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Schön oder störend?

Stadt mäht Pflanzen ab Schön oder störend?

Viel Arbeit hat eine Reinserin in die Natur direkt vor ihrer Haustür gesteckt. Stolze 500 Quadratmeter hat Sabine Gerlach renaturalisiert. Doch nun habe die Stadt dafür gesorgt, dass Blumen und eine Ilex-Stechpalme weichen mussten. Gerlach vermutet, dass ein Nachbar sich an den Pflanzen gestört hat.

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STADTHAGEN. Sabine Gerlach liebt ihr kleines Reinsen. Der weite Ausblick über die idyllische Landschaft bis nach Nordrhein-Westfalen sei etwas Besonderes. Aber auch der Ausblick gleich vor ihrer Tür hat ihr bisher sehr gut gefallen. „500 Quadratmeter habe ich renaturalisiert“, sagt die 76-Jährige, die seit 46 Jahren in dem Haus der ehemaligen Gaststätte „Zur schönen Aussicht“ wohnt. Doch dann habe die Stadt dafür gesorgt, dass Blumen und eine Ilex-Stechpalme weichen mussten. Sie vermutet, dass ein Nachbar dafür gesorgt habe, weil er Schwierigkeiten hatte, mit seinem Trecker die Straße zu befahren und ihm der Anblick der Pflanzen nicht gefallen habe.

Da sich die abgemähten Pflanzen in einem öffentlichen Raum befanden und nicht auf ihrem eigenen Grundstück, hätten sie beseitigt werden dürfen. Gerlach ärgere sich aber, weil sie eine Klüngelei zwischen Verwaltung und dem Nachbarn vermute. Diese wolle sie jedoch nicht akzeptieren.

Beschwerde eines Anwohners

Die Stadtverwaltung teilt auf Anfrage mit, dass sie nicht aufgrund einer Beschwerde eines Anwohners gehandelt habe. Das Abmähen des Randstreifens sei schlicht erfolgt, weil „ein erheblicher Bewuchs auf der Verkehrsfläche zu den Gebäuden An der Bergkette 42 und 44 festgestellt“ worden seien. Da es sich bei dem Weg um eine Feuerwehrzufahrt handele, sei der Baubetriebshof beauftragt worden, den auf dem Weg stehenden Bewuchs vollständig zu entfernen. Eine Pflege der Fläche durch einen Anwohner sei nicht erkennbar gewesen, so die Verwaltung. Die 76-Jährige betont, dass sie Rücksprache mit der Feuerwehr gehalten habe und sich erkundigt hatte, ob die Pflanzen im Weg seien. Die habe das verneint.

Auch einige Thujen mussten weichen

Besonders traurig ist die gelernte Chemielaborantin über die gefällte Ilex Stechpalme. 20 Jahre sei sie alt gewesen, wild gewachsen. „Für mich war das eine echte Schönheit“, sagt die 76-Jährige. Aus diesem Grund kann sie es nicht verstehen, dass solche Pflanzen einfach entfernt werden. Auch andere Anwohner hätten bereits die Konsequenz des Nachbarn zu spüren bekommen. So mussten einige Thujen und ein Insektenhotel weichen.

Kleine Figuren am Wegesrand deuten die Stimmung an.

Quelle:

Gerlach möchte im September neue Blumen auf dem schmalen Streifen pflanzen. Sonnenblumen mag sie besonders, aber auch Margeriten, Bauernrosen, Ringelblumen oder unterschiedliche Mohnsorten. „Die Spaziergänger Richtung Wald mögen die Blumen auch“, so Gerlach. „Wenn die Verwaltung dann aber wieder ohne Vorwarnung alles abmäht, ist das mein Tod“, erklärt Gerlach. Sie ist froh, dass ihr die Linde und die beiden Kastanienbäume erhalten geblieben sind. Die stehen etwa 40 Zentimeter von der öffentlichen Fläche entfernt und gehören zu ihrem Grundstück. „Welch ein Glück“, sagt die 76-Jährige und hofft, dass eine weitere Mähaktion nicht mehr geplant ist. Wenn doch, würde sie gerne im Vorfeld davon erfahren. „Eine Rücksprache mit vorhandenen Anliegern bei der Beseitigung von Verkehrshindernissen auf Straßen erfolgt nicht“, erläutert jedoch die Verwaltung. Es sei nicht möglich, jeden Anlieger über anfallende Arbeiten im Verkehrsraum zu unterrichten.

Der Nachbar kümmere sich in keiner Weise

Gerlach sei aufgrund der bestehenden Straßenreinigungssatzung verpflichtet, die Straße und damit auch den grünen Randstreifen sauber zu halten. Über den Umfang dieser Verpflichtung werde sie aufgeklärt. Diese Reaktion der Stadtverwaltung lässt Gerlach entsetzt zurück. „Das ist wirklich unmöglich. Wir kümmern uns doch um den Weg.“ Ihr Nachbar dagegen, der mit seinem Grundstück in der gleichen Weise an den öffentlichen Weg grenze, kümmere sich in keiner Weise. „Das ist alles so ungerecht, das möchte ich nicht auf mir sitzen lassen“, sagt Gerlach. jemi

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