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Stadthagen Stadt Schaumburger Landschaft will Erhalt der Kohlenkirche
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Schaumburger Landschaft will Erhalt der Kohlenkirche
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00:20 08.02.2019
Innerhalb der Schaumburger Landschaft gibt es bereits vage Ideen für eine Nachnutzung der Kohlenkirche. Quelle: rg
Stadthagen

Denkmalschutz sei in den achtziger Jahren „politisch nicht aktuell“ und auch nicht im öffentlichen Bewusstsein angekommen gewesen, sagt Klaus-Henning Lemme. Dies sei heutzutage anders, ist der Vorsitzende der Schaumburger Landschaft überzeugt. Deswegen glaube er auch fest daran, dass die Rettung der Kohlenkirche gelingen kann.

Schaumburger Landschaft setzt sich ein

Dafür werde sich die Schaumburger Landschaft einsetzen, zumal der Erhalt historischer Bauten in der Satzung festgeschrieben sei. Dass Lemme an die achtziger Jahre erinnert, kommt nicht von ungefähr. Der damalige Wissenschaftsminister Johann-Tönjes Cassens habe während eines Besuchs des Georgschachts im Mai 1986 400 000 Mark für die Grundsicherung der Kohlenkirche zugesagt. „Es tat sich jedoch nichts, weder Stadt noch Landkreis haben zugegriffen“, so Lemme. Damals seien Infrastrukturmaßnahmen und beispielsweise der Bau von Schulen von größerem öffentlichen Interesse gewesen. „Die Zeit war nicht reif.“ Leider sei damit eine wichtige Möglichkeit vertan worden, weil die Kohlenkirche damals noch in einem vergleichsweise guten Zustand gewesen sei.

Stadt wirtschaftlich nicht in der Lage

In Sachen Sanierung ist der Vorsitzende realistisch: „Diese wird und kann nicht durch die Stadt erfolgen, dazu ist diese wirtschaftlich gar nicht in der Lage.“ Dafür brauche es vorrangig die Unterstützung von Land und Bund. „Und wenn man einige im Boot hat, kann es sein, dass sich weitere einbringen“, nennt Lemme beispielsweise die Deutsche Stiftung Denkmalschutz. Gelder seien jedoch nur mit einem vernünftigen Nachnutzungskonzept zu akquirieren.

Für Lemme steht fest: „Es dürfen keine nennenswerten Folgekosten entstehen.“ Damit glaube er nicht an die Nutzung als Museum oder Konzertsaal, da sich dies nicht rechnen würde. Innerhalb der Schaumburger Landschaft gebe es zwar schon Ideen, aber diese seien zu vage, um sie schon öffentlich zu äußern. Und vor allem müsse ein weiteres Gutachten die Kosten für die Sanierung und die Nutzung zeigen. „Erst dann lässt sich ernsthaft sagen, ob man an das Projekt rangehen möchte. Es hat keinen Sinn, ohne Konzept und Kostenermittlung an den Bund ranzutreten.“

Unterschiedliche Prioritäten natürlich

Wegen der Ausgaben von einer Million Euro für die Sicherung des Gebäudes – wie berichtet geht diese Summe aus einem von der Stadt beauftragten Gutachten hervor – macht sich Lemme keine Sorgen. Seine Einschätzung: „Wir haben eine Chance, die Sanierung zu verwirklichen.“ Er gehe davon aus, dass nach der Sitzung des Bau- und Planungsausschusses (14. Februar) Bewegung in die Sache kommen werde. Die Beschlussvorlage des Bauausschusses sieht vor, den Sachverhalt an die Schaumburger Landschaft zu verweisen.

Die in den sozialen Netzwerken geäußerte Kritik, das Geld solle doch lieber in „wichtigere“ Projekte investiert werden, will Lemme so nicht stehen lassen. Es sei natürlich, dass Menschen unterschiedliche Prioritäten setzen. Am Beispiel des Lusthauses sei jedoch deutlich worden, dass es lohnenswert sei, historische Bauten zu erhalten, um etwas identitätsstiftendes für die Stadt zu schaffen. „Außerdem ist es ja nicht so, dass die Gelder, die wir akquirieren würden, beispielsweise für die Ausbesserung von Sportplätzen fehlen.“

Visuelle Verbesserung

Auch das Argument, dass die Kohlenkirche durch den Standort unattraktiv sei, lässt Lemme nicht gelten: „Historische Bilder zeigen, dass die Kohlenkirche nie isoliert auf dem Gelände stand, sondern immer umzingelt war von Industrie.“ Nichtsdestotrotz findet auch der Vorsitzende, dass man im Rahmen einer Sanierung für eine „visuelle Verbesserung“ sorgen müsste.

von Mira Colic