben. Ihr Freund soll auf einem Vorsprung auf der anderen Straßenseite gewartet haben und, als die Beamten ihn ansprachen, schimpfend weggelaufen sein.

Während der Angeklagte weitgehend zu den Aussagen schwieg, ging Verteidiger Jordan auf den Fahrradunfall ein. Nach seiner Aussage soll die 23-Jährige mit der Schwester über diesen Fahrradunfall gesprochen haben. Letztgenannte soll nun bei einem zweiten Prozesstermin vernommen werden. Sollte der 23-Jährige verurteilt werden, droht ihm eine Haftstrafe von mehr als einem Jahr, da er erst vor Kurzem eine siebenmonatige Bewährungsstrafe des Amtsgerichts Bremen wegen Marihuanabesitzes kassiert hatte. Seine damalige Freundin, die ein Kind von ihm erwartet, hat sich inzwischen von ihm getrennt. aw

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