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Stadthagen Stadt Schüler steigen einen Tag auf Rollstühle um
Schaumburg Stadthagen Stadthagen Stadt Schüler steigen einen Tag auf Rollstühle um
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16:27 11.03.2018
Auch das Einkaufen im Supermarkt gestaltet sich im Rollstuhl ungleich schwieriger. Quelle: lht
Stadthagen

Wie ist es, wenn man beim Einkaufen im Supermarkt nicht ans Regal kommt oder mit seinem Rollstuhl nicht in den Aufzug passt?

Um zu erfahren, wie sich Menschen fühlen, die täglich auf das Hilfsmittel angewiesen sind, sind zwölf Altenpflege-Schüler der Ludwig Fresenius Schule für einen Tag selbst probehalber auf den Rollstuhl umgestiegen. In der Stadthäger Innenstadt haben sie sich dabei mit zahlreichen Schwierigkeiten konfrontiert gesehen.

Wenn der Bankbesuch zur Herausforderung wird

„Allein das Pflaster auf dem Marktplatz ist ein Problem“, erklärt Vanessa Burghard aus Obernkirchen, die mit ihrem Rollstuhl mehrfach in den Rillen zwischen den Steinen hängen blieb. Hinzu kämen die teils mitleidigen Blicke der Passanten. „Ich habe mich direkt abgewertet gefühlt“, sagt die 29-Jährige.

In manchen Geschäften seien die Gänge so eng, dass man mit dem Rollstuhl kaum hindurch käme. Auch der Besuch bei der Bank falle ungleich schwerer: „Es ist eine Katastrophe, da überhaupt hochzukommen“, sagt Alina Held aus Porta Westfalica, die den Bemühungen ihrer Begleiterin zum Trotz an der steilen Rampe vor dem Haupteingang zur Sparkasse scheiterte. Letztlich habe sich zwar herausgestellt, dass die Bank über einen ebenerdigen Zugang auf der gegenüberliegenden Westseite verfügt. „Der war aber nirgends ausgeschildert“, kritisiert die 43-Jährige.

Die Testfahrten im Rollstuhl förderten jedoch nicht ausschließlich negative Erfahrungen zutage. Stattdessen stießen die Auszubildenden vielerorts auf breite Hilfsbereitschaft. Auch bei der Sparkasse half letztlich eine Mitarbeiterin beim Bewältigen der Eingangsrampe. So gelangten die Schüler mit ihren Rollstühlen schließlich doch noch ins Gebäude der Bank.

Sensibilisierung für den Berufsalltag

Bereits seit drei Jahren steigen Auszubildende der Ludwig Fresenius Schule für einen Tag auf den Rollstuhl um. Dabei gehen jeweils die Schüler des ersten Ausbildungshalbjahres auf Testfahrt.

Die Rollstühle bekommen sie vom Sanitätshaus Ringe unentgeltlich zur Verfügung gestellt. „Damit sollen sie für alte Menschen und deren Einschränkungen sensibilisiert werden“, erklärt Friederike Fischer, die die Auszubildenden als Dozentin unterrichtet und jetzt durch Stadthagen begleitete.

Denn viele der Schüler arbeiten nach ihrer dreijährigen Ausbildung in Altenheimen oder beim ambulanten Pflegedienst – und sind dadurch täglich mit Menschen in Kontakt, für die solche Einschränkungen alltägliche Realität sind. lht