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Stadthagen Stadt Schatzsucher aus Stadthagen hilft, Fall zu lösen
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Schatzsucher aus Stadthagen hilft, Fall zu lösen
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17:44 05.11.2018
Stefan Wildhagen mit seiner Ausrüstung auf dem Feld. Quelle: isa
Stadthagen

Dass Stefan Wildhagen mit seinem Hobby einmal zur Lösung von Ermittlungen beiträgt, damit hat er wohl selbst nicht gerechnet. Eigentlich macht er nichts anderes, als mit einem Metalldetektor bis zu sechs Stunden lang über ein Feld zu laufen. Doch im Fall des Lauenhäger Schützen war genau das besonders hilfreich: Wildhagen fand das Projektil, das zum Täter führte.

„Ich las von dem Fall in der Zeitung und dachte, da kann ich meine Hilfe anbieten“, erinnert sich der sogenannte Sondler. „Die Polizei hat sicherlich nicht so einen guten Metalldetektor wie ich.“ Zusammen mit seinem Freund und der Polizei machte der 37-Jährige sich auf die Suche. Nach etwa zwei Stunden waren sie dann auch tatsächlich erfolgreich. „Ehrlich gesagt hat keiner mehr damit gerechnet, dass wir das Projektil noch finden. Es waren alle wie versteinert.“ Dass der Sondler nun wirklich zur Klärung des Falls beitragen konnte, freut ihn besonders.

Dass er mit dieser Tat auch noch den Ruf seines Hobbys retten kann, ist für den Stadthäger ein erfreulicher Bonus. Immer häufiger würden die Hobby-Sucher nämlich auch mit dem Begriff „Grabräuber“ in Verbindung gebracht. Und das, sagt Wildhagen, meistens zu Unrecht. Die gewissenhaften Sondler hätten eine Genehmigung für ihr Hobby. „Von den zuständigen Archäologen erhält man nach der Teilnahme an einem Kurs eine sogenannte Nachforschungsgenehmigung“, erklärt Wildhagen. „Damit kann man sich in seinem zugeteilten Gebiet legal auf die Suche machen.“ Um auf den Feldern oder Spielplätzen auf die Suche zu gehen, hole er sich zusätzlich die Genehmigung der Eigentümer wie Landwirten oder der Stadt.

Schatzsucher im Veruf

So gewissenhaft gehen aber nicht alle vor. „Es gibt mittlerweile viele, die illegal auf die Suche gehen und so versuchen, Geld zu machen“, sagt Wildhagen. „Ich versuche, da verstärkt Aufklärung zu betreiben.“ Der Stadthäger ist bekannt in der Sondler-Szene, auch weil er einen eigenen Youtube-Kanal betreibt. Einerseits freut es ihn, dass es immer mehr Anhänger seines Hobbys gibt. Dass das Schatzsuchen so aber auch in den Verruf gerät, ärgert ihn: „Eine Hand wäscht die andere. Wenn man als Sondler auf die Archäologen und Eigentümer zugeht, kommen die auch auf dich zu.“

Grundsätzlich gibt es feste Regeln für Funde beim Sondeln: Historisch Wertvolles kann das Land als Eigentum verlangen, dann steht dem Finder ein Finderlohn in Höhe von fünf bis zehn Prozent zu. Schmuckstücke wie beispielsweise Eheringe müssen in einem Fundbüro abgegeben werden. Holt sie dort niemand ab, stehen sie dem Finder zu.

Aber auch an Funde mit weniger großer Bedeutung, mit denen der Sondler dennoch Gutes tun konnte, erinnert sich Wildhagen gern zurück. Zum Beispiel in Minden. Dort hatte eine Frau ihren Schlüssel auf einem Feld verloren, während sie ihrem Hund hinterherlief. Wildhagen fand ihn und brachte ihn zurück.

So auch auf dem Lindhorster Sportplatz. „Bevor der umgebaut wurde, durften wir noch einmal sondeln“, erinnert sich Wildhagen. „Wir haben tatsächlich einen Ehering mit einer Gravierung gefunden.“ Anhand des Datums konnte man feststellen, dass die Eheleute gerade Silberhochzeit gehabt haben müssten. Der Platzwart kannte das Ehepaar und tatsächlich hatte der Mann seinen Ring vor 18 Jahren auf dem Platz in Lindhorst verloren.

Perfektes Hobby

„Man erlebt so einiges als Sondler“, hat Wildhagen festgestellt. Dabei ist der 37-Jährige erst seit fünf Jahren dabei. „Ehrlich gesagt weiß ich schon gar nicht mehr, wie ich zu dem Hobby gekommen bin.“ Mutmaßlich sei im Fernsehen etwas zum Thema gelaufen.

Der Schatzsucher legte sich einen Metalldetektor zu. „Bei meiner ersten Runde fand ich dann nur Abziehlaschen und Kronkorken. Da wollte ich schon fast aufgeben.“ Doch Wildhagen blieb hartnäckig, zog ein zweites Mal los. Da war dann direkt ein Goldring dabei. „Seitdem hat mich das Sondeln nicht mehr losgelassen.“ Es sei „das perfekte Hobby, um den Kopf frei zu kriegen“. Wildhagen nennt es auch „meditatives Wandern“.

Mittlerweile ist die Begeisterung auf die gesamte Familie übergeschwappt. Bis zu sechs Stunden am Tag machen sich die Wildhagens schon mal auf die Suche. Dabei springen Funde wie ein alter Trachtenknopf, Römermünzen, Ringfragmente und alte Wasserhähne raus. „Das ist wie eine Zeitreise.“ Nach dem Fund müsse man natürlich erstmal rausfinden, was man da gefunden hat. „Das ist immer spannend.“

Grundsätzlich verfolgt der Sondler bei seiner Suche kein konkretes Ziel. „Aber eigentlich bin ich ja noch auf der Suche nach dem ehemaligen Kloster hier“, erklärt Wildhagen. Dabei kommt er ordentlich rum in Stadthagen und Umgebung: „Es ist unglaublich, was für schöne Flächen wir in Schaumburg haben.“ Insgesamt sei Sondeln für ihn zum perfekten Hobby geworden. „Ich tue etwas für mich und die Natur, da ich sie vom Müll befreie.“ Nicht zu vergessen die Leute, die verloren Geglaubtes plötzlich wieder in den Händen halten.

von Isabell Remmers