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„Schändlich“: Farb-Angriff auf „Stolpersteine“

Stadthagen / Tätern droht höheres Strafmaß „Schändlich“: Farb-Angriff auf „Stolpersteine“

Unbekannte Täter haben an der Wallstraße 3 vier sogenannte „Stolpersteine“, die an jüdische Opfer des Nationalsozialismus erinnern, mit weißer Deckfarbe übergossen.

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Ein Mitarbeiter des Stadthäger Baubetriebshofs kratzt die weiße Farbe ab.

Quelle: aw

Stadthagen. Stadthagen. „Das ist eine ganz schändliche Tat“, urteilte Jürgen Lingner, stellvertretender Vorsitzender des „Fördervereins ehemalige Synagoge“. „Ich hoffe, dass die Täter erwischt werden.“ Mitarbeiter des Baubetriebshofs konnten den Schaden am frühen Mittwochnachmittag beseitigen.

 Die Stadthägerin Birgit Supper hatte die mit Farbe begossenen Steine entdeckt und sich über die Facebook-Seite an die örtliche Presse gewandt. Bei der Stadthäger Polizei, so schreibt sie, habe man keine Anzeige aufnehmen wollen, da ihr die Steine nicht gehören. Der Beamte habe ihr gesagt, dass wahrscheinlich jemand nur Farbe aufgebracht habe, damit man die Steine besser sehe. Polizeipressesprecher Axel Bergmann sagte dazu, dass noch nicht geklärt werden konnte, ob diese Aussage so gefallen sei, versprach jedoch Aufklärung.

 Die Stadtverwaltung hat nach Angaben von Pressesprecherin Bettina Burger inzwischen gemeinsam mit dem Förderverein Strafanzeige wegen Sachbeschädigung gestellt. Bergmann ergänzte, dass auch wegen „gemeinschädlicher Sachbeschädigung“ ermittelt wird. Dieser Straftatbestand bezieht sich ausdrücklich auf öffentliches Eigentum, außerdem droht den Tätern hier ein höheres Strafmaß. Da ein rechtsextremistischer Hintergrund nach den Worten Bergmanns „nicht ausgeschlossen“ werden kann, hat die Polizei auch den Staatsschutz Nienburg/Schaumburg eingeschaltet. Der entstandene Schaden bewegt sich nach Einschätzung Burgers „im kleineren dreistelligen Bereich“.

 Die Organisatoren der Stadthäger „Stolperstein“-Aktion geben sich allerdings auch nach der Farb-Attacke kämpferisch. „Wir werden uns davon nicht aufhalten lassen“, sagte Lingner und kündigte für den Herbst die Verlegung von zehn weiteren „Stolpersteinen“ in der Stadt an. Inklusive der jetzt übergossenen Exemplare sind bislang fünf solcher Steine verlegt worden.

 Ute Brodziak-Mudra, die eine Patenschaft für einen der Steine übernommen hat, dankte der Stadtverwaltung für die spontane Reaktion und nahm den Vorfall sogar mit Humor. Da sich die weiße Schicht relativ leicht entfernen ließ, mutmaßte sie, jemand könnte da auch einfach Scheuermittel „draufgekippt“ haben. Künftig will sie gemeinsam mit Lingner und dem Förderverein dafür sorgen, dass die „Stolpersteine“ regelmäßig gereinigt und aufpoliert werden.

 Hinweise zur Sachbeschädigung nimmt die Polizei unter der Telefonnummer (05721) 40040 entgegen.

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