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Schulen und Kitas als „Werbefläche“?

Stadthagen Schulen und Kitas als „Werbefläche“?

Ob auf Plakaten, in Zeitschriften oder auf dem Fernsehbildschirm: Werbung ist allgegenwärtig und soll längst nicht nur Erwachsene ansprechen, sondern insbesondere auch Kinder und Jugendliche. Schulen und Kindergärten sind da als „Werbefläche“ für Unternehmen oft nicht uninteressant.

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Ob Disney, Lilifee oder „Mein kleines Pony“: Produkte mit bekannten Fernsehfiguren schinden vor allem bei der jungen Zielgruppe Eindruck.

Quelle: kle

Stadthagen (kil, kle). Sie platzieren ihr Logo gerne auf kleinen Mitbringseln wie Radiergummis, Stiften oder Malvorlagen. Wie bedeutsam ist Werbung überhaupt für Kinder und Jugendliche, und wie gehen Schulen und Kindergärten mit Unternehmensspenden um?

Bei städtischen Kindergärten und Grundschulen laufen Spenden und Schenkungen grundsätzlich über die Stadtverwaltung. „Allerdings kommt das ziemlich selten vor, dass eine Firma irgendetwas in der Richtung spendet“, erklärt Bettina Burger, Sprecherin der Stadt Stadthagen. Vorgekommen sei es selbstverständlich schon, das seien dann Geschenke wie Malvorlagen, richtige Malbücher oder Ähnliches. Grundsätzliche Bedenken habe sie dagegen nicht. „Wenn die Geschenke für die jeweilige Einrichtung geeignet sind und den Kindern oder dem Kindergarten allgemein zugute kommen, spricht da im Grunde nichts dagegen.“ Allerdings werde immer darauf geachtet, sollten die Produkte mit einem Werbeaufdruck versehen sein, dass dabei „keine vergleichende oder unseriöse Werbung praktiziert wird“.

Nach dem Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetz entscheidet bei städtischen Einrichtungen bei Spenden im Wert bis 100 Euro der Bürgermeister darüber, ob sie angenommen werden dürfen. Ab 100,01 bis 2000 Euro entscheidet der Verwaltungsausschuss, bei allen Beträgen darüber hinaus der Rat der Stadt.

Aber wie sieht die Sache in weiterführenden Schulen aus? Das Gymnasium Bad Nenndorf stellte in einem Schulaufsatz sogar einmal die Frage: „Sollte Werbung in Schulen erlaubt sein?“ und sensibilisierte damit die Schüler, also die junge Werbezielgruppe selbst, für das Thema. Für materielle Unternehmensspenden scheinen die weiterführenden Schulen in Schaumburg allerdings keine so interessante „Werbefläche“ zu sein. Zumindest wird das am Beispiel der IGS Rodenberg deutlich. An Sachspenden von Unternehmen kann sich Konrektorin Dorit Könecke jedenfalls nicht erinnern. Dafür habe es mal eine Werbeaktion auf dem Parkplatz vor der Schule gegeben, die betreffende Institution habe man aber weggeschickt. Unternehmen seien in der Schule nur durch schulische Kooperationsprojekte – zum Beispiel im Bereich der Berufsvorbereitung – präsent, nicht etwa durch Plakate, Flyer oder Ähnliches.

Werbung zieht – schon bei den Jüngsten

Die meisten Kinder im Kindergarten oder in der Vorschule können vielleicht noch nicht lesen und schreiben, Werbesprüche aus Funk und Fernsehen prägen sich aber auch bei ihnen schnell ein. Ganz nach dem Motto: Sobald etwas über den Bildschirm flimmert, ist es wichtig und gehört auf den Rucksack, aufs Mäppchen, aufs T-Shirt, auf den Turnbeutel. Das Marken-Denken und das Bevorzugen von bekannten Produkten ist also nichts, was alleine Jugendlichen vorbehalten wäre.

„Das fängt schon sehr früh an“, hat Marianne Wojach, Leiterin des Kindergartens Jägerhof in Stadthagen, die Erfahrung gemacht. „Kinder kennen vieles aus dem Fernsehen oder der Werbung.“ Gerade für Mädchen sei zum Beispiel „alles, wo Lilifee irgendwo drauf ist, wichtig“. Auch Disney-Figuren oder „Mein kleines Pony“ zieren so manchen Kinderrucksack der Garderobe. Bei Jungs sei es dann eher so etwas wie „Cars“ von Disney.

Ein Blick auf die Osterwünsche der Mädchen und Jungen spricht ebenfalls eine eigene Sprache. Zum Beispiel wünscht sich die vierjährige Luisa eine „zauberhafte Blumenfee“. Woher sie die kennt? „Die hab’ ich im Fernsehen in der Werbung gesehen.“ Auch Hannah (4) nennt als Wunsch zuerst ein zweites Kostüm der Fernsehfigur Lilifee. Aber weil sie ja schon eines hat, darf es am Ende doch etwas anderes sein: „Ein Hello-Kitty-Kostüm.“

Aber es gibt ja immer auch Ausnahmen: So möchte der fünfjährige Pascal gerne einen eigenen „Little Foot“. Die bekannte Figur aus dem Film „In einem Land vor unserer Zeit“ kennt er allerdings ursprünglich nicht aus dem Fernsehen, sondern aus der Bücherei. Und sein Interesse daran hat auch einen ganz eigenen Hintergrund: „Ich bin ein Dino-Fan, und Little Foot ist ein kleiner Langhals.“kle

Werbung durch „Mundpropaganda“

Werbung ist alltäglich. Sollte diese auch bis in den Schulalltag eindringen? Cornelia Möhring (14) berichtet von ihren Erfahrungen am Gymnasium Bad Nenndorf:

„An meiner Schule ist eher selten Werbung zu finden. Wenn geworben wird, dann für etwas Schulinternes oder für Dinge wie Ausbildungsmöglichkeiten oder Studienplätze.

Werbeartikel wie Stifte mit Logo und derartige Dinge gibt es an meiner Schule eigentlich gar nicht. Die wohl größte Werbequelle an der Schule ist die verbale: Wenn einer meiner Freunde etwas Neues hat, was er ganz toll findet, zum Beispiel ein Computerspiel, dann wird er den Anderen sicher davon berichten. Die werden es dann möglicherweise testen oder sogar direkt kaufen. Marken sind nicht mehr so wichtig: In der fünften und sechsten Klasse muss die Hose vielleicht noch von einer bestimmten Marke sein, ab der siebten Klasse nimmt dieses Verhalten ziemlich ab.“com

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