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Schiffchen statt Schlote

Ziegelbrennereien prägten Industrie Schiffchen statt Schlote

Wo sich heute Weiden über das Wasser neigen, Badestege in den Teich führen, wo Modellboote Wellen schlagen und hin und wieder Schwimmer ihre Kreise ziehen wurde vor vielen Jahrzehnten Ton abgebaut – zur Produktion von Ziegeln. Als die Ziegeleien nach und nach ihre Produktion einstellten, füllte Grundwasser die Tonkuhlen. Vier größere Teiche erinnern heute an die Ziegeleivergangenheit Stadthagens.

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Wo bis 1978 die Ziegelei Heinrich Möller Ton abbaute und Ziegel brannte, lockt heute ein Teich zum Boot fahren. 

Quelle: sk

STADTHAGEN. Nicht nur Kohle und Sandstein wurden beziehungsweise werden im Schaumburger Land aus der Erde geholt. Die Schaumburger Kreidemulde gab Ziegel- und Töpferton her. Der Betrieb einer städtischen Ziegelei ist bereits für das 17. Jahrhundert verbrieft: Graf Ernst zu Schaumburg-Lippe hatte 1615 den Rat der Stadt angewiesen, für den Bau einer Salzhütte in Rodenberg 2000 Maurer- und Hangsteine bei dem städtischen Ziegelmeister brennen zu lassen. Das Recht des Ziegelherstellung lag also bei der Stadt, der Ziegelhof vor dem Westerntore auf dem Gemeindeanger – heute der Festplatz.

Erst 1848 wurde einer Privatperson, dem Zimmermeister Friedrich Möller, der Bau und Betrieb einer Ziegelei gestattet. Diese richtete Möller am Lauenhäger Bach (Hülse) ein. Die Söhne Heinrich und Wilhelm führten die später drei Ziegeleien gemeinsam fort.

Boote sind unterwegs

Ein Dutzend weitere Ziegelbrennereien entstanden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, unter anderem an der Lauenhäger Straße und zwischen der Nord- und der Herminenstraße. Hier gab es bis 1968 die Ziegelei Kuhlemann (einst 1873 vom Bauern Lahmann gegründet), die Vollsteine und Dachziegel, Klinker, Hartbranntsteine sowie Stein für große Schornsteine herstellte. Von der Kuhlemannschen Abbaukuhle ist kein Teich erhalten. Hier hinein wurde vielmehr Schutt abgeladen, weshalb das Gelände nicht für den Wohnbau überplant wurde. Vielmehr entstand über dem betroffenen Areal an der Herminenstraße ein öffentlicher Parkplatz.

  (Foto: pr.)

Teiche hinterlassen haben hingegen zwei große Abbaustellen der Ziegelei Wilhelm Möller: Auf dem Gelände der ehemaligen Gerberei Strebost (heute Gerberhof) im Karree Breslauer Straße, Lönsweg, Gartenstraße, Enzer Straße – und 500 Meter Luftlinie entfernt an der Jahnstraße. Ein Teil dieses Teiches hatte die Stadt in den 60-er Jahren als Freibad hergerichtet. Das Bad ist längst passé. Bis vor einigen Jahren gab es hier eine Eisbahn. Genutzt wird der Teich noch immer (seit 1960) vom Schiffsmodellbauklub Stadthagen. Dessen Mitglieder lassen auf dem Jahnteich ihre schicken Boote flitzen.

12 Millionen Ziegel im Jahr

Baumumstanden und im Privatbesitz ist der Teich, der einer Straße den Namen gegeben hat. Längs der Teichstraße zwischen Herminenstraße und Lauenhäger Straße liegt ein Gewässer, das an die ehemaligen Ziegelei Willrich (erbaut 1864 von Carl Werner) erinnert.

Der vierte größere Teich kennzeichnet ein gefragtes Wohngebiet im Osten Stadthagens. Wo heute Häuserensembles um den Nordwesten des Ziegeleiteichs angeordnet sind, war in den 50-er Jahren noch weitgehend freies Feld. An der Schwerdtmannstraße 9 bis 11 baute Heinrich Möller 1894 einen Ziegeleibetrieb, der 80 Jahre später als eine der modernsten Ziegeleien in Norddeutschland galt und mehr als 12 Millionen Ziegel im Jahr produzierte. Nach einem Brand im Jahr 1968 wurde das Werk nach neuestem technischen Standard wieder aufgebaut. Dennoch: Zehn Jahre später kam das Aus für das Möllersche Unternehmen, die letzte Ziegelei in Stadthagen.  sk

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