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Schläger will Zeugen einschüchtern

Stadthagen Schläger will Zeugen einschüchtern

Das erste Wortgefecht mit Richter Kai Oliver Stumpe liefert sich der Angeklagte noch vor Beginn der Sitzung. Später pöbelt der 61-Jährige auf dem Flur einen Zeugen an und schüchtert im Gerichtssaal seine Ex-Freundin ein, die er am Nikolaustag 2013 nachmittags in einer Kneipe geschlagen hat.

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Quelle: dpa

Stadthagen. Vorsichtshalber ruft Stumpe zwei Polizisten, die den Stadthäger nicht aus den Augen lassen.

 Es geht um vier Fälle von Körperverletzung. Am Ende verhängt das Amtsgericht Stadthagen neun Monate Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung. „Phasenweise ging es hier zu wie im Königlich Bayerischen Amtsgericht“, stellt Stumpe in Erinnerung an die gleichnamige Fernsehserie fest. Der Angeklagte sei „von aufbrausender Natur“. Zwei der vier Opfer sind Frauen. „Das“, so der Richter, „geht schon mal gar nicht.“

 Verbunden ist die Entscheidung mit strengen Auflagen. So darf der 61-Jährige seiner Ex nicht näher als zehn Meter kommen, weder schreiben noch anrufen oder anders Kontakt aufnehmen. Zum Schluss wirkt der Schläger lammfromm, nachdem Staatsanwalt Günter Wilkening ihm ins Gewissen geredet hat. Vorm Gefängnis dürfte den Schläger dessen Geständnis bewahrt haben.

 Der Angeklagte, ein Mann mit fast 20 Vorstrafen und Knasterfahrung, legt Wert auf die Feststellung, kein Alkoholiker zu sein. Sicher ist, dass er „unter Alkohol äußerst aggressiv wird“, wie Staatsanwalt Wilkening erklärt. „Da müssen Sie mal in sich gehen“, rät Wilkening dem Stadthäger. Gelegenheit dazu bieten zwei Beratungsgespräche, die das Gericht dem Angeklagten zur Auflage gemacht hat. Außerdem muss er seiner früheren Bekannten als Entschädigung 400 Euro zahlen.

 In einer Stadthäger Gaststätte, wo der Mann nach eigenen Angaben 70 Euro vertrunken hatte, war es zu einem zunächst verbalen Streit mit gegenseitigen Angriffen gekommen, nachdem die Frau einen Monat zuvor Schluss gemacht hatte. Am Tresen bekam sie mehrere Schläge ins Gesicht. Auf eine Augenzeugin wirkte der Mann dabei „wie ein blutrünstiges Tier“. Erst gingen zwei Passanten dazwischen, später der Wirt.

 Die Frau will dem Stadthäger nichts Böses. „Ich will nur meine Ruhe“, sagt sie. Vier Tage vor dem Prozess soll der 61-Jährige den letzten von vielen Liebesbriefen geschrieben haben.

 In einem anderen Fall hatte der Stadthäger vor derselben Kneipe eine andere Frau geschlagen. Vor einem Supermarkt ohrfeigte er einen Mann, der ihn früher einmal beleidigt haben soll. Tat Nummer vier spielte in der Wohnung eines Bekannten, mit dem es nach einigen Dosen Bier ebenfalls zum Streit kam. Angeblich wollte der Wohnungsinhaber seinen Gast vor die Tür befördern und bekam einen Fausthieb ins Gesicht.

 Opferanwalt Ernst F. Blanke, der die Ex-Freundin vertritt, kennt den Angeklagten persönlich als „höflichen Zeitgenossen“, dem er „nichts Böses zugetraut“ habe. Seit der Gerichtsverhandlung habe sich „dieser Eindruck völlig gedreht“. ly

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