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Schmerzhafte „Spiele“

Grundschule Am Sonnenbrink Schmerzhafte „Spiele“

Die Angst geht um an der Grundschule Am Sonnenbrink: Mehrere Schüler aus unterschiedlichen Jahrgängen berichten davon, wiederholt von Mitschülern geschlagen und getreten worden zu sein.

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Die Lehrer können die körperliche Unversehrtheit der Kinder nicht mehr garantieren – sagen die Eltern.

Quelle: Montage: vin/Harmening

Stadthagen. Besorgte Eltern haben sich an die Schaumburger Nachrichten gewandt. Sie fürchten um das Wohl ihrer Kinder und sagen: Lehrer und Schulleiterin unternehmen zu wenig gegen das aggressive Verhalten einiger Schüler.

 Ein Vater musste mit seinem achtjährigen Sohn ins Krankenhaus fahren. Der Junge sei von seinen Mitschülern so massiv geschlagen worden, dass er eine Gehirnerschütterung erlitten habe. Der Mann ist verzweifelt: „Es ist schon das dritte oder vierte Mal, dass wir mit ihm nach der Schule zum Arzt fahren mussten.“ Er habe sich an die Schulleitung gewandt – ohne Erfolg. Es habe keinen Sinn gemacht, mit der Schulleiterin zu sprechen. „Sie hat nur gesagt, mein Sohn sei schließlich auch nicht ohne.“

 Offenbar kein Einzelfall: Zwei siebenjährige Mädchen aus der ersten Klasse berichten ebenfalls davon, mehrfach von Mitschülern geschlagen worden zu sein. Die Eltern sind alarmiert: „Als ich sie abgeholt habe, weinte sie“, sagt der Vater eines der Mädchen. Die Schülerin erzählt, zwei Jungen hätten sie festgehalten, während ein Dritter ihr in den Bauch boxte. „Fangen und Schlagen“ heiße das Spiel bei den Jungen. „Als Folge ist eine gravierende Angststörung zu befürchten“, heißt es in dem Befund des Arztes, den der Vater auch an die Schulleitung weitergegeben habe.

 Ein ähnliches Muster zeigt sich auch bei der Klassenkameradin der Erstklässlerin. Deren Mutter berichtet: „Meine Tochter sagte, dass sie in den Bauch geboxt wurde.“ Sie sei zu Boden gegangen, wo ihr ein Junge zusätzlich in den Bauch getreten habe. Nachdem sie den Vorfall der Klassenlehrerin gemeldet hatte, habe es Gespräche mit den Betroffenen gegeben. Im Unterricht sei das Verhalten vergeblich angesprochen worden. Später sei ihre Tochter von den Jungen gepackt und gegen ein Regal gestoßen worden. Die Mutter weiß nicht weiter: „Es kann nicht sein, dass Lehrer da nichts machen können.“ Gespräche reichen aus ihrer Sicht nicht aus.

 Sohn klagt ständig über Bauchschmerzen

 Eine Mutter musste mit ihrem neunjährigen Sohn ebenfalls einen Arzt aufsuchen, weil er – „nicht zum ersten Mal“ – von Mitschülern geschlagen worden sei. Der Neunjährige geht erst seit der zweiten Klasse zur Grundschule Am Sonnenbrink. Die Eltern hatten einen Sonderantrag gestellt, damit ihr Sohn nach einem Umzug die Schule nicht wechseln muss – vergeblich. Die Mutter sieht die Zukunft des Jungen gefährdet. „Mein Sohn hat sich verändert, er ist aggressiv und klagt ständig über Bauchschmerzen.“ Die Lehrer sind ihrer Meinung nach überfordert. Der Klassenlehrer habe lediglich gesagt „es sei momentan schwierig“, die Schulleiterin habe sich verleugnen lassen.

 Der Vater eines Siebenjährigen schildert ähnliche Erlebnisse. Sein Sohn sei wiederholt von Jungen aus dem vierten Jahrgang geschlagen und geschubst worden. Das erste Mal sei es auf dem Pausenhof passiert. Etwa eine Woche später sei der Zweitklässler dann von denselben Tätern auf dem Weg von der Schule nach Hause zunächst bedroht und dann verprügelt worden. Der Stadthäger hat Anzeige gegen unbekannt erstattet, die Ermittlungen der Beamten blieben bisher aber erfolglos. „Meiner Meinung nach wird zu wenig präventiv unternommen. Die Schule hat das Problem nicht im Griff.“

 Ein Spiel, das ausgeartet ist

 Die meisten Vorfälle sind nach Angaben der Eltern während der Pause passiert oder im Klassenraum, wenn die Lehrer nicht anwesend waren. Die Entrüstung ist groß. Die Mütter und Väter beklagen vor allem zu wenig Aufsichtspersonal auf dem Schulhof. „In den Pausen gibt es eine Aufsicht, aber die kann kaum das ganze Gelände überblicken,“ sagt eine Mutter. Ein verärgerter Vater: „Es kann nicht sein, dass nichts passiert und sich so wenig darum gekümmert wird.“

 Schulleiterin Petra Ammon bestreitet eine Häufung derartiger Vorgänge: „Was von einigen Eltern geschildert wird, kann ich an der Schule nicht finden.“ In den ihr bekannten Fällen habe es sich nach Angaben der Jungen, die geschlagen hatten, um ein Spiel gehandelt. „Ein Spiel, das ausgeufert ist“, so Ammon. Das sei selbstverständlich „nicht in Ordnung“ und es werde auch eingegriffen, sobald ein Kind etwas als Bedrohung empfinde. „Wir nehmen so etwas ernst,“, stellt Ammon klar. Es habe Gespräche mit dem Beteiligten gegeben, und auch generell würden mit den Schülern, als Teil des Unterrichts, die richtigen Umgangsformen und Verhaltensweisen eingeübt.

 Genaueres dürfe sie aus Datenschutzgründen nicht sagen, aber ein Vorfall habe in Gesprächen nicht geklärt werden können. In diesem Fall habe die Schulleiterin die Polizei um Hilfe gebeten. „Dass die Kinder unversehrt in die Schule kommen und sich wohlfühlen, dafür sorge ich“, betont Ammon. tbh

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