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Regeln machen Osterfeuer zu einem sicheren Spaß

Stadthagen / Osterfeuer Regeln machen Osterfeuer zu einem sicheren Spaß

Der Sonnabend, der sich zwischen den Karfreitag und den Ostersonntag quetscht, wirkt morgens ziemlich unfreundlich. Claus-Heinrich Bruns, stellvertretender Ortsbrandmeister der Freiwilligen Feuerwehr Stadthagen, schaut jedenfalls missmutig gen Himmel, als er um 10 Uhr vor dem Feuerwehrhaus an der Enzer Straße steht. „Regen und Sturm haben sie angesagt“, sagt er und zieht fröstelnd die Schultern hoch. Fies kalt ist es nämlich auch noch. Abends soll vor dem Feuerwehrhaus das Osterfeuer in den Himmel lodern, umringt von möglichst vielen Menschen. Der besorgte Ortsbrandmeister Bruns kann zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen, dass er abends ein Happy End erleben wird.

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Das Osterfeuer schlägt in Stadthagen große Flammen.

Quelle: rg

Stadthagen (ab). Die Osterfeuerei wird Claus-Heinrich Bruns und seine Kameraden den ganzen Sonnabend und die Nacht und noch einen Teil des Ostersonntags beschäftigen. Dafür sorgen Gesetze und Verordnungen. Schließlich tut die Feuerwehr an diesem Tag genau das Gegenteil dessen, wofür sie gegründet wurde: Sie legt vorsätzlich Feuer, und sie tut dies auch noch mitten in der Stadt.

In den Tagen zuvor haben Bürger mit Transportern, ja sogar mit  Sackkarren Baum- und Strauchschnitt am Feuerwehrhaus angeliefert. Gerätewarte haben darauf geachtet, dass nichts auf dem Stapel landet, was dort nicht drauf gehört, Reifen oder Altöl oder Plastikstühle. „Wie vorgeschrieben haben wir der Stadt schriftlich angezeigt, dass wir ein Osterfeuer machen wollen“, erzählt Feuerwehrmann Claus-Heinrich Bruns. In diesem Jahr sind der Stadt insgesamt 14 Osterfeuer zur Kenntnis gegeben worden. Die Kommunen achten darauf, dass Standards eingehalten werden, um die Sicherheit zu gewährleisten und die Umwelt nicht über Gebühr zu belasten. Was wird verbrannt? Wie groß ist der Abstand zu umliegenden Häusern? Wie regelt der Veranstalter, dass das Feuer unter Kontrolle bleibt? Gemeinde oder Stadt nicht zu informieren, kann man keinem Veranstalter empfehlen. Wenn die Polizei anrückt, um das Löschen des Feuers anzuordnen, kann das teuer werden.

Ältere Feuerwehr-Kameraden erinnern sich gut daran, dass Osterfeuer früher ohne großen bürokratischen Aufwand abgebrannt wurden. Das hat sich geändert. In manchen Kommunen wird die Zahl der Osterfeuer begrenzt, damit nicht so viel Feinstaub produziert wird - man kennt die Diskussion von den Brenntagen. Außerdem sollen Igel, Vögel und Insekten dem Flammentod entgehen. Deswegen hat schon früh an diesem Sonnabendmorgen ein Landwirt mit einem Trecker den Stapel am Stadthäger Feuerwehrhaus umkreist und Teile umgeschichtet, um Getier aufzuscheuchen. Damit Osterfeuer nicht allzu sehr mit Bürokratie belastet werden,  hat der Gesetzgeber festgelegt, dass die Freiluftfeten nicht unter „Müllverbrennung“ einsortiert werden, sondern unter „Brauchtumsfeuer“.

Als es am Sonnabendabend losgehen soll, schaut der stellvertretende Ortsbrandmeister Claus-Heinrich Bruns viel zufriedener als noch am Morgen aus seiner Uniform. Es regnet nicht, es stürmt nicht, nur kalt ist es natürlich immer noch. Aber schließlich sind Osterfeuer ja dazu da, den Winter zu vertreiben. Hinter rotweißem Absperrband sind etwa 600 Schaulustige dabei, als Feuerwehrleute um 19.48 Uhr das Feuer entzünden. Ein paarmal stecken sie einen fauchenden Gasbrenner tief in den Stapel, dann brennt  das Holzzeugs lichterloh. Die Sonne beäugt das Spektakel noch ein paar Minuten, dann verschwindet sie hinter dem Horizont.

Fünf Mann stark ist die Brandwache, die das Osterfeuer im Blick behält. Während um sie herum tüchtig Bier getrunken wird, müssen sich diese Kameraden zurückhalten. Dies gilt noch mehr für jene Feuerwehrleute, die an diesem Abend Einsatzbereitschaft haben. „Es gibt insgesamt etwa 100 aktive Kameraden in der Wehr“, erzählt Gruppenführer Fabian Deus, „wenn es irgendwo im Stadtgebiet einen Großbrand gäbe, wäre natürlich sofort Schluss mit dem Osterfeuer.“ Volksvergnügen hin, Bier und Bratwurst her: „Wir können zu jedem Zeitpunkt eine schlagkräftige Truppe ausrücken lassen“, ergänzt der stellvertretende Ortsbrandmeister Claus-Heinrich Bruns. Vor Jahren fand ein Countrymusik-Abend mal ein jähes Ende, weil die Wehr gebraucht wurde.  

An diesem Abend muss jedoch kein Feuerwehrmann ausrücken, in  Stadthagen bleibt es ruhig. Auch das Osterfeuer brennt vorschriftsmäßig herunter, bis die Brandwache gegen 0.30 Uhr den letzten Glutnestern mit ein bisschen Wasser den Rest gibt. Nur schade, dass sich nicht jedes Feuer, mit dem die Stadthäger Wehr zu tun hat, so freundlich verhält wie das Osterfeuer.             

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